Leserbrief zu
"Mehr Geld für Scheidungskinder -
aber nicht für alle"

Neue Osnabrücker Zeitung, 5.2.2001:
"Mehr Geld für Scheidungskinder - aber nicht für alle"

Die deutsche Verfassung garantiert allen Bürgerinnen und Bürgern ohne Ansehen der Person und ihres Standes Gleichheit und Gleichberechtigung.

Familien stellen allerdings immer öfter fest, dass es mit dieser Gleichheit nicht weit her ist. Seltsamerweise sind nämlich Mütter mit weitaus mehr Rechten ausgestattet als Väter, und die erste Ehefrau bleibt nach der Scheidung rechtlich besser gestellt als die an zweiter Stelle geheiratete Ehefrau.

Wie kann das sein? Ganz einfach:
das Grundgesetz stellt Mütter unter den besonderen Schutz des Staates, nicht aber Väter. Und das Familienrecht erklärt, dass die nach Scheidung zweite Ehefrau wisse, worauf sie sich einlasse, wenn sie einen Geschiedenen heiratet, und müsse ihr Treuversprechen "in guten und in bösen Tagen" auf die Unterhaltsleistungen für die Erstfamilie ausdehnen.
Damit nicht genug, werden unterhaltspflichtige Väter nach der Scheidung trotz ihrer Zahlungspflicht für ihre Familie als Single besteuert. Durch die Hintertür des Gewaltschutzgesetzes gegen Kinder wurde den Familien nun erneut eine Ungleichstellung zugemutet, an deren Folgen noch mehr Familien zerbrechen werden als bisher. Vor allem die Zweitfamilien als sogenannte Patchworkfamilien.

Einem Bundesfamilienministerium, dessen "Hauptinteresse der jungen, erwerbstätigen Frau" (Zitat Dr. Bergmann) und dem "Abbau von Männerprivilegien" gilt (Zitat Dr. Bergmann), kann das letztlich egal sein. Hauptsache, die Mütter verdienen ihr eigenes Geld, damit sie für den Fall, dass die Väter zu wenig Geld verdienen oder arbeitslos werden, auch den Unterhalt seiner Erstfrau und der bei ihr lebenden Kinder bezahlen können.

Kinder, die den besonderen Schutz des Staates geniessen sollten, sind schon lange durch die verfehlte Familienpolitik der Bundesregierungen aller Farben zum Armutsfaktor ihrer Eltern geworden. RotGrün erklärt sie soeben fast unbemerkt zum Luxusartikel für VIPs.

Dr.phil. Karin Jäckel