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Katharina-von-Bora-Tagung
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Bericht von Karin JäckelEs war wundervoll.Mein Tagungsbericht zur Präsentation meines Romans "Die Frau des Reformators. Das Leben der Katharina von Bora" auf Gut Gödelitz. Die AnreiseMeine aus Brandenburg stammende Freundin Annemone, die, wie alle Umsiedlungswilligen, vor einiger Zeit eine gewisse Summe Euro aus der Staatskasse erhielt, weil sie in den Westen auswanderte, meinte unlängst, sie brauche gar keine Mauer, um zu wissen, wann sie in ehemaliges DDR-Gebiet komme. Sobald die Straßen besser würden, habe sie die unsichtbare Grenze passiert. Damals lachten wir über den etwas makabren Scherz. Aber als ich im September 2006 nach Gödelitz zu meiner auf Gut Gödelitz im Herzen Sachsens stattfindenden Tagung fuhr, achtete ich darauf und tatsächlich, es stimmt. So viele neue, glatte Straßen und frisch restaurierte oder von Grund auf renovierte städtebauliche Kunstschätze und herrlich gelegene Gehöfte wie in den neuen deutschen Bundesländern gibt es im ganzen Westen nicht. Das ist schön und sehenswert. Gut GödelitzWer Gut Gödelitz sucht, findet es in der sogenannten "Lommatzschen Pflege", einer lieblich geschwungenen Landschaft, in deren Talsohlen sich einzelne Höfe und Ortschaften ducken, so dass der auf einem der sanften Hügel Stehende sich inmitten eines Äcker-, Wald- und Wiesenmeeres wähnt, dessen Wellenschlag sich im Wind übers Land rollt. Unweit des Gutes Gödelitz tun sich die Städte Döbeln und Freiberg auf. Dresden und Meißen sind nah. Gut Gödelitz selbst ist Ort und Gutsanlage in einem. ![]() Torzufahrt zu Gut Gödelitz
Wie verwunschen liegt das alte Herrenhaus der Besitzerfamilie mit seinem von dicken Bäumen überschattetem Garten. Die ehemaligen bzw. noch heute genutzten Wirtschaftsgebäude und Wohnhäuser gesellen sich in lockerem Kreis dazu. ![]() Die Eingangsseite des Herrenhauses
Für Gäste bietet der Gutsbetrieb angenehm ausgestattete Zimmer mit Dusche für ca. 50 Euro die Nacht, sowie eine sehr persönliche, dennoch unaufdringliche Fürsorglichkeit der Gastgeber, die nichts zu wünschen lässt. Sollten die 24 Betten des Hauses ausgebucht sein, können weitere Zimmer im etwa fünf Kilometer entfernten Schloss Schleinitz hinzu gemietet werden. Inmitten von Weizenfeldern, Wiesen und Obstbäumen, unter denen die einzigartige Kirsche "Franzens Wilde" gedeiht, die ein exquisites Kirschwasser hergibt, warten die Hausherrin und ihr Personal zu den Mahlzeiten mit traditioneller Hausmannskost an stilvoll mit feinem Damast und altem Silber aufgedeckten Tischen auf. Kirschbrandkenner pilgern fast nach Gödelitz, um eine der jährlich maximal 150 Flaschen oder gar ein Reis der seltenen, wegen der alten Bäume nur von Hand zu erntenden Kirsche zum Pfropfen und Veredeln der eigenen Bäume zu ergattern und "Franzens Wilde" auch im eigenen Garten oder der eigenen Obstplantage heimisch zu machen. ![]() Gästehäuser im bunten Blätterkleid
Hausgäste nehmen das Frühstück im alten Herrenhaus unter dem Bildnis von Johanna Schmidt-Gödelitz, der verehrten "grande dame" der Familie, ein, die nach der Wende mit über Siebenundsiebzig mit Schlafsack, Campingbett und Gaskocher aus dem Westen kam, um ihr 1945 enteignetes Zuhause zurück zu kaufen und es mit eigenen Händen aus dem LPG-Schutt der Jahrzehnte zu erlösen und zu neuer Schönheit aufzubauen. Meine Unterkunft befand sich in einem der kleinen dem Herrenhaus zugehörigen Privathäuser der Familie. ![]() Das mir freundlich zugewiesene Häuschen
Individuell, zweckmäßig und doch romantisch, verbarg sich meine Bleibe hinter der unscheinbar anmutenden Fassade eines Reihenhäuschens. Die Stille der Weltabgeschiedenheit ringsum tat sich in den Stuben wie eine Tür ins "Anderland" der Märchen auf. ![]() Ausblick in die Wellenlandschaft der Lommatzschen Pflege
Tagungsort Alter SchafstallDraußen vor dem Zufahrtstor des Herrenhauses wurde der alte Schafstall zum ![]() Wandtafel von 1792 am Alten Schafstall
großzügigen Tagungsort für bis zu 300 Personen hergerichtet, der sicher stellen soll, dass so rasch kein Besucher oder Teilnehmer an den Veranstaltungen des Gut Gödelitz angeschlossenen Vereins "Ost-West-Forum e.V." mehr aus Platzmangel abgewiesen werden muss. ![]() Eingang auf der Giebelseite des Alten Schafstalls
Dieser alte Schafstall beherbergt hinter seinen weiß geschlämmten und mit fröhlich roten Rahmen abgesetzten Fenstern einen kleinen und einen großen Saal. Mit elektronischem und mediengerechtem Komfort und bequemer Bestuhlung ausgestattet, bieten beide ein schlichtes, doch ebenso modernes wie familiär anmutendes Ambiente für die verschiedenartigsten Anlässe. ![]() Im großen Saal des Alten Schafstalls
Schwerpunkt des von Hannover oder München etwa drei ein halb und von Berlin anderthalb Stunden entfernt liegenden Gutshofes sind Vorträge und Gesprächsrunden, die politische Aufklärungsarbeit sowie Ost-West-Verbindendes leisten. Interessante Referenten aus der Politik treten dort ebenso auf wie Botschafter, Professoren oder Menschen aus Ost und West, die an so genannten Biographie-Wochenenden ihre eigenen Lebenserfahrungen vorstellen. Gern gesehen sind auf Gödelitz aber auch Firmen, die etwa zu kleinen Kongressen oder Seminartagungen einladen. Ebenso denkbar wären Künstlerveranstaltungen oder Vereinstreffen sowie Gruppen, die sich im stimmungsvollen Ambiente zu einem mehrtägigen Familien-, Klassen- oder Freundestreffen wiedersehen möchten. Interessierten empfehle ich einen Blick ins Internet, wo der Verein "Gut Gödelitz e.V." unter http://www.ost-west-forum.de eine Webseite anbietet, auf der sich neben dem aktuellen Programm auch die Adresse nebst Ansprechpartner für Buchungsanfragen finden. Für ganz Eilige bietet sich ein Anruf unter der Nummer 034325 - 20434 an. TagungsverlaufFür meine Tagung zu meinem Roman "Die Frau des Reformators. Das Leben der Katharina von Bora" konnte ich nicht nur selbst mit Lesungen, Diskussionen, Führungen und einem Bildvortrag über meine neu entdeckten Abbildungen Katharinas und der Luther-Kinder auf Cranach-Gemälden firmieren, sondern auch Organisationshelfer sowie Referenten gewinnen, deren großes Wissen und persönliches Engagement ich dankbar bewundere. Im Einzelnen liefen die Tagungstage planmäßig und wie angekündigt ab: Tagungsprogramm mit Fotoschau von Sonntag, dem 24. September 2006 bis Mittwoch, dem 27. September 2006 Bustour mit Fotoschau zur Tagung am Montag, dem 25. September 2006 Einige Ergänzende InformationenFür die aus Dresden angereisten VHS-Kurs-Teilnehmer hätte ich mir etwas mehr Zeit nach der Busrundreise auf Katharina von Boras Spuren gewünscht. Leider mussten viele von ihnen in Dresden jedoch bestimmte öffentliche Verkehrsmittel erreichen, um nach Hause zu kommen. So blieb ihnen nach dem gemeinsamen Abendessen auf Gut Gödelitz bedauerlicherweise nicht ausreichend Zeit, um den gesamten Vortrag über "Musik der Reformationszeit am Beispiel Freibergs" zu hören. Für Interessierte bietet sich das folgende Buch an: Eszter Fontana, Veit Heller, Steffen Lieberwirth: Im Internet findet sich eine Webseite unter Außerdem kann man die Doppel-CD "Wenn Engel musizieren. Instrumente im Freiberger Dom" der Gruppe "Musica Freybergensis" aus dem "Verlag Raumklang" käuflich erwerben. Mein DankBedanken möchte ich mich an dieser Stelle für den jeweils ehrenamtlichen Auftritt der Referenten, die, ebenso wie ich, unentgeltlich gekommen waren und am Gelingen der Tagung mitwirkten, um Katharina von Boras Spuren deutlicher aus dem Dunkel der Zeit hervortreten zu lassen und gleichzeitig das "Ost-West-Forum" auf Gut Gödelitz und den gleichnamigen, als gemeinnützig eingetragenen Verein zu fördern. Katharina von Bora als die berühmte sowohl gesamtdeutsche als auch internationale Persönlichkeit der "Frau des Reformators" erscheint mir als Prototyp der emanzipierten, zeitlos modernen Frau und Mutter, unter deren Dach vom ärmsten Scholaren bis zum reichsten Edelmann, vom Pestkranken bis zum fröhlichen Hochzeitsschmausgelage jedermann in geistiger Freiheit versammelt war. In gewisser Weise war deshalb auch ihr Wittenberger Haus ein "Ost-West-Forum". Im Einzelnen danke ich: 1. Frau Astrid von Friesen, Autorin und Psychotherapeutin aus Freiberg, die mir bei der Organisation und Einladung der Tagungsteilnehmer helfend zur Seite stand. Während der monatelangen Vorbereitungsphase wurde sie nicht müde, bei Busunternehmern und Gaststätten Angebote einzuholen, Schlüssel für Kirchen und mögliche Führungen zu organisieren. Last but not least bot sie bei der Volkshochschule in Dresden einen Tageskurs zu "Katharina von Bora" als Kursleiterin an, dessen Teilnehmer sich später mit der Tagungsteilnehmergruppe aus Gödelitz zu einer Rundreise trafen. Dass insgesamt über 80 Tagungs- und Rundreiseteilnehmer und anlässlich meiner Eingangsveranstaltung mit Lesung und kleiner Diskussion aus meinem Roman "Die Frau des Reformators. Das Leben der Katharina von Bora" noch weit mehr Interessierte zusammen kommen würden, hatten anfangs weder Astrid von Friesen noch ich für möglich gehalten. 2. Frau Annette Kienast von der Gold- und Ideenschmiede Kienast aus Worms am Schlossplatz beim Nordportal des Doms. Im Internet unter http://www.Goldschmiede-Kienast.de 3. Herrn Wolfgang Liebehenschel, Leitender Baudirektor a.D. aus Berlin, Mitglied der Lutheriden-Vereinigung und leiblicher Nachfahre von Martin Luther mit Katharina von Bora. Aus seinem reichen Forschungs- und Wissensschatz führte uns Herr Liebehenschel auf den Spuren seiner berühmten Ahnfrau zu den mit ihr verwandten und verschwägerten Adelshäusern, die bis hinauf zu Reichskanzlern und Reichsadel reichten. Nicht verschwiegen werden soll, dass Herr Liebehenschel mit seiner Katharina-Forschung in der Kritik seiner Forscherkollegen, der Herren Eckart von Stutternheim und Fritz Fischer, steht. Diese hatten in Heft 4 aus dem Jahr 2005 der "Zeitschrift für Familienforscher" einen gemeinsamen Aufsatz "Zur Herkunft der Katharina von Bora, Ehefrau Martin Luthers" veröffentlicht und die Erkenntnisse Herrn Liebehenschels über Anna von Schönberg als Großmutter und deren Tochter Anna von Haugwitz als Mutter seiner Ahnfrau Katharina von Bora in den Bereich der Phantasie gestellt. Auf der Gödelitzer Tagung jedenfalls konnte sich das anwesende Publikum von der soliden und seriösen Forschertätigkeit Herrn Liebehenschels überzeugen. 4. Herrn Dr. Ulrich Stötzner, Vorsitzender des Paulinervereins in Leipzig.
Sein Bildvortrag über den soeben bewilligten stark modifizierten Neubau der während des DDR-Regimes ebenso diktatorisch wie mutwillig gesprengten Pauliner-Universitätskirche zu Leipzig, die den vergangenen Weltkrieg nahe zu unbeschadet überstanden hatte, erschütterte das Publikum merklich. Für unser Tagungsthema war die Pauliner-Universitätskirche insofern von besonderer Bedeutung, als sich in ihrem Innern bis zu ihrer Sprengung die Begräbnisstätte von Paul Luther, dem Sohn Martin Luthers und Katharina von Boras, befand. Doch nicht nur Paul Luther machte die Pauliner-Universitätskirche in Leipzig für die Tagung in Gödelitz interessant. Bis zur Zerstörung im zweiten Weltkrieg hatten sich dort auch die Familiengruft-Kapellen der Häuser von Pflugk und von Haugwitz befunden, die gemeinsam zu den Vorfahren Katharina von Boras zählen. Zum Beispiel wurde hier Anna von Haugwitz geb. von Schönberg aus dem Hause von Mergenthal, Katharinas Großmutter, beigesetzt. 5. Herrn Prof. Dr. Reinhard Schmidt, Präsident des Sächsischen Oberbergamtes in Freiberg und Ehemann Astrids von Friesen. 6. Mein ganz besonderes und sehr persönliches Danke schön gebührt jedoch meinem Mann, Herrn Prof. Dr. Klaus-Peter Jäckel, der mich nicht nur auf dem weiten An- und Abreiseweg chauffierte, sondern auch wesentlich zum Gelingen der Tagung beitrug. Ob Kuchenverteiler oder Büchertisch-Präsentierer, Laptop-Freak oder Bildvortrag-Retter, in allen Bereichen war er stets zuverlässig zur Stelle. Ohne ihn wär's zumindest für mich nicht halb so schön gewesen. Mein Dank an die TagungsteilnehmerInsgesamt waren ca. 80 Tagungsteilnehmer gekommen, um gemeinsam mit mir unterhaltende, informatorische und spannende Stunden "Auf den Spuren Katharina von Boras, der Frau des Reformators" zu verbringen und meinen Roman zu lesen. Zur Eingangslesung am Sonntag Abend waren noch sehr viel mehr Personen dabei. Etwa 45, die sich zur Übernachtung auf Gut Gödelitz und die umliegenden Hotels verteilten, blieben während der gesamten Tagung da. Ihnen allen danke ich für ihr Kommen und die Stimmung, die sie verbreiteten. Wenn uns am Ende der Tagung zumute war, als sei Katharina nur kurz aus dem Raum gegangen und werde in der nächsten Minute leibhaftig wieder zu uns treten, so war dies vor allem auch Ihr Verdienst. Ihr Lob für meine Arbeit und meinen Roman hat mich gefreut. Doch wie ich Ihnen bereits in Gödelitz sagte: Es hat mich bei meinen Vorträgen und meiner Lesung beflügelt, wie gern und leicht Sie sich von mir auf die Spurensuche nach Katharina mitnehmen und wie selbstverständlich Sie Ihr eigenes Wissen in unsere gemeinsamen Stunden einfließen ließen. Geradezu gerührt hat mich, dass aus Ihren Reihen am Ende spontane eigene Beiträge kamen, für die ich gern einen Teil der für meine Lesung vorgesehen Zeit aussetzte. Hier ist nicht nur Axel Schmidt-Gödelitz zu nennen, dessen Einführung in Ziel und Geist des "Ost-West-Forums" und des zugehörigen Vereins wichtig war. Gödelitz, - ich wiederhole mich, das war einfach schön. Karin |
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