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Offener Brief vom 18. Januar 2001 an
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Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Amendt,18. Januar 2001 für Ihren offenen Brief an die Bundesfrauenministerin Dr. Bergmann danke ich Ihnen sowohl als Mutter dreier Söhne wie auch als Autorin, die sich Ihren Überlegungen vollinhaltlich anschliesst. So wichtig und sinnvoll auch ich es erachte, dass Gewalt gegen Kinder und Gewalt überhaupt eingedämmt wird, so verfehlt ist die feministische Parole "Gewalt ist männlich". Gewalt ist leider menschlich, ohne Ansehen des Geschlechts. Und das gilt für Täter wie Opfer. Wie viele Kinder habe ich im Laufe meiner Recherchen erlebt, die Opfer ihrer Mütter wurden. Mit der blossen Haut auf heisse Herdplatten gesetzt oder gedrückt, mit Füssen getreten, von der Treppe gestossen, mit tagelangem Schweigen und Ignoranz bestraft, in Schränke ein- oder bei Dunkelheit vor die Haustür ausgesperrt, wegen Unfolgsamkeit allein auf dem Spielplatz stehen gelassen, auf dem Nachttopf angebunden - die Liste der körperlichen und seelischen Leiden ist lang. Und keines dieser Leiden ist milder, weil von der Mutter verursacht, keines weniger schmerzhaft als diejenigen Verletzungen, die von Vätern kamen. Und wie oft wurde den von ihren Müttern gequälten Kindern nicht geglaubt, wenn sie sich endlich dazu durchringen konnten, bei Verwandten, Lehrkräften und anderen Bekannten Hilfe zu suchen. "Eine Mutter macht so was nicht!" Die feministische Ignoranz des von Müttern verursachten Kinderleids bedeutet bitterstes Unrecht an den betroffenen Kindern und zugleich einen gleichermassen gefährlichen wie absurden Schutz für Täterinnen. Unter dem Deckmantel des Vorurteils "Gewalt ist männlich" agieren sie völlig ungeniert in einem Dunkelfeld, dessen Ausmass nicht interessiert, weil angeblich gar nicht vorhanden. Für Frau Dr. Bergmann bedeutet Kinderschutz nachweislich vor allem Mädchen- und Frauenschutz sowie Frauenförderung mit dem Ziel, Männern Privilegien zu entziehen (Zitat). Schutz für Jungen und Männer durch das von ihr vertretene Minsterium ist angesichts dieses Ziels nicht nur überflüssig sondern auch kontraproduktiv. Aus feministischer Sicht sind sie das starke Geschlecht des Klassenfeinds aller Frauen. Und es entspricht diesem Bild, einen geschlagenen, gedemütigten, zutiefst verletzten, wehrlosen Jungen nicht zu bemitleiden, sondern zu allem Übel auch noch hämisch als künftigen Gewalttäter zu diffamieren. Welche Selbstzweifel und Seelenängste dieses Plakat in betroffenen Kindern für die unerträgliche Gegenwart und die ihnen vorgezeichnete Zukunft als Erwachsene auslöst, - interessiert das überhaupt eine/n der Plakatmacherinnen und Plakatmacher? Ist ihnen klar, dass viele gepeinigte Kinder Gewalt so sehr hassen, dass sie lieber sterben würden, als selbst "so einer" oder "so eine" zu werden? Und dass die oftmals einzige Hoffnung, die diese Kinder haben, das Festhalten an dem magischen Satz ist, "Wenn ich erst gross bin"? Eine Hoffnung, die ihnen die fatalistische Botschaft des Plakates raubt. Mit der Hoffnung, dass Ihr offener Brief gegen die feministische Einäugigkeit hilft, grüsst Sie Dr. Karin Jäckel |