Leserbrief zu
"Scheiden tut weh"

DIE WELT vom 08. Januar 2001
"Scheiden tut weh" von Christine Brinck

"Zuerst die Kinder", schreibt Christine Brinck, "war früher eine Selbstverständlichkeit." Wer heute in diesem Sinne denkt und handelt, wird als "das Mutti" verhöhnt oder als "Gluckhenne" bespöttelt, die ihren Kindern "Affenliebe" erweist, an ihnen "klammert" und sie "nicht los lassen kann", als "Schmarotzerin" aus dem Geldbeutel ihrer erwerbstätigen Mitmenschen lebt und "mit den Gören Zuhaus verblödet".

Familienfrauen stehen auf der gesellschaftlichen Wertskala ganz unten. Auch dann, wenn sie Barbara Felthus-Becker heissen. Ein Platz, auf dem es jede dritte Ehefrau und Mutter nicht dauerhaft aushält.

Das Leid der Becker-Söhne steht stellvertretend für alljährlich rund 160 000 Kinder in Deutschland, die zu Scheidungswaisen werden, weil die Ehe ihrer Eltern zerbricht. Die überwältigende Mehrheit verliert dadurch den Vater. Das Ausmass dieses Verlustes spüren Kinder zuerst. Das ist heute eine Selbstverständlichkeit.

Karin Jäckel