Leserbrief zu
"Man nennt es "Terrorsex""

Spiegel - online vom 2.10.2001
"Man nennt es "Terrorsex""

"Terrorsex" gab es schon im Mittelalter, als Pest und Cholera umgingen und die unter der Dikatatur der körperfeindlichen Kirchenobrigkeit völlig prüden und verklemmten Menschen auf offener Straße Sexorgien in Weltuntergangsstimmung feierten.

Das ist bis heute in der Natur so, wenn zum Beispiel die sterbenskranken Tannen unserer Wälder Unmengen an Zapfen tragen und ihr Samenstaub den ganzen Wald bis hinunter in die Täler gelb färbt.

Hintergrund ist der Archetypus oder der Urinstinkt des Selbsterhaltungstriebs des Lebens, das in Zeiten höchster Artbedrohung mit äußerster Kraft für den Erhalt der Spezies zu sorgen versucht. Lutherisch gesehen, ist es das "Apfelbäumchen", das der Gläubige im Angesicht des Todes pflanzen soll.

Seltsam, dass dieser uralt bekannte "Terrorsex" nun als etwas Nie-Dagewesenes und völlig Unerklärliches bestaunt wird.

Dr.phil. Karin Jäckel