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Was erwarten wir eigentlich von Müttern? |
"Was verstehen Sie unter Mutter?"wurde ich neulich befragt. Die Antwort schien einfach: Eine Mutter ist eine Frau, die ein Kind zur Welt bringt. Welche Erwartung also verbindet sich mit der Vorstellung von einer Mutter?Sie soll ihr Kind lieben, es großziehen, beschützen, respektieren, fördern, immer für es da sein, sich selbstlos jederzeit bis hin zur Selbstaufgabe hinter die Interessen des Kindes zurückstellen, ja, sie soll es in Krisenzeiten aufgeben, um es zu retten – also eine Heilige sein? Hingabe bis zum Äussersten?Idealbilder – sind wir so, wir Mütter? Über jeden Tadel erhaben, selbstlos, voller Hingabe bis zum Äußersten und stets verständnisvoll verzeihend? Mütter sollen zu sich selbst stehenBis ins 20. Jahrhundert hinein wurden Kleinkinder eher mit innerer Distanz als mit großer Liebe betrachtet. Denn nicht nur die Todesrate der Mütter im Kindbett sondern auch die Kindersterblichkeit war extrem hoch; jedes zweite Kind starb vor dem dritten Geburtstag. Überlebten Mutter und Kind, erwartete die meisten Säuglinge ein trauriges Los. Wie Mumien wurden sie an ein Brett geschnürt und blieben stundenlang oder auch den ganzen Tag über bewegungsunfähig, schreiend oder wimmernd vor Hunger, wund in der vollen Windel und mutterseelenallein vor der mehr oder minder warmen Herdstelle sich selbst überlassen, bis die Mutter von der Arbeit zurück gekommen war. Zur Zeiten von Hungersnöten oder Krankheit der Mutter gehörte das Aussetzen von Säuglingen zum Alltag. Als Thomas Coram im London des 18. Jahrhunderts sein erstes sogenanntes "Findelhaus" gründete, geschah dies, weil er es nicht mehr ertrug, "die in den Gossen und auf den Misthaufen liegenden Babys sterben zu sehen." Niemand kann sich diese Zustände zurück wünschen. Mütter schon gar nicht. Aber wären wir Mütter nicht doch erleichtert, wenn man uns aus der Rolle der Nimmermüden, allumfassend Zuständigen ganz selbstverständlich heraustreten ließe? Ohne diesen bitterbösen Vorwurf, dann eine schlechte Mutter, eine Rabenmutter, zu sein. Und wären wir nicht glücklicher, wenn wir selbst uns ganz ohne schlechtes Gewissen gestatten würden, zwischen Kinderkriegen und Kindergroßziehen, Partnerschaft, Haushalt, Job und sozialem Engagement ganz gelassen auch zu uns selbst zu stehen anstatt immer nur zu den anderen? |
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