Glaubst du, daß der Hase bunte Eier legt ?

Als man noch an Götter und Göttinnen glaubte, sah man den Hasen als einen Boten der germanischen Frühlingsgöttin Ostara an. Wenn er über Felder und Wiesen hoppelte und die Hasenmütter viele Häschen zur Welt brachten, wußte man, daß die Natur aus ihrer winterlichen Todesstarre erwacht war. Der Hase zeigte es an. Er war ein heiliges Tier.

Auch zur Zeit der Christen behielt der Hase seine Sonderrolle bei. Man sprach nicht mehr davon, daß er ein Götterbote sei. Aber man hielt die vielen Hasenkinder für ein Zeichen der Fruchtbarkeit und der Auferstehung des Lebens. Maler zum Beispiel setzten gern einen Hasen in ihr Bild, wenn sie eine Frau darstellten, die bald schon ein Kind zur Welt bringen würde.

Vor über dreihundert Jahren aber, als das Ostereier-Schenken mehr und mehr in Mode kam, begann man, das Märchen vom Eier legenden Hasen zu erfinden. Dies ist nicht verwunderlich, weil der Hase gerade zur Frühlingszeit häufig im Hausgarten auftaucht und von den jungen Pflanzen nascht. Dass er dabei Ostereier versteckte, konnte gut möglich sein. Oder nicht ?

Der Heidelberger Medizinprofessor Georg Franck berichtete 1682 allerdings in seinem berühmten Buch über "Oster-Eyern", dass man mit dem Märchen Vom Osterhasen die Kinder vor allem dazu anregen wollte, eifrig im Gras und Gebüsch nach Eiern zu suchen, weil dieses Spiel den Eltern so großen Spaß bereitete.