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Ist häusliche Gewalt tatsächlich männlich? |
Auch Frauen schlagen zuJede dritte Frau werde von ihrem Ehemann oder Freund geschlagen, vergewaltigt oder anderen Formen der Gewalt ausgesetzt, belehrt uns die Bundesfrauenministerin Bergmann unisono mit der Bundesjustizministerin Däubler-Gmelin. Zwar gebe es in Deutschland keine genauen Untersuchungen darüber, sagen sie. Aber bestimmte Vereine, die sich um Frauenangelegenheiten kümmern, hätten diese Zahlen geschätzt. Und das wären Vereine, die es wissen müssen. Auch wenn diese Zahlen total anders sind als die Zahlen aus rund 200 Studien aus dem englischsprachigen und skandinavischen Ausland, in denen es heißt, dass Frauen ihre Ehemänner und Freunde kaum seltener schlagen als umgekehrt. Ja, sogar total anders als die Zahlen der einen Studie, die die Bundesregierung unlängst zum Thema anfertigen ließ, und in der es heißt, dass 1, 59 Millionen Frauen Opfer häuslicher Gewalt würden und 1, 49 Millionen Männer. Wenn diese Vereine sagen, es ist jede dritte Frau, dann stimmt das, sagen die Politikerinnen. Faustrecht hinter der HaustürAlso glauben wir es, Schwestern: "Häusliche Gewalt ist männlich!" Und beginnen unsere Freundinnen und Nachbarinnen durchzuzählen. Jede dritte! "Maman, wart auf mich"Ich denke da an eine Szene, die mich neulich so tief berührte. Es war an einem dieser Nachmittage in Straßburg, die ich so liebe. Weißblauer Himmel, die Türme des Münsters so hoch, dass sie dem lieben Gott an der Nase kitzeln, der Wind zwischen den schmalen Gassen wie Belzebub so frech und die Männer mit diesem gewissen Etwas im Blick, dass man ihnen einfach zulächeln muss. Café au lait, ein Brocken Guglhupf mit ganzen Mandeln oben drauf und Rosinen drinnen im weichen Hefeteig. Nur eine Viertelstunde mit dem Auto zwischen meinem Wohnort und hier und Urlaubslaune total. Da biegt sie um die Straßenecke, die Mutter. Unsichtbar, wie auf ewig verloren für das Kind. Es fällt, wo es rannte, mitten im Schritt. Fällt, während ein Bus am Bordstein entlangkurvt. Bremsen quietschen, Passanten schreien, rennen. Die Mutter schaut um die Straßenecke. Zwischen Neugier und böser Vorahnung, mit jähem Wissen rennt sie, den Buggy schleudernd, zurück. Zu spät? Ich weiß es nicht. Es sah sehr klein aus, das Kind auf der Trage des Notarztwagens, der wenig später herbeiheulte. Klein und still. Es war die Mutter, die schrie. Ich weiß nicht, was in der Zeitung stand, am nächsten Tag. Vermutlich nur eine lapidare Unfallmeldung. Aber ich weiß, was mir eine junge, aufstrebende SPD-Politikerin sagte, der ich diese Geschichte erzählte. "Tatsächlich, Mädels?" muss ich da fragen. |
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