Briefe an Frau Birgit Müller
Pressesprecherin Ministerium für Justiz, Frauen, Jugend und Familie
des Landes Schleswig-Holstein
12. Oktober 2000

Sehr geehrte Birgit Müller,

seit seiner Anfangszeit bin ich dem "Packhaus" verbunden und habe im Zusammenhang mit meinen Büchern und Fernsehfilmen über sexuellen Kindesmissbrauch und Täter/innen-Therapie mit einigen "Frauen der ersten Stunde" in regem Austausch gestanden.
Auch aus diesem Grunde freue ich mich über die Würdigung der dort geleisteten Arbeit.

In Ihrem informativen PR-Text zum "Packhaus" vermisse ich jedoch die generell gerade von uns Frauen vehement eingeforderte Neutralitätsformel der Geschlechter.
Das Weglassen der Weiblichkeitsform führt hier leider zu der irrigen Annahme, dass es lediglich (sexuelle) Gewalt durch Männer gäbe und auch nur diese lebenslang schädigende Folgen aufwerfe.

Allen Opfern beiderlei Geschlechts, die durch Gewalt ausübende Frauen und Mütter geschädigt wurden/werden, wird diese Formulierung nicht gerecht.

Ich bitte Sie, den Text im Sinne der Wahrheit und im Interesse dieser Gruppe Betroffener zu ändern.

Mit freundlichen Grüssen
Dr. Karin Jäckel



Birgit.Mueller@jumi.landsh.de schrieb:

Sehr geehrte Frau Jäckel,

vielen Dank für Ihren Hinweis.
In der Presseerklärung, die Sie vermutlich zu dieser Mail veranlasst hat, kann ich das nicht mehr ändern, sie ist bereits an ca. 200 Adressen verteilt worden. Ich werde diesen Aspekt beim nächsten Mal jedoch stärker berücksichtigen.

Mit freundlichen Grüssen
Birgit Müller

Pressesprecherin
Ministerium fuer Justiz, Frauen, Jugend und Familie
der Landes Schleswig-Holstein
Lorentzendamm 35, D-24103 Kiel
Fon: +49-431-988-3707; Fax: +49-431-988-3704
Email: birgit.mueller@jumi.landsh.de




Sehr geehrte Frau Müller,

danke für Ihre Antwort und für Ihre Zusage.
Ich weiss, dass Sie damit vielen Betroffenen ein Stück "Sichtbarwerden" im Sinne von Respekt und Anerkennung Ihres Leids zuteil werden lassen.

Mit freundlichen Grüssen
Karin Jäckel