Unterschriftenaktion für ein Erziehungsgehalt

Warum ein Gehalt für Erziehungsarbeit allen nutzt und keinem schadet.

Sie haben kleine Kinder, sind alleinerziehend oder verheiratet. Sie sind erwerbstätig und lieben ihren Job...

....oder sie leisten Familienarbeit. Egal wie sie Ihr Leben organisiert haben, in jedem Fall müssen Ihre Kinder erzogen und betreut werden. Wenn Sie Ihren Job lieben, haben Sie vermutlich das Problem, einen Krippenplatz zu finden. Wenn Sie alleinerziehend sind, müssen Sie wahrscheinlich erwerbstätig sein, egal ob Sie wollen oder nicht. Sind Sie verheiratet und hauptamtlich als Familienfrau oder als Fami-lienmann tätig, müssen Sie mit Sicherheit finanzielle Einschränkungen hinnehmen. Wenn Sie alleine die Versorgungslast der Familie tragen, dann können Sie mit zwei und mehr Kindern auch mit einem durchschnittlichen Gehalt pro Kopf kaum mehr (meist weniger) als den Baföghöchstsatz erwirtschaften.

Nun stellen Sie sich vor, es gäbe ein Erziehungsgehalt, unabhängig vom Einkommen und der Familiensituation einfach nach dem Grundsatz: gleiches Recht für alle Eltern und gleiches Geld für alle Kinder. Das wäre ein Quantensprung in Richtung Fördergerechtigkeit und Wahlfreiheit. Im Augenblick wird nur die außer-häusliche Erziehungsarbeit staatlich unterstützt. Rund 950 Euro zahlt die öffentliche Hand im Durchschnitt monatlich für die ganztägige Betreuung eines Kleinkindes (0 - 3 Jahre)! Was wäre aber, wenn das Geld nicht als Subvention an die Krippe, sondern als Gehalt an die Eltern gezahlt würde? Stellen Sie sich vor: Als erwerbs-tätige Mutter oder Vater könnten nicht nur ihr gesamtes Einkommen behalten (die Betreuungskosten würden vom Gehalt für Erziehungsarbeit gedeckt), sondern auch besser Einfluss auf die Qualität der Kinderbe-treuung nehmen, denn die Einrichtungen werden nicht mehr staatlich subventioniert, sondern von den Eltern finanziert. Damit entsteht ein freier Markt von Angebot und Nachfrage und das belebt bekanntlich das Geschäft. Da der Bedarf an außerhäuslicher Betreuung allen Umfragen zufolge weit höher ist als das Angebot, haben die Wohlfahrtsverbände, die Betreuungseinrichtungen betreiben, nichts zu fürchten. Sie werden weiterhin gebraucht, nur anders finanziert.. Mit einem Gehalt für Erziehungsarbeit könnte auch der Elternteil aufatmen, der bislang die Familie alleine versorgen muss, während der andere, hauptberuflich erziehende Elternteil mehr finanziellen Spielraum hätte. Natürlich wären auch alleinerziehende Eltern entlastet; Sie kämen aus der Sozialhilfe-Falle und könnten sich stärker auf die Erziehungsarbeit konzentrieren und/oder von dem Geld eine Tagesmutter oder Krippe finanzieren.

Fazit:
Ein Gehalt für Erziehungsarbeit fördert –wie es die Verfassung vorsieht – alle Kinder gleichermaßen und schafft für junge Eltern echte Wahlfreiheit zwischen Erwerbs- und Familienarbeit. Aber auch jenseits dieser idealistischen Motive gebietet der nüchterne Blick auf die Statistiken ein schnelles Umdenken in Sachen Familienpolitik. Der Geburtenrückgang ist dramatisch, Fachkräfte-mangel ist schon heute ein ernstes Problem und ein Zusammenbrechen des Generationenvertrages bedroht jeden einzelnen von uns. Es ist nicht zu leugnen: Wir brauchen Kinder! Aber das Modell „Kinder in die Krippe – Frauen auf die Karriereleiter“ überzeugt die Mütter hierzulande nicht wirklich. 40 Prozent der Akademikerinnen verzichten aus Überzeugung auf Kinder. „Wozu soll ich Kinder kriegen, wenn ich mich nicht um sie kümmern kann, ohne meine wirtschaftliche Selbständigkeit aufzugeben, meinen Lebensstandard radikal einzuschränken und meine berufliche Zukunft zu ruinieren“, sind häufige Überlegungen. Dieser Trend ist mit flächendeckenden Krippen nicht zu stoppen, das erleben wir gerade im Musterland Schweden, wo trotz der „optimalen“ Fremdbetreuungsmöglichkeiten die Geburtenrate dramatisch sinkt. Warum gehen wir also nicht einen neuen Weg zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Einen Weg, der auf Wahlfreiheit gründet und auf die Entscheidungs-kompetenz und Verantwortungsbereitschaft der Mütter und Väter setzt, genau wie es die Verfassung in diesem Land vorsieht.

Wer soll das bezahlen?
Haben Sie gewusst, dass ein Krippenplatz ganz konkret in München mit DM 2119, das sind 1083 Euro (SZ 30.05.2001) pro Kind und Monat bezu-schusst wird? Nein. Kein Wunder. Darüber redet nämlich niemand. Hierzulande werden lauthals flächendeckende Kinderkrippen gefordert, als sei das eine besonders kostengünstige Erziehungsform. Aber die Ganztagesbetreuung für Kinder ist ein teurer Spaß, auch wenn es ab 3 Jahre „billiger“ wird.
Vor diesem Hintergrund fordert der Verband der Familienfrauen und –männer, zusammen mit sechs anderen bayerischen Familienverbänden, die sich in der „AG-Netzwerk Familie“ zusammengeschlossen haben, zunächst nicht mehr und nicht weniger als das, was an Subvention für die Erziehungsarbeit ohnehin geplant ist. Wir wollen es nur anders zugeteilt. Wir wollen das Geld den Eltern geben, damit diese entscheiden können, ob sie erwerbstätig sein möchten oder ihre Kinder selbst betreuen wollen. Wir wissen: Erziehungsarbeit ist Arbeit und Arbeit ist Geld wert. Das Geld steht denen zu, die die Arbeit leisten. Den Müttern, den Vätern, den Tagesmutter oder den Erziehungseinrichtungen.

Für die konkrete Umsetzung eines Erziehungsgehaltes bietet sich zunächst die gleiche Finanzierung an wie für Fremdbetreuungsmodelle, hier muss man also die Regierungsparteien fragen. Unabhängig davon wurden verschiedene Finanzierungsmodelle ausgearbeitet. Der sächsische Sozialminister Geisler legte schon 6/1999 ein entsprechendes Diskussions-papier vor und auch die katholische KAB Süddeutschland hat ein umfassendes Finanzierungskonzept erarbeitet. Der Deutsche Arbeitskreis für Familiehilfe hat eine sehr differenzierte und fundierte Studie (Erzie-hungsgehalt 2000) erstellen lassen und schließlich hat jetzt auch die ödp-Partei ein konkretes Konzept vorgelegt. Grundsätzlich, so argumentiert die AG-Netzwerk Familie, müsse das Thema „Erziehungsgehalt“ erst einmal in die politische Diskussion gebracht werden, und dann gelte wie überall: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Für die Umsetzung seien zunächst die Bereitschaft und dann vor allem Offenheit und Kreativität jenseits aller Ideologien gefragt. Wir „fahren heute Auto für die Renten“ (Ökosteuer), so ein Sprecher des Familienbundes der Katholiken. Warum sollten wir nicht mit einer Getränkesteuer einführen nach dem Motto: „Trinken auf die Kinder und die Zukunft dieser Gesell-schaft“

Wer die Forderung nach einem Gehalt für Erziehungsarbeit unterstützen möchte, der kann an einer bundesweiten Unterschriftenaktion teilnehmen, der dhg-Verband der Familienfrauen und –männer initiiert hat.

Entsprechende Informationen und Unterlagen erhalten Sie bei Annette Erös
Im Anger 25
93098 Mintraching
Tel.: 0 94 06/ 905 60