Offener Brief an die Vizepräsidentin
des Deutschen Bundestages
Anke Fuchs

Anläßlich ihrer Reise zum Weltkindergipfel nach New York vom 5. bis 10. Mai 2002 erklärt die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Anke Fuchs: Kinder zu selbstbewußten Menschen und Demokraten erziehen (2. Mai 2002)

Sehr geehrte Anke Fuchs,

welch seltsamer Wandel doch angeblich in der SPD vonstatten geht, seit nicht mehr zu verleugnen ist, dass Deutschland im Zeichen der roten "Wohltaten" von schuldloser Scheidung im Sinne Friedrich Engels, der Bevorzugung des Alleinerziehenden-Standes, den erst kürzlich das Urteil des Bundesverfassungsgerichts korrigieren musste, sowie der Abschiebung von Kindern in die "industrielle Erziehung" (F.Engels) zur Freistellung der Frau in die "Transzendenz" schaffende (S.de Beauvoir) Erwerbsarbeit ein kinderarmes und kinderfeindliches Land geworden ist. Ja, das Deutschland während der SPD-Regierungszeit sogar bereits mehrfach vor dem Europäischen Menschenrechtegerichtshof wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen an Eltern und Kindern zu Ersatzleistungen verurteilt und von führenden Politikerinnen und Politikern im Ausland massiv wegen des hierzulansde praktizierten Familienrechts getadelt wurde, welches von J.Chirac bezeichnenderweise als "das Gesetz des Dschungels" bezeichnet wurde..

Schon in wenigen Jahrzehnten werden die Kinderfeindlichkeit und der Kindermangel in Deutschland ein drastisches Zurückschrumpfen der Bevölkerung bewirkt haben, dessen vorhersehbare Folgen für Wirtschaft und Lebensqualität so massiv sind, dass schon jetzt der Schrei nach ausländischen Einwanderern zum Wahlkampfthema werden musste.

Und plötzlich, seit all das nicht mehr zu vertuschen ist und selbst Rot-Grün begreifen muss, dass die Zukunft nicht den Frauen sondern immer noch den Kindern gehört, und die Kinder von heute die Steuerzahler von morgen sind - plötzlich wird die Familie als Politikum entdeckt. Plötzlich wird alles getan, um die Kinderproduktion wieder anzukurbeln, damit die Steuerzahler von morgen nicht aussterben, sondern denen, die heute als Kinderlose nur an sich denken und das Erbe selbst verprassen, auch morgen ein schönes Leben garantieren müssen.

Sie haben Recht, Frau Fuchs, Kinder sind das höchste Glück und das schönste Gut des Lebens und ein Geschenk Gottes, das liebende Eltern nie müde werden zu loben. Sie zu selbstbewussten, verantwortungsvollen und glücklichen Heranwachsenden und Erwachsenen zu erziehen, ist eines der höchsten elterlichen und gesellschaftlichen Ziele.

Ich weiß nicht, ob Gott auch Sie mit Kindern beschenkt hat. Ich selbst bin dreifache Mutter und als solche von den bisherigen "Wohltaten" der Familienpolitik unmittelbar betroffen. Darüber hinaus bin ich Autorin und schreibe u.a. über Familien mit Kindern, so dass ich auf eine Fülle von Interviews und Lebensberichten mit bzw. von Eltern und Heranwachsenden unterschiedlicher Altersstufen aufbauen kann.

Vor diesem Wissenshintergrund sage ich Ihnen, dass Ihre Jubelhymnen auf die Familienpolitik bei RotGrün eine wahrhaft absurde Augenwischerei darstellen und in den Ohren der Familien wie Hohn klingen.

Das einzig Wahrhafte an Ihrer Mitteilung scheint mir, dass die deutsche Familienpolitik und damit verbundene Familienrechtsprechung im Ausland wegen der erwiesenen Menschenrechtsverletzungen im Familienrecht sowie der halbherzigen Anerkennung und Umsetzung der natürlichen und bürgerlichen Kinderrechte ganz offensichtlich wieder einmal scharf gerügt und zu den von Ihnen bekennerisch aufgelisteten Verbesserungen gedrängt wurden.

Dass diese Verbesserungen, die bereits vor Jahren von Ihrer Genossin Margot von Renesse öffentlich für notwendig erklärt und zur raschen Verifizierung angekündigt wurden, während der Regierungszeit von RotGrün jemals durchgeführt werden, halte ich für ausgeschlossen.

Tatsächlich erfolgt eine anhaltend erdrückende, vom Bundesverfassungsgericht mehrfach verbotene und dennoch listenreich fortgeführte Überbelastung und Ausbeutung der Familien durch die aktuelle Familienpolitik von RotGrün. Derzeit liegt deshalb u.a. eine Klage des Verbands Alleinerziehender Mütter und Väter beim Bundesverfassungsgericht an.

Unübersehbare Beweise dafür, dass die Definition von Familie, welche die heutige SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt während des vergangenen Wahlkampfes auf einer Tagung des Vereins Väteraufbruch in Wuppertal verkündete, auch heute noch das in sozialistischer anti-familialer Tradition wahre und dauerhafte Credo der SPD-Politik ist: "Familie ist, wo alle aus demselben Kühlschrank essen."

Mit kritischen Grüßen

bin ich

Dr. Karin Jäckel

www.karin-jaeckel-autorin.de