Karins Kommentar zu RTL: „Erwachsene auf Probe“

Mai 2009

Spielkinder für Spielmütter – der ganz perverse Wahnsinn der Dekadenz

Wie geldgierig oder publicitysüchtig, wie verantwortungslos und eiskalt im Herzen muss eine Mutter sein, die ihr Baby für Tage und Nächte hergibt und mutterseelenallein lässt, damit ein paar wildfremde Teenager damit Mama spielen und ein Fernsehsender Quote macht? Wie gleichgültig muss ihr die unaussprechliche Angst ihres hilflosen Kindes sein, das sie einer solchen Tortur aussetzt? Wie wenig liebt sie ihr Kind, um ihm so etwas antun zu können?

Wie geldgeil gewissenlos sind die, die solche Sendeformate entwickeln? Solche Sendungen finanzieren und ausstrahlen?

Wie mitleidlos sind die, die solche Szenen drehen, Regie führen, sie ton- und beleuchtungstechnisch ermöglichen?

Wie kinderfeindlich und skrupellos sind die, die sich für derartige Arbeiten als begleitende „Experten“ zur Verfügung stellen und glauben machen, in ihrem Beisein sei alles in bester Ordnung?

Wie kinderfern sind die Teenager, die sich dafür hergeben, als Möchtegern-Mamas das Herzeleid von Babys zu verursachen, die sich gefallen lassen müssen, tage- und nächtelang von ihren Müttern getrennt und vor Millionenpublikum zum Mutter-Spielen benutzt zu werden?

Wie „krank“ ist das Publikum im Kopf und in der Seele, das sich dafür hergibt, solche Shows anzusehen und sich dabei zu amüsieren oder gar mit schönem Schaudern hinzustarren, so, wie viele hinstarren, wenn’s auf der Autobahn mal wieder geknallt hat und womöglich ein Blick auf abgerissene Körperteile oder Tote unter Planen zu erhaschen wäre?

Wo ist das Jugendamt, das mit Zugriffsrecht ausgestattet, auf Verdacht kindesentziehungsberechtigt, ja, kindesentziehungsverpflichtet ist? Wo sind sie, die kommunalen Wächter, die mit Polizeiverstärkung anrücken und Kinder ihren Eltern wegnehmen, sie in staatliche Obhut nehmen, sie schützen müssen, wenn es nötig erscheint?

Erscheint den Jugendbehörden in diesem Fall kein Eingreifen nötig? Reicht das Ausleihen von Babys, das kommerzielle Missbrauchen von Babys als lebendige Puppen nicht zum Verdacht der Kindeswohlgefährdung aus?

Oder ist es vielleicht so, dass jede Art von Fremdbetreuung für die Jugendbehörden längst die gute Tasse Kaffee am Morgen ist? Ist die Mär von der Überlegenheit der Profibetreuung im Vergleich zur Mutterliebe/Vaterliebe schon so oft erzählt worden, dass sie Wahrheit scheint? Scheint es nicht mehr nötig, Babys davor zu schützen, beliebigen Leuten ausgeliehen zu werden, weil Babys ja schließlich auch in der Kinderkrippe nicht von den eigenen Müttern betreut werden? Ist Babys Trennungsschmerz und Angst in Fernsehstudios zuzumuten, weil es alltäglich in Betreuungseinrichtungen und bei behördlicher Kindesentziehung passiert?

Wo ist jetzt die Bundesfamilienministerin als Oberwächterin über Kinder und Familien im Land? Warum schweigt sie? Findet sie richtig, was geschieht? Oder redet sie erst demnächst in einer Talk-Show darüber?

Greift jetzt ihr neues Frühwarnsystem, ihr bundesweites Überwachungsnetzwerk? Rettet es diese Babys?

Wo sind die Väter? Warum lassen sie zu, dass ihre Kinder in Fernsehstudios von Medienleuten und Pubertierenden zum Spielzeug gemacht werden? Können sie das nicht ändern? Wollen sie ihre Babys nicht schützen? Oder dürfen sie es nicht, weil die Mütter juristisch das alleinige Sagen haben? Wo bleibt der Boykott der Sendungen dieses Senders?

Geht bei RTL jetzt etwa die Quote in den Keller? Stimmen die Zuschauer bereits per Fernbedienung ab? Ist so viel Kinderliebe noch im Land?

Oder herrscht tatsächlich die Schlüssellochgesellschaft der Fernsehzuschauer vor, die sich längst übersatt gesehen hat an nacktem Fleisch und Sex und Mord und jetzt vor der Glotze die letzte Bastion der Unschuld nimmt: das Kind?

Was die im Sender Verantwortlichen mit ihrer Sendung planen, ist Menschenrechtsverletzung an der Unantastbarkeit von Leib und Seele kleiner Kinder. Es ist der Ausverkauf der Unschuld in Person. Es ist so schändlich, dass ich kein Wort finde, das dem Ausmaß meines Gefühls von Abscheu entspricht.

©Dr.Karin Jäckel