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Leseprobe |
"Teddie - 28 Geschichten
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Teddie macht keine GeschichtenDas Lied der Schlümpfe dröhnt schon zum x-ten Mal aus dem Lautsprecher hinter Teddies Kopf ins Menschengewühl. Manchmal erkennt er zwischen fremden Gesichtern ein vertrautes. Er winkt und lacht, schreit irgend etwas und kann im Lärm sein eigenes Wort nicht verstehen. »Erst wird gegessen«, hat Onkel Maximilian gesagt. »Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen. Deine Mutter soll schließlich merken, daß du auf dem Land warst. Mark in die Knochen sollst du kriegen, so 'n Bürschchen, wie du bist. Nimm dir noch ein Stück Braten. Ist genug da für alle.« »Machst du nicht mit heute?« brüllt Michael Teddie zu und saust in seinem eidottergelben Selbstfahrerauto vorbei. Funken sprühen unter der Gitterdecke der Skooterbahn. Ehe Teddie antworten kann, ist Michael schon wieder weg, boxt einen anderen Wagen. Der Stoß ruckt beiden Fahrern ins Kreuz, so daß es sie aus den Kunstlederpolstern lüpft. »Paß doch auf, du!« schimpft der andere. Michael lacht. Ein drittes, ein viertes Auto keilt sich fest. Verbissen kurbeln die Fahrer am Lenkrad, schleudern Blicke wie Blitze auf den Störenfried. Da - ein Heulen: Ende der Runde. »Was ist denn los?« fragt Michael, als er zu Teddie auf den Rand der Plattform klettert. »Keine Lust heute?« »Doch, schon«, sagt Teddie. »Du kennst doch den Karl?« »Den vom Bäcker?« fragt Michael. »Den Großkotzer?« »Genau«, sagt Teddie. »Er verkauft seine Eisenbahn. Für zehn Mark. Ich hab nur zehn.« »Du mit deinem Eisenbahnfimmel!« Michael lacht. »Ich kauf mir neue Marken für die Autos. Schade, daß du nicht mitmachst!« Teddie sieht ihm nach. Seine Finger krampten sich um die zwei neuen Fünfer in seiner Hosentasche. Den zweiten Fünfer hat die Uroma aus ihrem schwarzseidenen Kopftuch genestelt, in das sie immer ihre magere Rente einschlägt. »Kauf dir, was du willst«, hat sie lächelnd gesagt und ihm über den Kopf gestreichelt. Teddie fühlt sich hilflos und klein, wenn sie ihn anschaut. Ihre Augen haben so vieles gesehen. Neunzig Jahre ist sie alt. Acht Kinder hat sie geboren. Das Lächeln ist fein geworden in den Falten um ihren bläulichen Mund. Aber wenn sie lächelt, ist es wie Feuer im Kamin. Am Nachmittag hat Teddie Karl getroffen. »Weißt du keinen, der meine Eisenbahn kauft?« hat er gefragt. »Ich brauch Geld nach der Kirmes. Mein Vater hat Geburtstag.« »Darfst du die denn verkaufen?« hat Teddie ungläubig gefragt. »Klar, wo sie doch mir gehört!« hat Karl geprahlt. Sein Vater ist Bäcker, der reichste Mann im Dorf. »Uralt - zwei Jahre!« hat Karl gerufen. »Unter zwanzig Mark geb ich sie nicht her.« »Zwanzig Mark!« hat Teddie gelacht. »Bei dir piepst's wohl. Fünf Mark, dann bist du gut bedient.« »Naturtrottel«, sagt Karl. Zehn Mark! Das würde bedeuten, daß er zur Kirmes nicht einmal Geld genug hätte für ein Eis, für Zuckerwatte und für eine einzige Runde im Skooter. »Zeig erst die Kohlen!« hat Karl gesagt. »Nachher kauf ich die Eisenbahn!« flüstert sich Teddie zu und kneift die Augen zusammen, in denen es irgendwie brennt. »Wie war's denn auf dem Rummelplatz?« fragt Onkel Maximilian beim Abendessen. »Hast dich hoffentlich ausgetobt bis zur nächsten Kirmes?« Tante Agnete aber legt Messer und Gabel aus der Hand. Teddie springt auf. »Nein!« schreit er. »Nein! Ich will keine neuen Schuhe. Karl ver .. .« Vater hat ihn zum Bahnhof gebracht. »Tschüß, Burschi«, hat er gesagt. »Ich verlaß mich auf dich. Mach keine Geschichten, verstanden? Wir müssen froh sein, daß du nach Meierhofen kannst, solange Mutter krank ist.« Spät ist es, als Vater anruft. Teddie lag schon im Bett. |
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