15. November 2002
"Stöckl, Carina" Carina.Stoeckl@csu-bayern.de schrieb:
Sehr geehrte Frau Dr. Jäckel,
mit Begeisterung habe ich Ihren Artikel "Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr" auf der Webseite des NOVO-Magazines gelesen.
Treffender kann man die derzeitige familienpolitische Schieflage gar nicht formulieren!
Die Familienpolitik der rot-grünen Bundesregierung ist fixiert auf die Erwerbstätigkeit von Müttern. So wichtig eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit ist, so verfehlt ist die Geringschätzung von Eltern, die ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen, um sich ganz der Familienarbeit zu widmen.
Die Politik darf dem Menschen nicht vorschreiben, wie er zu leben hat. Sie ist vielmehr dazu verpflichtet, eine echte Wahlfreiheit zu ermöglichen.
Derzeit trägt die öffentliche Hand 1.000 Euro pro Kind und Monat für einen Kinderkrippenplatz.
Die familiäre Kindererziehung hingegen wird mit einem Erziehungsgeld, das maximal 307 Euro betragen kann, außer Acht gelassen.
Hier gilt demzufolge ein "Stundensatz" von 0,43 Euro, wohingegen Eltern, die ihr Kind in eine Krippe geben, mit mindestens 6 Euro pro Stunde subventioniert werden.
Der Staat muss alle Erzieher in gleichem Ausmaß fördern. Die Familien dürfen nicht schlechter als Krippenbetreiber gestellt werden.
Jedes Kind soll, laut SPD, gleich stark gefördert werden - das bedeutet dass die Kinder in den Familien die gleiche Unterstützung erhalten müssen wie diejenigen Kinder, die in Ganztageskrippen außerhalb ihrer Familie aufwachsen.
Die SPD will Eltern aber definitiv entmündigen. Am besten sollen auch schon die unter Dreijährigen den ganzen Tag vom Staat betreut werden. Spätestens aber mit dem Eintritt in den Kindergarten sollen die Eltern keinen Einfluss mehr auf ihren Nachwuchs haben:
Flächendeckende Ganztagskindergärten und Ganztagsschulen sollen Erziehung verstaatlichen.
Bekannt aus kommunistischen Staaten wie der DDR oder der Sowjetunion - auch bekannt sind die verheerenden Auswirkungen.
Kinder benötigen jedoch elterliche Liebe und Fürsorge, die ihnen von keiner Kinderbetreuungseinrichtung in gleichem Masse gegeben werden kann.
Kindliche Entwicklungsstörungen sind oftmals bedingt durch mangelnde elterliche Betreuung. Nach dem Vorsitzenden des Forums Jugendmedizin, Edgar Friedrichs, ist die Zahl verhaltensgestörter Kinder in den vergangenen 30 Jahren sprunghaft angestiegen. 1970 war erst jedes 30. Kind verhaltensgestört, heute ist es schon jedes fünfte Kind.
Diese Störungen haben nicht nur für die Familien selbst, sondern auch für die Gesellschaft gravierende Auswirkungen in Form sozialer Folgekosten.. Verhaltensauffälligkeiten führen oftmals zu Gesundheitsstörungen, Drogenkonsum, Lern- und Leistungsstörungen und höherer Straffälligkeit..
Die Stärkung der Erziehungskompetenz der Eltern ist deshalb für uns neben dem Familiengeldkonzept eine eigenständige Säule unserer Familienpolitik. Über das bereits bestehende Angebot - vom Beginn einer Partnerschaft und Ehe an über das Kindergartenalter und Grundschulalter hinaus - sollen die Möglichkeiten verbessert und ausgebaut werden, vor allen Dingen sollen aber die Berater, Schulen, Kindergärten, Mediziner und Eltern besser miteinander vernetzt werden.
Durch die Stärkung der Erziehungssicherheit und -kompetenz kann ein Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation von Familien geleistet werden. Ziel muss es sein, Eltern von Anfang an Unterstützung anzubieten. Dabei sollen sie nicht bevormundet werden, sondern Anregungen bekommen, in vielfältigen Erziehungsanforderungen konfliktsensibel und entscheidungssicher handeln zu können.
Sicherlich kann hier noch einiges hinzugefügt werden, aber das war gar nicht der Zweck meiner e-mail an Sie. - Hier also meine Frage:
Ich würde mich sehr freuen, Ihr Einverständnis vorausgesetzt, wenn ich Ihren Artikel auf unserer Webseite publizieren und auch an den Vorsitzenden unserer Familienkommission, Herrn Joachim Unterländer, MdL, weiterleiten darf.
Herzlichen Dank für ihre Rückmeldung!
Mit freundlichen Grüßen
Carina Stöckl, M.A.
Referentin für Frauen- und Familienpolitik
CSU-Landesleitung
Politik- und Parteiarbeit
Nymphenburgerstr. 64 * 80335 München
Tel: 089/1243-236 * Fax: 089/1243-289
e-mail: carina.stoeckl@csu-bayern.de
Internet: www.csu.de
www.fu-bayern.de
Von: Karin Dr. Jaeckel [mailto:Karin.Jaeckel@t-online.de]
Gesendet am: Freitag, 15. November 2002 12:31
An: Stöckl, Carina
Betreff: Re: Ihr Artikel im NOVO-Magazin
Liebe Frau Stöckl,
selbstverständlich haben Sie freie Hand. Ich freue mich, dass wir einer
Meinung sind.
Gern würde ich Ihren Brief auf meiner website platzieren.Darf ich das?
Die Familie steht in der derzeitigen Regierung unter dem Leitmotiv F.
Engels und Simone de Beauvoirs, dass Familienarbeit die "Transzendenz"
der Frau verhindere und im Übrigen "die Wohltaten der Scheidung" sowie
die Überführung der Kinder in die "industrielle Familie" den Menschen
erst frei für die Liebe machen...
Kinder sind "Freizeitprodukte" geworden, "Bauchprodukte",
"Luxusartikel", "Armutsfaktoren", "Störfaktoren", "Liebeskiller",
"Nullbockler", und natürlich "Schülermaterial", und es geht dabei um die
"Aufzucht der Brut" - alles Begriffe, die ich in meinen öffentichen
Diskussionen mit gesellschaftlich verantwortlichen Persönlichkeiten höre
und hörte.
Frauen, die sich für diese "Aufzucht der Brut" selbst hergeben, werden
öffentlich als zu dumm dargestellt, ihre Kinder zu erziehen und als
"Klammeraffen" diffamiert, die sich, wie Heide Pfarr (SPD) mal sagte,
ein Mann "hält", damit er einer wie ihr, die sich "sowas" nicht halte,
beruflich besser Konkurrenz machen könne. (Das genaue Zitat arbeitet
wirklich mit dieser der Haustierhaltung vergleichbaren Vokabel.)
In meinem Buch "Die Frau an seiner Seite" und in "Deutschland frisst
seine Kinder" habe ich diese Missstände aufgegriffen. Wenn es Sie
intertessiert, können Sie mehr dazu auf meiner website finden:
http://www.karin-jaeckel-autorin.de
Lieber Gruß,
Ihre
Karin Jäckel
www.karin-jaeckel-autorin.de
15. November 2002
From: "Stöckl, Carina" Carina.Stoeckl@csu-bayern.de
To: karin.jaeckel@T-Online.de
Subject: AW: Ihr Artikel im NOVO-Magazin
Liebe Frau Dr. Jäckel,
herzlichen Dank für Ihre schnelle Nachricht! - Selbstverständlich können
Sie meine e-mail auf Ihrer Webseite platzieren. Anbei sende ich Ihnen auch unser familienpolitisches Programm, in dem sie gerne schmökern
können.
Um diesen Begriffen für Kinder, die Sie unten angegeben haben - und insbesondere der Geisteshaltung, die dahinter steckt! - auch ein wenig
entgegenzuwirken, wollen wir zu Beginn nächsten Jahres versuchen, zumindest zunächst Bayern ein wenig kinderfreundlicher zu machen.
Wir planen verschiedenen Ausschreibungen unter dem Motto "Bayern liebt Kinder" und wollen diejenigen prämieren, die sich besonders für Kinder
einsetzen (z.B. familienfreundliche Wohnungsbaugesellschaften, kinderfreundliche Restaurants, Unternehmen, Freizeitangebote etc.) - wir stecken mitten in der Planung und ich bin sehr gespannt, wie die Aktion ankommen wird!
Nun werde ich mir mal Ihre Webseite ansehen und Ihren Artikel zur Vorstandssitzung der Frauen-Union heute Nachmittag mitnehmen! :-)
Herzliche Grüße aus München und ein schönes Wochenende!
Carina Stöckl
Grundsätze und Perspektiven bayerischer Familienpolitik am Beginn des 21. Jahrhunderts
|