Leserbrief zu
"Harsche Kritik an Familienpolitik"

Saarbrücker Zeitung vom 23.05.2001
"Harsche Kritik an Familienpolitik"

"Familie ist, wenn alle aus demselben Kühlschrank essen", sagt die neue Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt. Und als die wichtigste Aufgabe des Bundesfamilienministeriums sieht die Bundesfamilienministerin Dr. Bergmann die Förderung der jungen, erwerbstätigen Frau sowie den Entzug von Privilegien bei Männern an.

Von Kindern ist erst neuerdings die Rede. Und zwar seitdem Familien nachweislich immer öfter vor dem leeren Kühlschrank sitzen und junge, erwerbstätige Frauen immer seltener Kinder kriegen, so dass alle es sehen müssen: Der Countdown für Deutschland läuft, denn wir sterben aus. Und die Wirtschaft merkt es schon jetzt. Fachkräfte fehlen, Lehrstellen in anspruchsvolleren Berufen bleiben unbesetzt, junge Frauen werden als neue Hoffnungsträgerinnen auf dem Arbeitnehmermarkt heiss umworben. Creencards, Bluecards für ausländische Fachkräfte und deren möglichst rasch einzubürgernde Kinder sollen das leck geschlagene Deutschland wieder flott machen. Sogar die an Familien und Kindern bisher völlig desinteressierten Politiker/innen schrecken auf und werfen Almosen vor die leeren Kühlschränke, als könnten 30 Mark mehr im Familiengeldbeutel auch nur eine der überwiegend aus einer sozialen Notlage heraus praktizierten 250 000 Abtreibungen im Jahr verhindern.

Kein Zweifel:
Politiker/innen heute haben jede Bodenhaftung im Volk verloren. Mit ihren gesicherten Supereinkommen, ihren Bodyguards und Glaspalästen und dem stets paraten Steuergriff in die Tasche des Volkes bilden sie eine neue Feudalherr/innenschicht und regieren nach dem Sandkastenspielprinzip.

Sie vergessen dabei nur eines: "alle Macht geht vom Volke aus" und das Volk wird erst dann wieder vermehrt Kinder in die Welt setzen, wenn der politisch angeheizte Geschlechterkampf und die Belohnung der Kinderlosigkeit endet, so dass Mütter und Väter einander wieder respektieren und die drei grosse Z des Kinderglücks, nämlich "Zeit, Zuwendung, Zärtlichkeit", in verlässlicher Gemeinsamkeit ausleben können.

Hier, in der heilen Familie, liegt die Sehnsucht des Menschen von Kind an. Wer diese missachtend zerstört, stirbt aus.

Dr.phil. Karin Jäckel