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Weihnachtskolumne |
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Über allen Straßen glänzen sie jetzt, die mit elektrischen Kerzen bestückten Weihnachtssterne und Weihnachtsengel, die Weihnachtsgirlanden und Weihnachtsketten. Aus dem Radio erklingen Weihnachtslieder auf allen Kanälen. Weihnachtsstollen und Weihnachtsplätzchen sind ein Muss. Wer sie nicht backt, riskiert ein ebenso schlechtes Gewissen wie andere, die keine Zeit oder Lust auf Weihnachtsbasteleien haben. In den neonhellen Schaufenstern funkelt der Flitter über Weihnachtsgeschenken. Die Kinder schreiben Wunschzettel und die Erwachsenen rote Zahlen auf dem Girokonto. Weihnachten, - ist das überhaupt noch mehr als Geschäft, als Konsum? Ist es noch etwas Anderes als die Zeit der besonderen Ansprüche von Geschenke-Erwartenden und der Sorge von Schenk-Verpflichteten, diesen Ansprüchen zu genügen? Ist der Weihnachtsbaum in seinem immergrünen Kleid mehr noch als Dekoration, je nach Trend mal ganz in Silber, mal ganz in Blau oder Rot? Bringt uns das Weihnachtsfest etwas von der inneren Kraft und Ruhe, von der wir alle träumen? Weihnachtsfest, - "Lichterfest" nannten es die alten Heiden und feierten es zu Ehren ihrer Sonnengötter als Zeichen der Wiedergeburt des Lichtes und Erneuerung des Lebens im Zyklus der Fruchtbarkeit. Denken wir an diesen Ursprung des Weihnachtsfestes noch, wenn wir durch die lichtgeschmückten Straßen von Geschäft zu Geschäft eilen? Wenn wir unsere konsumverführten Kinder von den übervoll lockenden Regalen zerren und entnervt mit ihnen zanken? Oder wenn wir am 24. Dezember in der Endlosschlange bei Bäcker und Schlachter stehen, als wäre Hamstern vor dem Supergau angesagt? Ist uns Weihnachten als "Fest der Liebe" bewusst, wenn wir seufzend an die Pflicht zu schenken denken, obwohl wir nicht wissen, was wir denn überhaupt schenken sollen, weil der Andre doch eigentlich schon alles hat? Wenn wir voller Erleichterung aufatmen, weil wir einfach "ein Scheinchen" schenken dürfen und der leidigen Suche nach einem passenden Geschenk entledigt sind? Wenn wir unsere Konten auch für Menschen plündern, die wir keineswegs über alle Maßen lieben, und dabei ärgerlich an die nächsten Monate denken, in denen eisern gespart werden muß, um die Löcher in der Haushaltskasse zu stopfen? Wissen wir bei alle dem wirklich, dass das Schenken eigentlich ein Zeichen sein soll? Ein Zeichen der Erinnerung daran, dass Gottes Sohn von den Heiligen Drei Königen beschenkt wurde, weil sie ihn liebten und bewunderten und in ihm den Mittelpunkt der Welt erkannten. Daß die Geste zählt, der dringende Wunsch des Schenkens, - nicht das Geschenk. Bedeutet es uns noch etwas, dass wir in jedem Geschenk das dringende Bedürfnis zu schenken erneuern und unsere liebsten Menschen stellvertretend für Gottes Sohn beschenken sollten? Ohne Dankbarkeit zu erwarten oder Gegengeschenke, nur allein aus dem Wunsch heraus, dem Anderen unsere Freude über sein Dasein zu zeigen? Wiederholen wir mit unseren Geschenken tatsächlich noch symbolisch die Liebe, von der Gott Vater beseelt, als er den Menschen seinen Sohn schenkte, und von der sein Sohn erfüllt war, als er zum "Heiland" wurde und das Kostbarste, was er hatte, nämlich sein Leben, verschenkte, um die Menschen von der Gottferne zu heilen und glücklich zu machen? Oder sind wir mit unserer Reduzierung des Weihnachtsfestes auf den Lichter- und Konsumrausch fast unbemerkt einer neuen Gottferne verfallen? Stärker als es je die alten Heiden waren, die ihr "Lichterfest" immerhin zu Ehren ihrer Götter begingen? |
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