Leseprobe

"Die kleine Hexe Billerbix"

Wenn die kleine Hexe Billerbix erwacht

Tief im Wald, gleich neben dem Brünnlein Trink-dich-satt und dem Glitzerbach, steht ein dicker, dicker Weidenbaum. Seine Zweige hängen wie eine grüne Gardine bis auf den Boden. Wenn der Wind sie nachts zerzausen will, wispern alle Blätter: "Pst! Pst! Pst!" Denn sie wollen nicht, dass die kleine Hexe Billerbix in ihrer Hängematte unter dem Blätterdach wach wird.

Dann wird der Wind ganz sanft und schaukelt die Zweige nur ein wenig. Die Zweige schaukeln die Hängematte. Die Hängematte schaukelt die kleine Hexe Billerbix. Und am Fußende schaukelt Muschka, die schwarzbunte Katze, mit.

Raab, der lieber in seinem Vogelnest schläft, wird immer als Erster wach. Er blinzelt mit dem rechten Auge, blinzelt mit dem linken Auge und schüttelt seine Flügel aus. Dann sperrt er den Schnabel auf und gähnt: "Raab-Raab-Raab!"

"Chchch" faucht Muschka und legt sich die Pfoten über die Ohren. Aber da blitzt schon der erste Sonnenstrahl durch das Blätterdach und kitzelt die kleine Hexe Billerbix an der Nasenspitze. "Hatschi", niest sie und lacht. Schnell fängt sie den frechen Sonnenstrahl und bindet eine Schleife daraus. Wie die im roten Hexenhaar funkelt!

"Guten Morgen, lieber Morgen", ruft die kleine Hexe Billerbix und bindet die grüne Baumgardine zurück. Jetzt kann sie hinaus in den Wald schauen. Die Bäume sind so hoch wie immer. Der Glitzerbach plätschert so fröhlich wie immer. Das Brünnlein Trink-dich-satt ist so voller Wasser wie immer. Zottel, der Hexenbesen, lehnt in seiner Baumspalte wie immer. Suppentopf und Kochlöffel stehen sauber und vergnügt in der Küchenecke wie immer. Im Gemüsegarten summen die Bienen wie immer.

Und der Magen der kleinen Hexe Billerbix knurrt auch wie immer. "Hab ich Hunger", ruft sie. "Raab und Muschka, sagt mir an, was ich heute kochen kann!"

"Mau!", maunzt Muschka und reckt eifrig den Schwanz in die Höhe. "Mau!" Aber die kleine Hexe Billerbix schüttelt den Kopf. "Maus? Maus? Nein, nicht schon wieder. Liebster Rabe, sag mir du, was ich in den Topf heut tu?"

Der Rabe zieht eine Feder durch den Schnabel und putzt sein Gefieder. Dann hat er eine Idee. Er zieht das Hexenkochbuch aus dem Versteck und schlägt es irgendwo mit dem Schnabel auf.

"Eine Hexensuppe, au ja, fein", freut sich die kleine Hexe Billerbix. "Die wird sicher köstlich sein. Was wir brauchen, eins, zwei, drei, hexe ich uns schnell herbei."

Raab flattert auf die rechte Schulter der kleinen Hexe Billerbix, Muschka klettert auf die linke. Sie stecken die Köpfe zusammen und Raab liest vor: "Um das Kochen anzufangen, musst du einen Laubfrosch fangen. Kannst du aber keinen kriegen, wird eine Zwiebel auch genügen."

"Ein Frosch?" Die kleine Hexe Billerbix muss lachen. "Nichts leichter als das!" Sie schnippt mit zwei Fingern. Gleich stieben Funken aus ihrem Zeigefinger und der Fingernagel wird so lang wie ein Zauberstab.

"Raab", krächzt Raab. "Burr", schnurrt Muschka. "Raburr", ruft die kleine Hexe Billerbix und dreht sich auf den Zehenspitzen, bis der Wald zu tanzen beginnt. "Liebes Stöckchen, eins, zwei, drei, schaff mir einen Frosch herbei!"

"Quaak!" Im Moos vor den Füßen der kleinen Hexe Billerbix sitzt ein grüner Frosch. Mit goldenen Augen schaut er zu ihr auf.