Offene Briefe an die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Frau Dr. Bergmann

Bundesministerin Frau Dr. Bergmann
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
53107 Bonn

Betreff: Millionen für Initiativen für konkrete Hilfe für Frauen und Mädchen in Not - 12.02.1999

Sehr geehrte Frau Bundesfrauenministerin Dr. Bergmann,

laut Information vom 29. Januar des Jahres werden allein in Nordrhein-Westfalen dieses Jahr insgesamt 40 unterschiedlichste Initiativen zur Beratung und Unterstützung von Frauen in Not- und Krisensituationen mit einer Summe von DM 1,5 Millionen gefördert.

Als Frau und potentielle Nutznießerin dieses Angebotes bin ich von dieser Maßnahme begeistert und wünsche mir eine Fortsetzung oder sogar einen Ausbau der Förderung der entsprechenden Projekte.

Allerdings bleibt eine Frage für mich offen, die mich ebenfalls als Frau und zwar als Ehefrau und Mutter dreier Söhne beschäftigt. Und zwar die Frage:

WOHIN WENDEN SICH MÄNNER, DIE IN VERGLEICHBARE NOTSITUATIONEN GERATEN SIND UND HILFE BRAUCHEN ?

Ihr Ministerium steht, wie schon der Name sagt, "Frauen, Jugendlichen und Familien" offen.

Auf den ersten Blick ist zu erfassen: Männer sind ausgeschlossen. Sie werden allenfalls als getarnte Größen im Familienbund berücksichtigt.

Für mich als Bürgerin eines Staates, in dem die Forderung nach Gleichberechtigung speziell in aller Frauen Munde ist, stellt dieser ausdrückliche Ausschluß der Männer eben die Gleichberechtigung in Frage, nach der es uns Frauen doch verlangt.

Wie also soll ich diesen Ausschluß verstehen?

Etwa so? Frauen gibt es in unserer Gesellschaft als Individuen, als eigenständige Spezies Mensch, ganz unabhängig von Mutterschaft und Familie. Als erste Bezugsperson werden sie in den Namen des entsprechenden Ministeriums gestellt und jederfrau/mann als Bezugsberechtigte sichtbar herausgestrichen.

Männer hingegen existieren in unserer Gesellschaft nicht? Ist das Individuum Mann, die andere eigenständige Spezies Mensch, unabhängig von Vaterschaft und Familie ein Phantom?

Gibt es Männer etwa nur innerhalb von Familien? Alleinstehend gehören sie zu den zu vernachlässigenden Peanuts einer auf alleinstehende Frauen und alleinerziehende Mütter fixierten Helferszene?

Geraten Männer nicht in Not? Sind sie unverletzbar? Oder haben sie nicht in Not zu geraten? Wird von ihnen erwartet, als kernig-harte Naturburschen der berüchtigte "Krupp-Stahl" der jüngst vergangenen Epoche zu sein und wie der Indianer keinen Schmerz zu kennen?

Brauchen sie niemals Hilfe? Beratung? Förderung? Keine professionellen Begleiter, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen, keine Selbsthilfegruppen, keine Wiedereinglieferungshilfen nach Arbeitslosigkeit und Krankheit und all die anderen Angebote, die Frauen so reichlich zur Verfügung stehen?

Oder Jungen, das Gegengeschlecht zu jenen Mädchen, denen ausdrücklich Stütze und Förderung, Hilfe aus aller Not jederzeit ganz selbstverständlich und großzügig zugemessen wird? Gibt es Jungen etwa nicht?

Ist der ihnen von Männern und Frauen als Tätern und Täterinnen nachweislich angetane sexuelle Kindesmißbrauch, der bei Mädchen so üppig getröstet wird, nicht existent? Ist ihre Seele nicht trostbedürftig? Ihr Körper durch Gewalt nicht geschunden? Ihre Not nicht himmelschreiend?

Werden sie niemals zu Gewaltopfern? Oft genug auch durch Frauen? Brauchen Jungen keine Hilfe? Beratung? Förderung? Keine professionellen Begleiter? Nichts von alle dem, was Mädchen brauchen? Haben sie sich Schmerz zu verkneifen, ihr Elend allein auszulöffeln? Verstoßen aus den Reihen der Schützenswerten allein deshalb, weil sie – wie heißt es doch in gewissen Frauenkreisen so grausam schön – "mit Tatwaffe geboren werden"?

Ich frage Sie, sehr geehrte Frau Ministerin, wer gibt irgendjemandem in diesem Land das Recht, Mädchen und Jungen, Frauen und Männer so exorbitant ungleich zu behandeln und über dieses Unrecht auch noch tugendsam den Schutzmantel des Staates zu legen, der sich als Wächter der Gleichberechtigung wohl mit den verbundenen Augen der Justitia darstellt?

Ich weiß nicht, ob Sie Kinder haben. Wie ich bereits schrieb, ich habe drei Kinder, drei Söhne. Drei der Spezies Mensch, die von Ihnen als Vertreterin des Männer ausklammernden Ministeriums, aus dem sozialen Netz ausgeschlossen werden. Und das, obwohl sie eines Tages voraussichtlich die Renten derer zu finanzieren haben, von denen sie heute außen vor gelassen werden. Obwohl sie eines Tages voraussichtlich Väter sein werden und Frauen und Kind/er zu unterhalten haben, ganz egal, ob in der Ehe oder zum Zahlvater entwürdigt. Söhne also, die maßgeblich daran beteiligt sind oder doch sein werden, daß die Geldmittel zur Frauenförderung überhaupt zur Verfügung stehen und hoffentlich weiterhin stehen werden.

Wenn ich mir dies so recht betrachte, muß ich mir als Frau und Mutter überlegen, ob ich meine Söhnen nicht besser so erzöge, wie es zu ihnen in den Wald hinein schallt, so daß sie die Löcher im sozialen Netz nicht stopfen sondern beizeiten vergrößern lernen, um besser hindurch schlüpfen zu können, wenn der Fiskus zum Schröpfen kommt.

Mit der Bitte um Antwort grüßt

Dr. Karin Jäckel



BUNDESMINISTERIUM FÜR FAMILIE, SENIOREN, FRAUEN UND JUGEND
53107 Bonn - Telefax 0228-930-4915 oder 930-2221
Geschäftszeichen (Bei allen Antworten bitte angeben) 401-0440-II
Bearbeitung: Frau Kühn

Bonn, den 09.03.1999

Sehr geehrte Frau Dr. Jäckel,

die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bedankt sich für Ihr Schreiben vom 12.02.1999. Frau Dr. Bergmann hat mich gebeten, Ihnen zu antworten.

Das Ressort Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat ein klar gesellschaftspolitisch definiertes Profil, das sich im wesentlichen auf 5 Schwerpunkte konzentriert

1. Sicherung der Chancengerechtigkeit:

Förderung der Entwicklungschancen von Kindern, Unterstützung in Erziehungsfragen, Verbesseruhg der Beschäftigungschancen benachteiligter Jugendlicher und Aussiedler, Verbesserung der Rahmenbedingungen für hilfe- und pflegebedürftige Menschen, Verbesserung der Chancengleichheit von Frauen und Männern.

2. Bekämpfung von Armut:

Verbesserung der sozialen Lage von Familien und Kindern, eigenständige Alterssicherung für Frauen, Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Ausbau von Kinderbetreuungsmöglichkeiten.

3. Stärkung der Solidarität in der Gesellschaft:

Förderung von Integration durch Schaffung eines kinder-, familien- und altengerechten Umfeldes, Förderung der gesellschaftlichen Partizipation älterer Menschen, Stärkung des Ehrenamtes und der Freiwilligendienste.

4. Schutz vor Gewalt:

Verstärkter Schutz von Frauen, Kindern und älteren Menschen, Bekämpfung von Frauenhandel und Prävention von Jugendkriminalität.

5. Förderung von Gleichstellung:

Maßnahmen zur Verbesserung der Selbstbestimmungsrechte der Frauen, Stärkung der Teilhabe von Frauen an Gesellschaft und Beruf, Gleichstellung der verschiedenen Familienformen und Stärkung der Kinderrechte.

Die Frauenpolitik des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zielt im wesentlichen ab auf:

  • Sicherung von Ausbildungsplätzen für junge Frauen
  • Gleichberechtigte Teilhabe von Frauen bei der aktiven Arbeitsförderung
  • Schaffung von Existenzgründungsprogrammen für Frauen
  • Flexible Arbeitszeitregelungen und bessere Bedingungen für Teilzeitarbeit
  • Neues Gleichstellungsgesetz mit verbindlichen Regelungen zur Frauenförderung in der Privatwirtschaft und Bindung öffentlicher Auftragsvergabe an frauenfördernde Maßnahmen. Frauenfördervorschriften für Betriebe sollen ab etwa 100 Beschäftigten gelten.

Diese Maßnahmen werden dadurch begründet, daß Frauen insbesondere auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt sind. Soweit sie berufstätig sind, weisen sie häufig unterbrochene Erwerbsbiographien auf. Sie sind oft in niedriger bezahlten Bereichen tätig, häufig in Teilzeitbeschäftigung und in den sozial nicht gesicherten "geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen". Auch gut - und hochqualifizierten Frauen gelingt es nur selten, die höher bezahlten Positionen zu erlangen, die ihren männlichen Kollegen mit entsprechender Qualifikation offenstehen. Das Erwerbseinkommen von Frauen ist im Durchschnitt 1/3 niedriger als das der Männer.

Diese Tatsachen sind keineswegs die Folge von Qualifikationsunterschieden. Die schulische Qualifikation von Mädchen ist mittlerweile sogar besser als die der Jungen. Der Anteil von Frauen an den Abiturienten beträgt 54%, an den Studienanfängern 52%. Auch die Durchschnittsnoten in den Abschlußzeugnissen sind häufig besser als die der Männer.

Das geringere Erwerbseinkommen von Frauen ist die Folge einer frauendiskriminierenden Einstellungs- und Beförderungspraxis sowie einer niedrigen Bewertung frauentypischer Berufe.

Allein vor diesem Hintergrund erachtet das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend es für geboten, sich vorrangig für die Frauenförderung einzusetzen.

Die Bundesregierung strebt eine Gesellschaft an, die frauen- und familienfreundlicher ist. Mit der Erhöhung des Kindergeldes und der stufenweisen Anhebung der Einkommensgrenzen beim Erziehungsgeld soll dazu beigetragen werden, die materielle Situation der Familien zu verbessern.

Darüber hinaus läßt sich die Politik für Familien von dem Gedanken leiten, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer und damit eine partnerschaftliche Aufgabenteilung in der Gesellschaft zu fördern. So soll z.B. die Umwandlung von Erziehungsurlaub es Müttern und Vätern ermöglichen, zeitgleich Erwerbs- und Familienarbeit flexibel zu kombinieren.

Selbstverständlich werden durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nicht nur Mädchen in Not- und Krisensituationen unterstützt, sondern Kinder und Jugendliche, egal welchen Geschlechts.

Die Bundesregierung fördert hierzu Maßnahmen aus folgenden Bereichen:

  • Aufklärung und Prävention
  • Gesetzgebung
  • Internationale Strafverfolgung und Opferschutz

Details zu diesen Maßnahmen können Sie dem beigefügten Addendum zum Arbeitsprogramm der Bundesregierung gegen Kindesmißbrauch, Kinderpornographie und Sextourismus entnehmen.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Kühn



Betreff: meine Anfrage bez. durch das Frauenministerium staatlich geförderter Männerprojekte GeschZ 401-0440-II

Oberkirch, am 13. März 1999

Sehr geehrte Frau Bundesfrauenministerin Dr. Bergmann,

besten Dank für Ihr Schreiben vom 9. des Monats, welches mir in Ihrem Auftrag durch Ihre Sachbearbeiterin Frau Kühn zuging.

Leider muß ich gestehen, daß mich diese Antwort sehr enttäuscht.

Ich hatte Ihnen in meinem Erstschreiben konkrete Fragen gestellt und um ebenso konkrete Antworten gebeten.

Zu Ihrer Erinnerung: Ich wollte wissen, welche durch das von Ihnen geleitete Ministerium in vergleichbarem Ausmaß staatlich geförderte "Männerprojekte" es in unserem Lande gibt bzw. wohin sich meine drei Söhne hilfesuchend wenden sollten, falls sie in Not gerieten und ähnliche Unterstützung benötigten, wie sie Frauen in breitester Fülle selbstverständlich gewährt werden.

Zur Antwort habe ich neben einer interessanten Informationsquelle über sexuelle Gewalt gegen Kinder - worin allerdings in Ignoranz der Fakten nahezu ausschließlich von Mädchen die Rede ist - eine Fülle feministischer Plattitüden erhalten, aus denen ich entnehmen muß, daß

  • Frauen in unserem Lande immer die Dummen sind und deshalb der permanenten Unterstützung bedürfen.
  • Frauen vor allem von Frauen für unfähig gehalten werden, sich aus freiem Willen in die selbst gewünschte Richtung hin zu verwirklichen.
  • Männer in unserem Lande immer die Mächtigen und Bösen sind, die den armen Frauen ständig Schlimmstes antun, und deshalb permanent der Unterdrückung bedürfen.
  • es aus diesen Gründen massenhaft millionenschwere Förderprojekte für Frauen geben muß, aber nichts Adäquates für Männer.

Nach Lektüre Ihres Briefes drängen sich mir neue Fragen auf, sehr geehrte Frauenministerin. Fragen wie die, ob

  • Sie wirklich überzeugt sein können, mit einem solchen Männer-Unterdrückungs-oder-Verdrängungsprogramm tatsächlich die im Grundgesetz verankerte Gleichberechtigung der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes zu stützen und zu fördern?
  • Sie überzeugt sind, mit einem solchen Programm die wahren Interessen von uns Frauen zu unterstützen bzw. zu fördern, obwohl mit der Verfolgung der politischen Zielsetzung Ihres Ministeriums damit keineswegs die Mehrheit von uns Frauen erreicht sondern ein familienzersetzender Geschlechterkampf sondergleichen erzeugt und weiterhin geschürt wird?
  • Ihnen die Masse der zerbrechenden Familien und vaterlos aufwachsenden Kinder
  • sowie die Politikverdrossenheit gerade unter jungen Frauen
  • Ihnen die gerade unter jungen Frauen und Mädchen ansteigende Aggressionsbereitschaft, Kriminalität, Promiskuität und Drogenabhängigkeit als Folge von familiärer Vernachlässigung und innerer Sinnleere nicht zu denken gibt?

In meinem seit 1975 ausgeübten Beruf als Autorin zahlreicher sehr erfolgreicher sozialkritischer Sachbücher, die sich mit den Lebenssituationen von Kindern, Jugendlichen und Frauen unserer Gesellschaft auseinandersetzen, - auch in Gewaltsituationen wie dem sexuellen Kindesmißbrauch - sowie als verheiratete Mutter dreier Söhne im Alter von 12, 18 und 23 Jahren kann ich Ihren Ausführungen über die mehrheitlich armen, unterdrückten und unter der Übermacht der Männer leidenden Frauen unseres Landes weder folgen, noch Ihre Argumentation nachvollziehen, daß Männer stets die Aggressoren sind, die es zu dämpfen gilt.

Nicht nur meine Erfahrungen aus mehreren tausend Interviews, sondern zahlreiche aktuelle Studien - die Sie als Fachfrau ganz sicher kennen, so daß ich mir die Zitate ersparen kann - zeigen, daß Frauen machtvoll auf dem Vormarsch sind, seltener unter Identitätskrisen leiden als Männer, mehrheitlich die neu geschaffenen Arbeitsplätze besetzen und Männer ganz entschieden aus dem Berufsleben verdrängt haben.

Wie Sie in Ihrem Brief an mich haben ausführen lassen, haben Mädchen bessere Schulchancen als Jungen und strömen zahlreicher ins Studium. Zudem überzieht ein engmaschiges Netzwerk frauenorientierter Hilfsorganisationen mit wirksamen Fördermöglichkeiten das Land, wo Frauen - und nur Frauen - umfassend Lebenshilfe abschöpfen können.

Daß Frauen trotz eventuell sogar besserer Ausbildung seltener in Führungspositionen aufsteigen als Männer ist unbestritten. Aber - wollen sie es denn überhaupt? Die meisten von uns Frauen haben kein Interesse daran, sich in ihrem Job aufzureiben, Ellenbogen auszufahren und außertariflich = unbezahlte Überstunden in mit hoher Verantwortung belasteten Berufen abzuleisten. Die meisten ziehen es sehr überlegt und ganz bewußt vor, es geruhsamer zu haben, Freizeit planen und genießen zu können, Erfolg/Geld mit der Muße zum Shopping zu verbinden und soziale Kontakte zu pflegen. Die eisgekühlte Businesslady ist nur für die wenigsten Frauen die ersehnte Lebensperspektive.

Allerdings, und da kommt dann wieder u.a. die Arbeit Ihres Frauenministeriums zum Tragen, wird uns Frauen zunehmend eingetrichtert, daß frau nur das Geld wert ist, das sie verdient, daß nur die geldwerte Arbeit zählt und Männer letztlich soziale Versager, unfähige Ehegatten, desinteressierte Väter und auch im Berufsleben ihr Geld nicht wert sind, weil Frauen es locker besser machen könnten, würden die Männer sie denn bloß lassen. Frauen, die keinen Beruf ausüben (wollen/müssen), werden von mir persönlich bekannten SPD-Funktionärinnen öffentlich als "Schmarotzerinnen" abgetan, "die wir nicht unterstützen". Die etwa in der Hausfrauengewerkschaft organisierten Mütter und Hausfrauen können davon ein Lied singen!

Demnächst wird, wie auf dem letzten Weltfrauentag beschlossen, selbst das Wort "Mutter" als diskrimierend abgelehnt und eine modernere Bezeichnung ersetzt.

Dazu paßt, daß das Wort "Vater" längst schon out ist und durch Bezeichnungen wie "Erzeuger" oder "Zahlvater" ersetzt wird. Oder daß frau/man nicht mehr von Kindererziehung spricht, sondern von "Aufzucht der Brut". Oder daß in mehreren aus Ihrem Ministerium geförderten Frauenorganisationen Kindern, die ihre leiblichen Väter nicht sehen dürfen, weil z.B. die Mütter dies nicht dulden, "Leihpapis" zum Geburtstag gratulieren kommen dürfen, damit Kinder wenigstens mal erleben, was ein Papa ist.

Nicht zuletzt paßt dazu auch, daß laut öffentlicher Aussage einer mir ebenfalls persönlich bekannten Bonner SPD-Ministerin "Familie heute alle die sind, die aus einem gemeinsamen Kühlschrank essen".

Männer als die Sündenböcke der Nation zu diskrimieren, sie als Ehegatten und Väter ins Abseits zu schieben und lediglich auf ihre Samenspende nebst Unterhaltszahlungen zu reduzieren, entspricht jedoch nicht den Vorstellungen, Wünschen und Interessen von uns Frauen, sehr geehrte Frau Frauenministerin Dr. Bergmann.

Und es entspricht auch nicht unseren Vorstellungen, Wünschen und Interessen, von einer Politik dominiert zu werden, welche im Namen von Frauen Menschen allein aufgrund ihres Geschlechtes fördert oder dämpft, diskriminiert oder hochlobt.

Aus diesem Grunde mahne ich als Ehefrau sowie als Mutter dreier Söhne, als Schwiegermutter künftiger Schwiegertöchter sowie eines Tages vielleicht auch Großmutter zahlreicher Enkelinnen und Enkel die politische Gleichbehandlung der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes an.
Ich mahne die von uns, dem Volk, gewählten obersten Interessenvertreter dieses Landes an, endlich dafür Sorge zu tragen, daß Frauen und Männer sich wieder mit Respekt und Anerkennung begegnen können, daß sie gleichermaßen in ihren Bedürfnissen und Rechten gefördert werden und Familien wieder das sein dürfen, was sie sein wollen und in Wahrheit sind, nämlich ein von ethischen und moralischen Werten geprägtes dauerhaftes Miteinander von Mutter-Kind-Vater. In Familien, deren Bindeglied der Kühlschrank ist, erfriert und verhungert man schnell, sehr geehrte Frau Frauenministerin Dr. Bergmann. Und da hilft es dann auch nicht, den Kühlschrank per Zwangspfändung der durch Scheidung ebenso wie Mütter verarmten Väter neu befüllen zu wollen.

Aus diesem Grunde bitte ich Sie erneut, mir mitzuteilen, welche Fördermittel für welche Männerhilfsorganisationen das Frauenministerium in Bonn bereit gestellt hat sowie in Zukunft bereit stellen wird und wo Männer/Jungen diese finden.

Ihre Auskunft werde ich sehr gern in meinem neuen Ratgeber für Väter nach der Scheidung berücksichtigen und sie überdies bereitwillig an jeden bei mir persönlich Rat suchenden Vater sowie an Mütter und Kinder, Großeltern und andere Angehörige weiterleiten.

In Erwartung Ihrer Antwort grüßt Sie freundlich

Dr. Karin Jäckel



BUNDESMINISTERIUM FÜR FAMILIE, SENIOREN, FRAUEN UND JUGEND
53107 Bonn - Telefax 0228-930-4915 oder 930-2221
Geschäftszeichen (Bei allen Antworten bitte angeben) 401-0440-II
Bearbeitung: Frau Kühn

Bonn, den 10.06.1999

Sehr geehrte Frau Dr. Jäckel,

vielen Dank für Ihr erneutes Schreiben vom 13.03.1999 an die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Frau Dr. Bergmann hat mich gebeten, Ihnen zu antworten.

Ein Ministerium, das die Aufgabe hat, die tatsächliche Durchsetzung der Gleichstellung von Frauen und Männern zu fördern und auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinzuwirken, muß im wesentlichen Frauen fördern, auf den Abbau bestehender Nachteile von Frauen im politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Bereich hinwirken und die Lebenszusammenhänge von Frauen und ihre spezitische Betroffenheit deutlich machen. Diese Zielsetzung wird bereits durch die Bezeichnung des Ministeriums deutlich gemacht. Gesellschaftliche Wirklichkeit in unserem Land ist nach wie vor, daß es Frauen sind, die in vielen Lebensbereichen unterrepräsentiert sind. Nach wie vor sind der Abbau von Gewalt gegen Frauen, die soziale Sicherung von Frauen und die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtige Aufgaben, die gesamtgesellschaftlich zu lösen sind, um das Staatsziel Gleichstellung zu erreichen, da von einer gerechten Verteilung der Rechte und Pflichten von Männern und Frauen in unserer Gesellschaft noch nicht gesprochen werden kann.

Vor dem Hintergrund dieser Zielsetzung unterstützt die Gleichstellungsabteilung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hauptsächlich Frauenprojekte.
´ Selbstverständlich wurden jedoch auch Förderanträge von Männerprojekten entsprechend der Bundeshaushaltsordnung und der Zweckbestimmung der Mittel des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf ihre gleichstellungsrelevanten Ansätze hin geprüft werden. Solche Anträge von reinen Männerprojekten sind mir jedoch nicht bekannt. Insofern ist es mir nicht möglich. Ihrer Bitte nach Information über die Höhe entsprechender Fördermittel des Bundes nachzukommen. Ich möchte Sie jedoch auf die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanzierte und von der Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland sowie der Gemeinschaft der Katholischen Männer Deutschlands durchgeführten Männerstudie aufmerksam machen, die Ende 1998 fertiggestellt wurde.

Darüber hinaus empfehle ich Ihnen sich mit der Verwaltung Ihrer Kommune in Verbindung zu setzen, die Sie sicher über die regionalen Initiativen, Beratungs- und Hilfsprojekte für Frauen wie für Männer informieren kann. Eine bundesweite Statistik über Männerprojekte und deren finanzielle Unterstützung existiert m.W, jedoch nicht.

Abschließend möchte ich betonen, daß sich die bewußtseinsbildenden Maßnahmen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zum Thema Gleichstellung, wie z.B. Publikationen, Ausstellungen, Videofilme u.a., selbstverständlich an Mädchen und Jungen, Frauen und Männer richten, denn Gleichstellung ist nicht allein ein Thema für Mädchen und Frauen.

Gerne lasse ich Ihnen zu Ihrer Information eine Auswahl an Publikationen zukommen.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Heike Kühn


siehe dazu auch:
Offener Brief an die Frauenministerin Birgit Fischer des Landes Nordrhein-Westfalen

Leserzuschriften zum Offenen Brief:

Von Günther F. vom 26. Dezember 2002

Von Patrick W. vom 5. April 2004