copyright by http://www.karin-jaeckel-autorin.de |
Weihnachtsgrüße 21.12.2000 |
Liebe Väter, Mütter, liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter für das Recht unserer Kinder,in Gedanken rücke ich mir alle die Namen zurecht, die mir aus dieser Runde vor dem inneren Auge vorbeiziehen, lasse die zugehörigen mir mehr oder weniger bekannten Erfahrungen Revue passieren und fühle mich Ihnen für diese Augenblicke sehr nah. Seit ich "Der gebrauchte Mann" schrieb, stehe ich mit Ihnen in Verbindung. Sonderbarerweise nicht schon viel länger, aber das ergab sich damals nicht. Andere Väter liessen mich an ihrem Erlebten teilnehmen, rührten mein Herz und mein Gewissen an. Die Worte, mehr noch die Blicke der Kinder, mit denen ich über die Wunde ihres Lebens, den Verlust von Vater oder Mutter, Oma und Opa, Onkel und Tanten. Cousinen und Cousins - kurz der einen Hälfte ihres Familienlebens - sprach, sie eigentlich waren es, die mich nicht ruhen liessen, bis dieses erste meiner "Väter-Bücher" über heftige Widerstände hinweg publiziert wurde. Und immer noch sind es die solcherart zwangsverwaisten Kinder, deren Leiden mich in der Spur halten, mich weiterhin gegen Windmühlen anrennen, weiterhin um Öffentlichkeit und ein Wiedererwachen des Urweiblichen in der Frau und ein ebensolches Widererwachen des Urmännlichen in dem Mann unserer Zeit ringen lassen. Sie werden vielleicht protestieren, dass dieses Urweibliche, Urmännliche genau das ist, was wir nicht brauchten, dass wir endlich Gemeinsamkeiten erkennen und pflegen sollten. Wenn dies Ihre Meinung ist, sei sie Ihnen unbenommen. Meine ist es nicht. Kinder sind das Ergebnis einer dualen Mischung. Sie verkörpern in sich die Vereinigung zweier Lebenskreise zu einem neuen, ganz eigenen. Und wenn dieser neue, ureigenste Lebenskreis des Kindes vollkommen gerundet werden soll, dann bedarf es dazu nicht der professionellen Fremdbetreuung und des materiellen Superaufwands sondern vor allem Anderen der ganzheitlichen Liebe beider Eltern. Wer sein Kind liebt, muss zwangsläufig in diesem Kind auch einen Teil desjenigen Menschen lieben oder zumindest respektieren, der das Sein des Kindes mitinitiiert hat. Liebe zum Kind ohne Achtung der Mutter vor dem Vater und des Vaters vor der Mutter ist hohles Geschwätz, ist Atemluftverschwendung. Betrachten Sie Ihr Kind oder Ihre Kinder mit den Augen der Liebe, und Sie werden an ihnen Ähnlichkeiten feststellen, die der Beweis dessen sind, dass der Mensch unsterblich ist, weil er in seinen Kindern und Kindeskindern weiterlebt. Wer keine Kinder hat, hinterlässt verblassende Erinnerungen, verwehende Spuren im Sand der Zeit. Deshalb gehört nicht, wie heute so gern und laut behauptet wird, die Zukunft der Frau und die Vergangenheit dem Mann. Es gehört ihnen allenfalls die Gegenwart. Und die dauert gerade so lange, bis sie vom Tod hinweggerafft werden. Und wenn sie sich selbst auch für ein wieder auftaubares Leben in hundert oder zweihundert Jahren einfrieren liessen. Oder wenn sie auch tausendmal klonen, künstlich neu erschaffen würden. Es bliebe stets nur die eine Kopie der Kopieder Kopie der Kopie. Die Zukunft aber, die gehört in Wahrheit - und zwar ihnen allein - den Mütter und Vätern mit ihren Kindern. Ich weiss, es ist Schmerz in seiner tiefsten Form, der Nähe eines geliebten Menschen beraubt zu werden, das Wegreissen eines geliebten Kindes ertragen zu müssen, allein gelassen zu sein. Trotzdem tröstet es vielleicht zu wissen, dass es nur eine räumliche Trennung ist. Ihr Kind trägt Sie als Vater und Mutter in sich. Unauflösbar, in der Tiefe seines Wesens, wo immer es ist, so lange es lebt. Tragen auch Sie Ihr Kind im Herzen und geben Sie der Freude Raum, Vater dieses Kindes zu sein, das jenseits von Kilometern und Hauswänden mit Ihnen verbunden ist und bleibt. Diese Freude, dieses Gefühl tiefster Liebe, die nichts begehrt und vollkommen ist, allein, weil sie ist, diese Freude wünsche ich Ihnen von Herzen. Ihre |