copyright by http://www.karin-jaeckel-autorin.de |
Jeder müßte das beste für die Kinder tun |
Saarbrücker Zeitung21. Juni 1995Die Autorin Karin Jäckel macht mit sozialkritischen Büchern auf Probleme aufmerksamLebach/Oberkirch (peb) „Als besorgte werdende Mutter habe ich angefangen, sehr wach zu sein für die Probleme von Kindern". Karin Jäckel geht auf Spurensuche nach den Anfängen ihrer Karriere als Autorin. Schon immer standen Kinder im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Aus der Feder der promovierten Kunstwissenschaftlerin und Germanistin fließen aber längst nicht nur Geschichten für Kinder, sondern auch brisante Geschichten über Kinder — sozialkritischer Zündstoff, dessen nachdrückliche Umsetzung sie nicht nur die Spitzen der Bestsellerlisten hat erklimmen lassen, sondern stets ein wichtiger Beitrag zur Enttabuisierung von Darüber-spricht-man-doch-nicht-Themen ist. Die Themen sind eng mit ihren persönlichen Erfahrungen verbundenPriesterkinder, Vergewaltigung von Frauen und sexuellen Kindesmißbrauch thematisierte Karin Jäckel als eine der ersten deutschsprachigen Autorinnen mit einer packenden Mischung aus wohlrecherchierter Authentizität schonungsloser Eindringlichkeit und dennoch viel Fingerspitzengefühl gegenüber den Opfern. Eine lange Vertrauensarbeit durch Gespräche mit den Betroffenen kennzeichnet den Werdegang jedes ihrer Sachbücher. Meist sind ihre Themen ganz eng mit ihren persönlichen Erfahrungen verwoben. So engagiert sie sich etwa in ihrer Freizeit aktiv für Opfer des sexuellen Kindesmißbrauchs, hat Kontakte zu einer Selbsthilfegruppe von Frauen mit behinderten Kindern. Pikanter Hintergrund ihrer Priesterkinder-Veröffentlichungen: eine gute Freundin hat sich in einen Priester verliebt und sich dadurch in große Probleme verstrickt „Sie war so unendlich einsam in ihrer Randsituation", erzählt Karin Jäckel über eines ihrer Hauptmotive, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Auch wenn die Geburt ihres ersten Kindes (inzwischen sind es drei) für die 47jährige wohl der wichtigste Impulsgeber für ihr journalistisches Schaffen war, so läßt sich ihre Neigung zum Schreiben denn doch sehr viel weiter zurückverfolgen. Schon im zarten Alter von acht Jahren veröffentlichte (!) sie ihre erste selbstverfaßte Geschichte. „Viel zu verdanken", so sagt sie heute, hat Karin Jäckel übrigens auch der Saarbrücker Zeitung, bei der sie Beiträge für die Kinderseite geschrieben hat. Dies und ihr Studium an der Saarbrücker Uni sind aber längst nicht die einzigen saarländischen Facetten im Leben der Autorin, die an der Ostsee geboren ist und heute in Oberkirch im Schwarzwald lebt. Als Soldatenkind nämlich verschlug es sie mit 13 Jahren nach Lebach, dort machte sie 1968 am damaligen Realgymnasium ihr Abitur und erhielt als weiteren Vorboten ihres späteren Schaffens den Scheffelpreis. Lebach hat aber noch eine viel weitreichendere Bedeutung in ihrem Leben, lernte sie doch an der hiesigen Schule ihren Mann Klaus-Peter kennen. „Das war an seinem allerletzten Schultag", erinnert sie sich im Gespräch mit der STADTZEITUNG. Sie und ihre Klassenkameradinnen mußten an jenem Tag die Abiturienten bewirten — und beim Abwaschen hat's dann gefunkt Bis heute hat Karin Jäckel persönliche Kontakte zu alten Freunden im Lebacher Raum, zumal auch die Schwiegereltern noch in Hasborn zu Hause sind. Schon seit 1975 arbeitet sie hauptberuflich als Autorin. Seit der Veröffentlichung ihres ersten Kinderbuches 1981 ging es Schlag auf Schlag, nach einigem Nachzählen kommt sie inzwischen auf stolze 47 Veröffentlichungen und „ein paar Filme". Sie schreibt Drehbücher für Fernsehreportagen, wirkt als Fachautorin bei Rundfunk-und Fernsehsendungen mit und veröffentlicht Fachbeiträge in Frauenmagazinen. Lesungen in Buchhandlungen und vor Schulklassen sowie Vorträge auf Fachtagungen füllen weitere Seiten ihres Terminplaners. Im Bugwasser ihres großen Erfolges „Sag keinem, wer dein Vater ist" recherchiert sie zur Zeit erneut im Umfeld Priesterkinder. Ansonsten schreibt sie momentan noch an einem „Frauenthema", nämlich dem „Second-Hand-Mann" — geschiedene Männer, die eine neue Beziehung eingehen (geplante Veröffentlichung im Herbst 1996). Aber auch auf der Kinderbuch-Schiene, fährt sie weiter („Ich brauche beides") und kommt demnächst mit einem neuen „Gespensterbuch" auf den Markt In all ihren Werken merkt man Karin Jäckel ihre persönliche Betroffenheit an — eine gute Portion Idealismus gehört wohl auch mit dazu. Jeder von uns müßte das beste für Kinder tun", sagt sie ein wenig nachdenklich. Und fügt hinzu: „Das beste, was ich für sie tun kann, ist schreiben". |
|
|