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Leseprobe |
"Das Superbuch der Gruselgeschichten" |
Amadeus flitzt durch den SchornsteinImmer nur nachts herumgeistern ist auf Dauer ganz schön öde. Irgendwann hatte Amadeus eine Idee. Er wollte diesmal nicht um Mitternacht spuken, sondern mittags, am helllichten Tag. Dabei gab es nur ein Problem. Wie sollte er es wohl anstellen, sichtbar zu werden? Sein weißes Gespensterhemd war ja auf Mondschein eingestellt und nicht auf Sonnenlicht. Wenn ein Gespenst zu lange in der Sonne war, wurde es rabenschwarz und nicht einmal Gespensterfreunde konnten es dann nachts wiedererkennen. Das wollte Amadeus natürlich nicht. Aber er hatte es sich nun einmal in den Kopf gesetzt, am Tag zu geistern? Die halbe Nacht verbrachte er in seinem Lieblingsgemäuer und grübelte und grübelte. „Was ist los, Amadeus?", fragte die Eule und strich vorbei. „Bist du krank?" „Nein, ich denke", erwiderte er. „Hallo Amadeus", grüßten die Fledermäuse und flatterten mit den Flügeln. „Warum so allein?" „Ich denke", sagte Amadeus. Dann kam der Fuchs vorbei, der auf Mäusejagd ging. „Gehst du heute nicht spuken?", fragte er erstaunt. „Ich denke", erwiderte Amadeus, entnervt über die dauernden Fragen und seufzte. „Aber mir fällt nichts ein." „Du und denken?", lachte der Fuchs. „Also dazu würde ich aber wenigstens den Kopf aufsetzen." „Danke für den Tip", Amadeus holte schnell seinen Kopf unter dem Arm hervor. „Hast du vielleicht eine Ahnung, wie ich auch tagsüber sichtbar werde?" „Nichts leichter als das", meinte der Fuchs und kratzte sich hinter dem Ohr. „Ofenruß. Macht dich schwarz und schützt vor Sonnenstrahlen." „Supergeistergenial!", freute sich Amadeus und klatschte vor Freude in die Hände. „Du bist wirklich ein schlauer Fuchs. Jetzt schaffe ich es doch!" Dann raste er durch den Wald, hinunter ins Dorf und mitten in Bäcker Müllermehls Schornstein hinein. Holterdipolter ging es ab ins Schwarze. „Hatschi!", nieste er. „Wo bin ich?" Heftig wedelte er die Rußwolken auseinander, da landete er auch schon kopfüber im Backofen. Autsch, tat das weh! Rasch nahm Amadeus seinen Kopf von den Schultern und streichelte ihn ein wenig. Dann setzte er ihn wieder auf. So, diese Portion Ruß müsste wohl genügen. Er flitzte durch eine Backofenritze hinaus in die Backstube. Draußen wurde es langsam hell, bald konnte er mit dem Am-Tage-Spuken loslegen. Neugierig sah er sich um. Wie viele Maschinen und Öfen und Schüsseln hier überall standen! Und wie sie blitzten und funkelten! Und da! Was war das? Etwas Schwarzes, Kleines starrte Amadeus aus einer blanken Kiste an. Entsetzt sprang er zur Seite, aber das Schwarze sprang mit. „Muh!", schrie Amadeus. „Huhu!" Da öffnete das Schwarze den Mund und schrie auch. Und das war so schauerlich, dass Amadeus noch schneller wieder zum Schornstein hinausfuhr, als er hineingezischt war. „Mama!", rief er schon von weitem. „Hilfe, Mama!" Und dann warf er sich der Mutter mit beiden Armen um den Hals. Doch was war das? Wo Amadeus seine Gespenstermama berührte, wurde sie schwarz, kohlrabenschwarz! Natürlich, der Ofenruß! Amadeus wusste gar nicht, was er sagen sollte. Und seine Mutter? „Am besten, du fängst ganz von vorne an", sagte sie und nahm ihren kleinen schwarzen Gespensterjungen auf den Schoß. Schwärzer als schwarz konnten sie beide sowieso nicht mehr werden. Und dann erklärte sie Amadeus, was ein Spiegel ist. Und Amadeus? War froh, dass er im Moment so schwarz aussah. Da merkte wenigstens niemand, wie rot er wurde. |
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