Katharina-von-Bora-Tagung
auf Gut Gödelitz
vom 24. bis 27. September 2006

Bericht von Karin Jäckel

Es war wundervoll.

Mein Tagungsbericht zur Präsentation meines Romans "Die Frau des Reformators. Das Leben der Katharina von Bora" auf Gut Gödelitz.

Die Anreise

Meine aus Brandenburg stammende Freundin Annemone, die, wie alle Umsiedlungswilligen, vor einiger Zeit eine gewisse Summe Euro aus der Staatskasse erhielt, weil sie in den Westen auswanderte, meinte unlängst, sie brauche gar keine Mauer, um zu wissen, wann sie in ehemaliges DDR-Gebiet komme. Sobald die Straßen besser würden, habe sie die unsichtbare Grenze passiert. Damals lachten wir über den etwas makabren Scherz.

Aber als ich im September 2006 nach Gödelitz zu meiner auf Gut Gödelitz im Herzen Sachsens stattfindenden Tagung fuhr, achtete ich darauf und tatsächlich, es stimmt. So viele neue, glatte Straßen und frisch restaurierte oder von Grund auf renovierte städtebauliche Kunstschätze und herrlich gelegene Gehöfte wie in den neuen deutschen Bundesländern gibt es im ganzen Westen nicht. Das ist schön und sehenswert.
Ich kann Reiselustige deshalb nur dazu ermuntern, Zeit und Geld für eine Sightseeingtour auf Katharina von Boras Spuren zu investieren. Sie werden begeistert sein.

Gut Gödelitz

Wer Gut Gödelitz sucht, findet es in der sogenannten "Lommatzschen Pflege", einer lieblich geschwungenen Landschaft, in deren Talsohlen sich einzelne Höfe und Ortschaften ducken, so dass der auf einem der sanften Hügel Stehende sich inmitten eines Äcker-, Wald- und Wiesenmeeres wähnt, dessen Wellenschlag sich im Wind übers Land rollt. Unweit des Gutes Gödelitz tun sich die Städte Döbeln und Freiberg auf. Dresden und Meißen sind nah.

Gut Gödelitz selbst ist Ort und Gutsanlage in einem.
Auf dem schmalen Zufahrtsweg muss der sprichwörtliche Fuchs lange suchen, ehe er den Hasen zum Gute-Nacht-Sagen trifft, so einsam, still und weitab der Welt ist es dort.

Torzufahrt zu Gut Gödelitz
Torzufahrt zu Gut Gödelitz

Wie verwunschen liegt das alte Herrenhaus der Besitzerfamilie mit seinem von dicken Bäumen überschattetem Garten. Die ehemaligen bzw. noch heute genutzten Wirtschaftsgebäude und Wohnhäuser gesellen sich in lockerem Kreis dazu.

Die Eingangsseite des Herrenhauses
Die Eingangsseite des Herrenhauses

Für Gäste bietet der Gutsbetrieb angenehm ausgestattete Zimmer mit Dusche für ca. 50 Euro die Nacht, sowie eine sehr persönliche, dennoch unaufdringliche Fürsorglichkeit der Gastgeber, die nichts zu wünschen lässt. Sollten die 24 Betten des Hauses ausgebucht sein, können weitere Zimmer im etwa fünf Kilometer entfernten Schloss Schleinitz hinzu gemietet werden. Inmitten von Weizenfeldern, Wiesen und Obstbäumen, unter denen die einzigartige Kirsche "Franzens Wilde" gedeiht, die ein exquisites Kirschwasser hergibt, warten die Hausherrin und ihr Personal zu den Mahlzeiten mit traditioneller Hausmannskost an stilvoll mit feinem Damast und altem Silber aufgedeckten Tischen auf.

Kirschbrandkenner pilgern fast nach Gödelitz, um eine der jährlich maximal 150 Flaschen oder gar ein Reis der seltenen, wegen der alten Bäume nur von Hand zu erntenden Kirsche zum Pfropfen und Veredeln der eigenen Bäume zu ergattern und "Franzens Wilde" auch im eigenen Garten oder der eigenen Obstplantage heimisch zu machen.

Gästehäuser im bunten Blätterkleid
Gästehäuser im bunten Blätterkleid

Hausgäste nehmen das Frühstück im alten Herrenhaus unter dem Bildnis von Johanna Schmidt-Gödelitz, der verehrten "grande dame" der Familie, ein, die nach der Wende mit über Siebenundsiebzig mit Schlafsack, Campingbett und Gaskocher aus dem Westen kam, um ihr 1945 enteignetes Zuhause zurück zu kaufen und es mit eigenen Händen aus dem LPG-Schutt der Jahrzehnte zu erlösen und zu neuer Schönheit aufzubauen.
Nicht jedem ist es vergönnt, in diesem reifen Alter nochmals einen Neuanfang zu wagen und zu gewinnen. Die "grande dame" schaffte es ebenso wie damals, als sie 1945 mit vier kleinen Kindern vertrieben wurde und aus dem Nichts zur leitenden Persönlichkeit in einer süddeutschen Firma aufstieg.
Gut Gödelitz trägt ihre Handschrift. Und wenn man das Ölgemälde betrachtet, das im Lichteinfall zwischen den Fenstern zu lächeln scheint, strahlt die alte Dame über den Tod hinaus die Kraft einer starken Persönlichkeit aus. Was sie im Schulterschluss mit ihren vier Kindern und unter Aufbietung des gesamten Familienvermögens aus Gut Gödelitz neu erstehen ließ, verdient jedenfalls allen Respekt.

Meine Unterkunft befand sich in einem der kleinen dem Herrenhaus zugehörigen Privathäuser der Familie.

Das mir freundlich zugewiesene Häuschen
Das mir freundlich zugewiesene Häuschen

Individuell, zweckmäßig und doch romantisch, verbarg sich meine Bleibe hinter der unscheinbar anmutenden Fassade eines Reihenhäuschens. Die Stille der Weltabgeschiedenheit ringsum tat sich in den Stuben wie eine Tür ins "Anderland" der Märchen auf.
Dort oben unterm Dach, am dunklen Schreibtisch mit Blick übers weite Land, kämen die Nebelfeen und Birkentrolle des Abends herein, säße ich dort und schriebe. Bedauert habe ich kurz vor dem Einschlafen jedes Mal, dass mir die Zeit dazu fehlte. Aber den Klang der Stille von dort unterm Dach habe ich mit zu mir heim genommen. Er singt in meinen Ohren, wenn ich daran denke.

Ausblick in die Wellenlandschaft der Lommatzschen Pflege
Ausblick in die Wellenlandschaft der Lommatzschen Pflege

Tagungsort Alter Schafstall

Draußen vor dem Zufahrtstor des Herrenhauses wurde der alte Schafstall zum

Wandtafel von 1792 am Alten Schafstall
Wandtafel von 1792 am Alten Schafstall

großzügigen Tagungsort für bis zu 300 Personen hergerichtet, der sicher stellen soll, dass so rasch kein Besucher oder Teilnehmer an den Veranstaltungen des Gut Gödelitz angeschlossenen Vereins "Ost-West-Forum e.V." mehr aus Platzmangel abgewiesen werden muss.

Eingang auf der Giebelseite des Alten Schafstalls
Eingang auf der Giebelseite des Alten Schafstalls

Dieser alte Schafstall beherbergt hinter seinen weiß geschlämmten und mit fröhlich roten Rahmen abgesetzten Fenstern einen kleinen und einen großen Saal. Mit elektronischem und mediengerechtem Komfort und bequemer Bestuhlung ausgestattet, bieten beide ein schlichtes, doch ebenso modernes wie familiär anmutendes Ambiente für die verschiedenartigsten Anlässe.

Im großen Saal des Alten Schafstalls
Im großen Saal des Alten Schafstalls

Schwerpunkt des von Hannover oder München etwa drei ein halb und von Berlin anderthalb Stunden entfernt liegenden Gutshofes sind Vorträge und Gesprächsrunden, die politische Aufklärungsarbeit sowie Ost-West-Verbindendes leisten. Interessante Referenten aus der Politik treten dort ebenso auf wie Botschafter, Professoren oder Menschen aus Ost und West, die an so genannten Biographie-Wochenenden ihre eigenen Lebenserfahrungen vorstellen.

Gern gesehen sind auf Gödelitz aber auch Firmen, die etwa zu kleinen Kongressen oder Seminartagungen einladen. Ebenso denkbar wären Künstlerveranstaltungen oder Vereinstreffen sowie Gruppen, die sich im stimmungsvollen Ambiente zu einem mehrtägigen Familien-, Klassen- oder Freundestreffen wiedersehen möchten.
Wünschen Veranstalter Kontakte zu Wissenschaftlern oder Politikern herzustellen, können die Gödelitzer ebenso kompetent vermitteln wie sie Busausflüge zu den zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Umgebung arrangieren oder einen Aufenthalt zu Wellness-Tagem für die Seele werden lassen.

Interessierten empfehle ich einen Blick ins Internet, wo der Verein "Gut Gödelitz e.V." unter http://www.ost-west-forum.de eine Webseite anbietet, auf der sich neben dem aktuellen Programm auch die Adresse nebst Ansprechpartner für Buchungsanfragen finden. Für ganz Eilige bietet sich ein Anruf unter der Nummer 034325 - 20434 an.

Tagungsverlauf

Für meine Tagung zu meinem Roman "Die Frau des Reformators. Das Leben der Katharina von Bora" konnte ich nicht nur selbst mit Lesungen, Diskussionen, Führungen und einem Bildvortrag über meine neu entdeckten Abbildungen Katharinas und der Luther-Kinder auf Cranach-Gemälden firmieren, sondern auch Organisationshelfer sowie Referenten gewinnen, deren großes Wissen und persönliches Engagement ich dankbar bewundere.

Im Einzelnen liefen die Tagungstage planmäßig und wie angekündigt ab:

Tagungsprogramm mit Fotoschau

von Sonntag, dem 24. September 2006 bis Mittwoch, dem 27. September 2006

Bustour mit Fotoschau zur Tagung

am Montag, dem 25. September 2006

Einige Ergänzende Informationen

Für die aus Dresden angereisten VHS-Kurs-Teilnehmer hätte ich mir etwas mehr Zeit nach der Busrundreise auf Katharina von Boras Spuren gewünscht. Leider mussten viele von ihnen in Dresden jedoch bestimmte öffentliche Verkehrsmittel erreichen, um nach Hause zu kommen. So blieb ihnen nach dem gemeinsamen Abendessen auf Gut Gödelitz bedauerlicherweise nicht ausreichend Zeit, um den gesamten Vortrag über "Musik der Reformationszeit am Beispiel Freibergs" zu hören.

Für Interessierte bietet sich das folgende Buch an:

Eszter Fontana, Veit Heller, Steffen Lieberwirth:
"Wenn Engel musizieren.
Musikinstrumente von 1594 im Freiberger Dom"
November 2004
95 Seiten, 160, meist farb. Abb., Gebunden
Verlag Janos Stekovics | ISBN: 3899230671

Im Internet findet sich eine Webseite unter
http://www.stw-crimmitschau.de/
media/Eprosa_0306_Crim_final_Screen.pdf
#search=%22freiberg%20engelorchester%22
,
auf welcher man Abbildungen der Musikinstrumente und einen erläuternden Text findet.
Weitere Informationen erhält man z.B. hier:
http://mfm.uni-leipzig.de/_dt/Forschung/
ProjektFreiberg.php?navid=38

Außerdem kann man die Doppel-CD "Wenn Engel musizieren. Instrumente im Freiberger Dom" der Gruppe "Musica Freybergensis" aus dem "Verlag Raumklang" käuflich erwerben.

Mein Dank

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle für den jeweils ehrenamtlichen Auftritt der Referenten, die, ebenso wie ich, unentgeltlich gekommen waren und am Gelingen der Tagung mitwirkten, um Katharina von Boras Spuren deutlicher aus dem Dunkel der Zeit hervortreten zu lassen und gleichzeitig das "Ost-West-Forum" auf Gut Gödelitz und den gleichnamigen, als gemeinnützig eingetragenen Verein zu fördern.

Katharina von Bora als die berühmte sowohl gesamtdeutsche als auch internationale Persönlichkeit der "Frau des Reformators" erscheint mir als Prototyp der emanzipierten, zeitlos modernen Frau und Mutter, unter deren Dach vom ärmsten Scholaren bis zum reichsten Edelmann, vom Pestkranken bis zum fröhlichen Hochzeitsschmausgelage jedermann in geistiger Freiheit versammelt war. In gewisser Weise war deshalb auch ihr Wittenberger Haus ein "Ost-West-Forum".

Im Einzelnen danke ich:

1. Frau Astrid von Friesen, Autorin und Psychotherapeutin aus Freiberg, die mir bei der Organisation und Einladung der Tagungsteilnehmer helfend zur Seite stand. Während der monatelangen Vorbereitungsphase wurde sie nicht müde, bei Busunternehmern und Gaststätten Angebote einzuholen, Schlüssel für Kirchen und mögliche Führungen zu organisieren. Last but not least bot sie bei der Volkshochschule in Dresden einen Tageskurs zu "Katharina von Bora" als Kursleiterin an, dessen Teilnehmer sich später mit der Tagungsteilnehmergruppe aus Gödelitz zu einer Rundreise trafen.

Dass insgesamt über 80 Tagungs- und Rundreiseteilnehmer und anlässlich meiner Eingangsveranstaltung mit Lesung und kleiner Diskussion aus meinem Roman "Die Frau des Reformators. Das Leben der Katharina von Bora" noch weit mehr Interessierte zusammen kommen würden, hatten anfangs weder Astrid von Friesen noch ich für möglich gehalten.

2. Frau Annette Kienast von der Gold- und Ideenschmiede Kienast aus Worms am Schlossplatz beim Nordportal des Doms. Im Internet unter http://www.Goldschmiede-Kienast.de
Frau Kienast bereicherte die Tagung mit einem Vortrag über die von ihr gefertigten Repliken des Nonnen- und Eherings der Katharina von Bora, den sie nach dem museal erhaltenen Original anfertigte und mit passendem Ohrschmuck nebst Anhängerkette zu einem edlen Set kombinierte und ins Sortiment aufnahm.
Unvergesslich wird mir eine kleine Anekdote bleiben, die Frau Kienast in der ihr eigenen liebenswürdig plaudernden Art über das jedem Fluss eindeutig zuzuordnende, ganz eigene Flussgold und die "Flitterchen", das wundersam feine, stark silberhaltige und darum besonders hoch glänzende Gold aus dem Rhein, erzählte. Dieses wird ihr von einem Goldwäscher gebracht, der es mit unendlicher Mühe aus dem Rheinwasser auswäscht.
Als er ihr seine Ausbeute erstmals brachte und zu einem Ring verarbeitet haben wollte, versetzte die Goldschmiedin sich gedanklich in die rheinische Unterwasserlandschaft und entwickelte ihre Ringidee aus der Vision dessen, was sie durch den wie ein Vergrößerungsglas wirkenden Wasserspiegel entdeckte. Am Ende fertigte sie eine Ringmulde für die hauchzarten Goldplättchen, die "Flitterchen" an und deckte sie mit einem wasserklaren, vergrößernd wirkenden Bergkristall ab. Unter seinem glänzenden Schild schweben die "Flitterchen" in ihrem goldenen Bett und erinnern an den bis heute niemals aufgefundenen sagenhaften Schatz der Nibelungen.

3. Herrn Wolfgang Liebehenschel, Leitender Baudirektor a.D. aus Berlin, Mitglied der Lutheriden-Vereinigung und leiblicher Nachfahre von Martin Luther mit Katharina von Bora. Aus seinem reichen Forschungs- und Wissensschatz führte uns Herr Liebehenschel auf den Spuren seiner berühmten Ahnfrau zu den mit ihr verwandten und verschwägerten Adelshäusern, die bis hinauf zu Reichskanzlern und Reichsadel reichten.
Seine in rascher Folge via Overhead-Projektor an die Leinwand geworfenen Landkarten, Bildnisse, Dokumente und Fotografien rundeten Eindrücke und Kenntnisse ab, welche die Tagungsgäste Tags zuvor bereits durch eine Rundreise zu einigen wichtigen Lebensstationen Katharina von Boras gewonnen hatten. Die Fülle des Materials konnte leider nicht in einem einzigen Vortrag ausgeschöpft werden.
Dem Interessierten sei deshalb ein Buch des Familienforschers anempfohlen: "Der langsame Aufstieg des Morgensterns zu Wittenberg".

Nicht verschwiegen werden soll, dass Herr Liebehenschel mit seiner Katharina-Forschung in der Kritik seiner Forscherkollegen, der Herren Eckart von Stutternheim und Fritz Fischer, steht. Diese hatten in Heft 4 aus dem Jahr 2005 der "Zeitschrift für Familienforscher" einen gemeinsamen Aufsatz "Zur Herkunft der Katharina von Bora, Ehefrau Martin Luthers" veröffentlicht und die Erkenntnisse Herrn Liebehenschels über Anna von Schönberg als Großmutter und deren Tochter Anna von Haugwitz als Mutter seiner Ahnfrau Katharina von Bora in den Bereich der Phantasie gestellt.
Wenngleich das Forscherpaar eine lange Reihe von Dokumenten und Sekundärliteratur für die eigenen Ausführungen angibt, bleiben weiterhin gravierende Lücken und werden gelegentlich erstaunliche Rückschlüsse gezogen. So kommt es vor, dass sie zur Erhärtung ihrer eigenen Theorien über die Herkunft Katharina von Boras dokumentierte historische Zitate bestimmter Persönlichkeiten als nicht ernst zu nehmende Scherzworte ummünzen und Berufsbezeichnungen als Nachnamen interpretieren. Auch bleiben Dokumente unerwähnt, die Herrn Liebehenschels Forschungsergebnisse stützen.
Auf diese Weise kommen die Herren E. von Stutternheim und F. Fischer zwar zu teilweise anderen Forschungsergebnissen als Herr Liebehenschel, bleiben den eindeutigen Beweis der Richtigkeit allein ihrer Interpretationen vorliegender Dokumente und daraus gezogenen Schlussfolgerungen jedoch schuldig.

Auf der Gödelitzer Tagung jedenfalls konnte sich das anwesende Publikum von der soliden und seriösen Forschertätigkeit Herrn Liebehenschels überzeugen.

4. Herrn Dr. Ulrich Stötzner, Vorsitzender des Paulinervereins in Leipzig. Sein Bildvortrag über den soeben bewilligten stark modifizierten Neubau der während des DDR-Regimes ebenso diktatorisch wie mutwillig gesprengten Pauliner-Universitätskirche zu Leipzig, die den vergangenen Weltkrieg nahe zu unbeschadet überstanden hatte, erschütterte das Publikum merklich.
Unverständlich blieb, warum der nachweislich weitaus kostenintensivere Neubau am alten Platz einem traditionellen Wiederaufbau der kunsthistorisch wertvollen Kirche vorgezogen wurde. Allein Ausbau und Nutzung des kirchenähnlich geplanten Neubaus durch die Universität rechtfertigt nach Meinung des herzhaft um den Wiederaufbau des Originals ringenden Paulinervereins weder die fast doppelt so hohen Mehrkosten, noch das futuristisch anmutende Architekturmodell.
Wie Herr Dr. Stötzner zu berichten wusste, habe die Universität in der Frage des Wiederaufbaus jedoch das Sagen, so dass die Universitätsleitung sich mit diesem Bauwerk quasi ein Denkmal setze.

Für unser Tagungsthema war die Pauliner-Universitätskirche insofern von besonderer Bedeutung, als sich in ihrem Innern bis zu ihrer Sprengung die Begräbnisstätte von Paul Luther, dem Sohn Martin Luthers und Katharina von Boras, befand.
Er hatte Medizin studiert und öffentlich bekundet, seine Mutter sei eine kundige Heilerin und Heilkräuterkennerin gewesen, von der er vieles gelernt habe. Im Torgauer Stadthaus seiner jungen Verlobten und späteren Ehefrau Anna von Warbeck verbrachte Katharina von Bora ihre letzten Lebenstage, ehe sie in der dortigen Stadtkirche St. Marien ihre letzte Ruhe fand. Noch heute kann dort ihre Grabplatte bewundert werden, die ihre Kinder ihr zum ewigen Gedenken gestiftet hatten.

Doch nicht nur Paul Luther machte die Pauliner-Universitätskirche in Leipzig für die Tagung in Gödelitz interessant. Bis zur Zerstörung im zweiten Weltkrieg hatten sich dort auch die Familiengruft-Kapellen der Häuser von Pflugk und von Haugwitz befunden, die gemeinsam zu den Vorfahren Katharina von Boras zählen. Zum Beispiel wurde hier Anna von Haugwitz geb. von Schönberg aus dem Hause von Mergenthal, Katharinas Großmutter, beigesetzt.

5. Herrn Prof. Dr. Reinhard Schmidt, Präsident des Sächsischen Oberbergamtes in Freiberg und Ehemann Astrids von Friesen.
Sein musikalischer Vortrag über "Musik der Reformationszeit am Beispiel des Freiberger Doms" verzauberte nicht nur wegen der köstlichen Musikbeispiele. Als einzigartig empfanden die Tagungsteilnehmer vor allem die Präsentation der Musikinstrumente, auf denen die Musikbeispiele vorgetragen wurden. Es handelte sich dabei nämlich um Musikinstrumente aus dem Engelorchester im Innern des Freiberger Doms.
Diese Instrumente bestanden nicht, wie man vermuten möchte, aus künstlerisch perfekten Nachbildungen. Vielmehr sind es echte, um 1594 einst spielbare und eindeutig auch tatsächlich bespielte Holzinstrumente, die dick vergoldet und sodann den Putten des Engelorchesters an die Hand gegeben wurden.
Im Zuge der Restauration entdeckt, baute man die verschiedenen Holzinstrumente originalgetreu nach und gründete anschließend eigens ein Ensemble, das auf diesen Instrumenten auftrittsreif spielen lernte und später auch entsprechende Tonträger für den Verkauf produzierte. Als "Musica Freybergensis" ist ihre aktuelle Doppel-CD unter dem Titel "Wenn Engel musizieren. Instrumente im Freiberger Dom" aus dem "Verlag Raumklang" im Handel.
(Siehe dazu auch meine Hinweise weiter oben unter "Ergänzende Informationen".)

6. Mein ganz besonderes und sehr persönliches Danke schön gebührt jedoch meinem Mann, Herrn Prof. Dr. Klaus-Peter Jäckel, der mich nicht nur auf dem weiten An- und Abreiseweg chauffierte, sondern auch wesentlich zum Gelingen der Tagung beitrug. Ob Kuchenverteiler oder Büchertisch-Präsentierer, Laptop-Freak oder Bildvortrag-Retter, in allen Bereichen war er stets zuverlässig zur Stelle. Ohne ihn wär's zumindest für mich nicht halb so schön gewesen.

Mein Dank an die Tagungsteilnehmer

Insgesamt waren ca. 80 Tagungsteilnehmer gekommen, um gemeinsam mit mir unterhaltende, informatorische und spannende Stunden "Auf den Spuren Katharina von Boras, der Frau des Reformators" zu verbringen und meinen Roman zu lesen. Zur Eingangslesung am Sonntag Abend waren noch sehr viel mehr Personen dabei. Etwa 45, die sich zur Übernachtung auf Gut Gödelitz und die umliegenden Hotels verteilten, blieben während der gesamten Tagung da.

Ihnen allen danke ich für ihr Kommen und die Stimmung, die sie verbreiteten.

Wenn uns am Ende der Tagung zumute war, als sei Katharina nur kurz aus dem Raum gegangen und werde in der nächsten Minute leibhaftig wieder zu uns treten, so war dies vor allem auch Ihr Verdienst.

Ihr Lob für meine Arbeit und meinen Roman hat mich gefreut. Doch wie ich Ihnen bereits in Gödelitz sagte: Es hat mich bei meinen Vorträgen und meiner Lesung beflügelt, wie gern und leicht Sie sich von mir auf die Spurensuche nach Katharina mitnehmen und wie selbstverständlich Sie Ihr eigenes Wissen in unsere gemeinsamen Stunden einfließen ließen.

Geradezu gerührt hat mich, dass aus Ihren Reihen am Ende spontane eigene Beiträge kamen, für die ich gern einen Teil der für meine Lesung vorgesehen Zeit aussetzte.

Hier ist nicht nur Axel Schmidt-Gödelitz zu nennen, dessen Einführung in Ziel und Geist des "Ost-West-Forums" und des zugehörigen Vereins wichtig war.
Ganz besonders gern denke ich an jenes betagte Ehepaar, - er evangelischer Pfarrer im Ruhestand, sie die aktive, ihn ergänzende Frau an seiner Seite, - das mich in seiner Art des Miteinanders an Goethes "Philemon und Baucis" aus "Faust II" erinnerte. Die schlichte Aussage der so jugendlich wirkenden älteren Dame, sie habe sich in schwierigen Lebenslagen oftmals gefragt, wie wohl Katharina diese oder jene Situation gemeistert haben würde, berührte mich sehr.

Gödelitz, - ich wiederhole mich, das war einfach schön.

Karin