Offener Brief an
Prof. Dr. Maria Böhmer, Maria Eichhorn, Annette Widmann-Mauz
CDU/CSU-Bundestagsfraktion
vom 4. Juni 2002

CDU/CSU-Fraktion:
Schröders Fast-Food-Menue schmeckt Frauen nicht Rot-Grün fördert einseitig das Leitbild der berufstätigen Mutter
Pressemitteilung vom 3. Juni 2002

Oberkirch 4. Juni 2002

Sehr geehrte Damen,

in rund 20 Jahren der mit Interviews und Langzeitbegleitung meiner Klientel verbundenen Recherche zu den verschiedensten Sachbüchern über Familie, Kinder, Lebenskrisen und -ziele von Müttern und Vätern darf ich behaupten, einen Überblick darüber zu haben, was wir als Frauen uns vor dem Hintergrund der Gleichberechtigung mehrheitlich wünschen:

  • nicht nur das Recht auf freie Lebensplanung sondern auch die Möglichkeit zum Ausleben dieser Pläne
  • die Wahlfreiheit für oder gegen Erwerbstätigkeit
  • die Wahlfreiheit für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bzw. der Gleichstellung von Familie als Beruf(ung)
  • die gleichwertige Förderung und Anerkennung von Familienarbeit und Erwerbsarbeit durch ein Familiengehalt zum Ausgleich der bisherigen Begünstigung Kinderloser
  • die Anerkennung der Familienarbeit als Berufsbild, welches es uns Frauen ermöglicht, unsere vielschichtigen Erfahrungen und Kenntnisse aus der Familienarbeit z.B. dann in einen Erwerbsberuf einzubringen, wenn die Kinder eigenständiger geworden sind
  • die umfassende Anerkennung unserer privaten und gesellschaftlich unersätzlichen Leistung als Mütter und Familienfrauen durch das bereits erwähnte Familiengehalt und die Anerkennung der Familienarbeit als Berufsbild
  • den Respekt vor unserer Entscheidung, in einer Ehe leben zu wollen und gemeinsame Kinder mit dem Vater dieser Kinder großzuziehen, auch nach einer Trennung
  • die Gleichstellung von Müttern und Vätern vor dem Grundgesetz, so dass Väter endlich denselben Schutz der Solidargemeinschaft genießen wie ihn bisher nur die Mütter erfahren
  • den Respekt vor unserer Entscheidung, unverheiratet Kinder gemeinsam mit ihrem Vater großzuziehen und gleichberechtigte Eltern zu sein, auch nach einer Trennung
  • den Respekt vor unseren Kindern als zwar kleinen, aber Erwachsenen gleichwertigen Persönlichkeiten, an deren Förderung, Ausbildung, Gesundheit und Achtung der Menschenwürde nicht gespart werden darf.

Unter Rot-Grün erleben wir Frauen die Erfüllung dieser Wünsche bisher nicht.

Statt dessen wird in Anlehnung an das sozialistische Weltbild einer Simone de Beauvoir die Familienarbeit inklusive das Großziehen von Kindern als Klotz am Bein der Frau verpönt und die einzig wahre "Transzendenz" - sprich Selbstfindung, Selbstverwirklichung, Freiheit von einem Mann - in der Erwerbsarbeit und der damit verbundenen Einkünfte/ Karriere versprochen. Ergänzend dazu wird das ebenfalls sozialistische Ideologie-Gefasel eines Friedrich Engels über die "industrielle Familie" durch die immer massivere Kritik an der Erziehungskompetenz von uns Eltern sowie durch das Anpreisen und Fördern immer neuer, dringend notwendiger "professioneller" Erziehungsmodelle und Erziehungsorte für unsere Kinder verifiziert.

Die Ehe wird systematisch tot geredet, die "heile" Familie wird durch die politischen Kampagnen zur Warnung vor der Familie als Ort höchster Gewalt und sexueller Ausbeutung systematisch tot regiert.

Wenngleich ca. 11 Millionen Frauen als nicht erwerbswtätige Mütter und Familienfrauen leben und somit die größte aller Berufsgruppen stellen, wird der Status der Familienfrau wie nie zuvor als "Nur-Hausfrau" diffamiert und dadurch abgewertet, dass Familienarbeit nicht als Arbeit anerkannt wird.

Angesichts dieser politischen Abwertung der Familienarbeit und des Ehestands zeigt sich das private Echo in einem immer härteren Geschlechterkrieg und alljählich steigenden Scheidungs- und Trennungsraten, alljährlich weniger Geburten, alljährlich mehr verarmten und psychisch kranken Kindern, alljählich mehr abgetriebenen Kindern und alljährlich mehr Singles, die gern Couples wären, sich aber nicht mehr trauen, sich zu trauen. Dass uns alljährlich fast exakt die Anzahl der rund 200 000 abgetriebenen Kinder zur Reproduzierbarkeit der Gesellschaft und zum Einhalt des Generationenvertrages fehlen, ist eines der folgenschwersten Ergebnisse verfehlter Familienpolitik und daraus resultierender Verunsicherung der Bevölkerung.

Leider haben wir als Bürgerinnen und Bürger gelernt, dass Wahlversprechen immer nur so lange aktuell sind, bis gewählt wurde. Dei Partei der Nichtwähler*innen wächst daher rapide an. Kaum wagt der Rest noch, sich den neusten Parolen und Versprechungen anzuvertrauen.

Dennoch: Selbst die Aussicht auf eine vage Chance in der von Ihnen hier beschworenen Art zur besseren Veränderung für Kinder, Mütter, Väter und ihre Familien ist immer noch motivierender für den Gang zur Wahlurne als die sichere Fortsetzung der bisherigen Engel'schen "Wohltaten" im Zeichen der "industriellen Familie" für "Frauen und Gedöns."

Abgesehen davon glaube ich, dass wir in Deutschland schon übergenug Führungspersönlichkeiten hatten, die als Politik eine Ein-Mann-Show offerierten.

In Erwartung der Einhaltung Ihrer Versprechungen grüßt Sie

Dr. Karin Jäckel
Autorin
www.karin-jaeckel-autorin.de