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Sitzstreik gegen den Zölibat |
28. August 2008(http://priesterkinder.foren-city.de/topic,17,-sitzstreik-fuer-die-rechte-von-priesterkindern-und-frauen.html) Hallo, David, ![]() ich wünsche euch neben dem nötigen Sitzfleisch vor allem weiterhin Durchhaltevermögen und Erfolg. Schade, dass der Zeitungsbeitrag nicht mehr online steht und auch die Rundfunksendung nicht im Internet anzuhören ist. Grüße bitte Deine Mutter von mir, die mir vor Jahren schrieb. Sie wird sich bestimmt an mich erinnern. Ich bin die Autorin von u.a. dem ersten Buch, das sich in Deutschland mit der Lebenssituation von Priesterkindern befasste: "Sag keinem, wer dein Vater ist". Es ist leider vergriffen, aber auf dem Gebrauchtbüchermarkt zu haben. Als Deine Mutter und ich zu korrespondieren begannen, teilte sie mir mit, dass Dein Vater gerade zwangsverheiratet worden sei, um eine Fortdauer seiner Beziehung zu ihr zu unterbinden. Leider klappte es mit einer Fernsehreportage nicht, die ich damals für Deine Mutter mit RTL angeleiert hatte. Die Redakteure konnten sich nicht vorstellen, dass diese Geschichte einem gesunden Geist entsprungen sei. Mittlerweile ist es alltäglicher geworden, in der Presse von dem einen oder anderen Skandal zu lesen, der durch katholische Priester verursacht wird, die an der Unmenschlichkeit des Zölibats scheitern. In meinem bisher letzten Buch ("Er war ein Mann Gottes") zu diesem Thema habe ich das Schicksal einer jungen Frau nachgezeichnet, die als Jugendliche von dem für die Jugendarbeit zuständigen Kaplan sexuell missbraucht wurde. Trotzdem ist immer noch ein Tabu um katholische Priester, als handele es sich bei ihnen tatsächlich um Ausnahmemenschen, die Gottes Stimme hören konnten und deren veritablem Ruf zur Nachfolge Jesu folgten. Ich kann Deinen und den Kampf Deiner Mutter um Anerkennung als Sohn und (frühere) Lebensgefährtin eines katholischen Priesters nur begrüßen. So, wie sexuelle Missbrauchsopfer katholischer Priester, in den USA seit mehreren Jahren erfolgreich für ihre Rechte eintreten, so sollten dies auch Priesterkinder und deren Mütter tun. Es kann nicht sein, dass in der heutigen Zeit Kinder nur deshalb ihrer Väter beraubt und in ihrer Daseinsberechtigung geschmäht werden, weil ihre Väter sich für den Beruf des Priestes entschieden haben. Die Kirche ist ein Riesenwirtschaftsunternehmen und Arbeitgeber wie viele andere. Die Menschen, die in der Kirche arbeiten, sind Menschen wie alle anderen. Und wenn sie tatsächlich Gottes Wort folgen würden, dann wüssten sie, dass die Kirche um der Menschen willen errichtet wurde, nicht aber umgekehrt. Jesus hat keinen Zölibat angeordnet. Es wird zwar von der Kirche behauptet, ist aber keinesfalls bewiesen, dass er zölibatär und ehelos lebte. Bis heute enthält die Bibel keinen einzigen Text, der den Zölibat einführt oder von Priestern verlangt. Dieses Kirchengesetz um des Himmelreiches willen ist reine Menschenerfindung. Und das, was der Mensch etabliert hat, kann und soll man wieder abschaffen, wenn man den Schaden erkennt, der durch die Einrichtung angerichtet wird. Unlängst musste der Papst sich für die Tausenden Opfer sexuellen Kindesmissbrauchs durch seine Priester entschuldigen. Noch vor kurzem wurden diese Opfer negiert. Erst ihr gemeinsames Aufstehen, erst ihre öffentlich bekannt gewordene Vielzahl, erst die Strafen, die ein weltliches Gericht über die geistlichen Täter verhängte, - erst diese Enttabuisierung machte es für den Papst unumgänglich, sich zu diesem Skandal zu äußern. Als ich vor ein paar Jahren an einer Fernsehsendung über Zölibat und Priesterkinder teilnahm, sagte einer der anwesenden Bischöfe zur mir: "Jetzt haben Sie sich doch nicht so mitleidig mit den paar Kindern!" Damals schon fand ich diesen Satz für einen doch angeblich die Liebe Gottes vertretenden Gottesmann schamlos und skandalös. Heute bin ich mehr denn je überzeugt, dass er genau die innere Haltung der Amtskirche und ihrer Amtspersonen spiegelt. Deshalb nochmals alles Gute für Deine Mutter und Dich und schöne Grüße, Karin Jäckel |