Bericht von Wolfgang Liebehenschel
Sent: Thursday, November 16, 2006 11:00 PM
Subject: Tagung im Gut Gödelitz über Katharina v. Bora
Vom 24.bis 27. September 2006 fand im Ost-West-Forum, dem Landgästehaus Gut Gödelitz, das - mit seiner Tagungsstätte, seiner Pension, Gastronomie und Wirtschaft - der Lutheridin Barbara Wagner und ihrem Bruder Schmidt-Gödelitz gehört, eine dreitägige Katharina-von-Bora-Tagung statt.
In einer idyllischen sächsischen Ecke am Westrand der Lommatzscher Pflege nahe Nossen gelegen, bot Gödelitz das richtige Refugium für diese, von der Schriftstellerin, Kunsthistorikerin und Germanistin, Dr.phil. Karin Jäckel aus Oberkirch und Frau Astrid von Friesen geleitete Veranstaltung.
Eingeladen waren einige Mitglieder des Lutherien-Vorstandes, wovon letztendlich aber nur der U. und seine Frau drei Tage teilnahmen. Die Tagung war gut besucht. Etwa 60 Personen hatten sich in dem aus einem früheren Schafstall umgebauten, modernen Konferenzraum eingefunden. Auch internationale Gäste waren angereist.
Am ersten Tag las Frau Dr. Jäckel aus ihrem neuen, historischen Roman "Die Frau des Reformators - Das Leben der Katharina von Bora" - Rowohlt Taschenbuch Verlag, (Jhg. 2006, ISBN 10: 3-499-23946-9) mehrere Abschnitte vor. Ein geselliges Abendbrot rundete den Tag ab.
Am Montag fand nach einem reichlichen Frühstück eine Busreise zu einigen Lebensstationen der Katharina statt, an der sogar ca. 35 Volkshochschüler aus Dresden teilnahmen. Besucht wurde Deutschen-Bora, die Ritterkirche Burckhardtswalde, Schloß Hirschstein/Elbe, Torgau (Katharinen-Sterbe-Haus, Marienkirche, Schloß Hartenfels mit Kirche) und die Ruine des Klosters Marienthron zu Nimbschen. Zurück, fand das gemütliche Abendessen im kleinen Saal im Schafstall statt. Prof. Reinhard Schmidt, Präsident des Sächs. Oberbergamtes in Freiberg, referierte danach über "Musik der Reformationszeit".
Der Dienstag brachte durch eine weitere Lesung über Käthe Luther (Frau Dr. Jäckel) ein abgerundetes Bild über die Lebensumstände der Lutherin. Hiernach hielt Herr Prof. Dr. Stötzner aus Leipzig, Vorsitzender des Paulinervereins, einen Vortrag über den Wiederaufbauwunsch der Pauliner-Universitätskirche zu Leipzig.
Erfreuliches war dabei nicht zu hören, denn Stötzner mußte mit Bedauern berichten, daß die Universität nicht im Geringsten daran denke, den architektonischen Zustand vor der, von Walter Ulbricht im Jahr 1968 verfügten, Sprengung der im Jahre 1231 gebauten Paulinerkirche, die 1543 von Luther geweiht worden war, wieder herzustellen. Dabei lagern etwa 80 alte Epitaphe und zahlreiche gerettete Bildwerke, Steinskulpturen und Teile von Altar und Predigtkanzel noch in verschiedenen Archiven. Luthers Sohn Paul, dessen Grab sich seit 1593 dort befand, sei auch nicht vergessen.
Stötzner übertrug seine tiefe Betroffenheit auf die Teilnehmer, da angesichts des Wiederaufbaues der Frauenkirche in Dresden, des Schlosses in Braunschweig und des weit verbreiteten Bürgerwillens zur Wiederherstellung der Paulinerkirche unfaßbar stringent verfahren würde.
Anschließend hielt der U.- nach Vorstellung der Lutheriden-Vereinigung e.V. - einen Overhaed-Vortrag über die Herkunft der Katharina v. Bora aus dem Meißnischen Ritterstand.
Anschließend stellte Frau Anette Kienast-Kistner, Goldschmiedin aus Worms, ihren goldenen Katharina-Trauring vor.
Nach geselliger Kaffeerunde gab es noch eine Premiere: Frau Dr. Jäckel präsentierte digitale Farbaufnahmen ihrer neu auf Ölgemälden von Lucas Cranach d.Ä. entdeckten Porträts der Lutherin und ihrer Kinder - ein Kunstgeschichtsthema erster Klasse.
Hiernach reisten wir ab, wissen jedoch, daß abends noch ein hervorragender Vortrag über sächs. Adelsfamilien durch Herrn Henning von Kopp-Colomb aus 45721 Haltern gehalten wurde.
Gut Goedelitz ist für solche Tagungen sehr zu empfehlen. Adresse: 04720 Gödelitz, Landgästehaus. Tel/Fax: 034325-20306.
Wolfgang Liebehenschel