INTERNATIONALER KINDERTAG
oder
WELTKINDERTAG?

Als meine Freundin Annemone mich vor ein paar Tagen erstmals fragte, ob ich denn für meine Website nichts über den "Internationalen Kindertag" schreiben möchte, fiel mir erst einmal nichts mehr ein. "Einen solchen Tag gibt es?", staunte ich. "Meinst du vielleicht den Weltkindertag? Der wird aber nicht am 1. Juni, sondern am 20. September gefeiert."

Nein, Annemone bestand auf dem "Internationalen Kindertag" und dem 1. Juni als alljährlichem Ereignis, das schon ihre eigene Kinderzeit geprägt hatte.

Nach einer kleinen Recherche im Internet lag des Rätsels Lösung vor: wir sprachen tatsächlich von ein und demselben Festtag. Und der unterschiedliche Blickwinkel rührt daher, dass Annemone aus dem Osten Deutschlands, den sogenannten neuen Ländern, stammt, wo man den 1. Juni zum "Internationalen Tag des Kindes" erklärt hatte. Ich hingegen bin im Westen aufgewachsen, der den Gedenk- und Feiertag aller Kinder dieser Welt "Weltkindertag" nennt und am 20. September feiert.

Die Wurzeln dieses doppelten Kinderfestes gehen auf ein und dieselbe Resolution der UNO-Vollversammlung zurück, die im Dezember 1954 beschloss, einmal im Jahr solle die Weltbevölkerung auf die Rechte und Bedürfnisse der Kinder aufmerksam machen und sich daran erinnern, dass Kinder zwar kleine, aber ebenso vollwertige und mit allen Menschenrechten ausgestattete Weltenbürgerinnen und Weltenbürger sind wie Erwachsene. Wann genau dieser Gedenktag gefeiert werden solle und wie die Gedenkfeier auszusehen habe, ließ die UNO-Resolution offen.

So kam es, dass die DDR-Führung den 1. Juni erkor und Westdeutschland den 20. September. Schließlich ließ sich durch diese unterschiedliche Terminierung die Souveränität der beiden deutschen Staaten bestens demonstrieren.

Doch allmählich wächst zusammen, was zusammen gehört. Berlin als das Sinnbild der "geteilten Stadt" macht es vor. Zwar feiert man den Kindertag im Ostteil der Stadt immer noch am liebsten am 1. Juni und im Westteil am 20. September. Doch immer öfter passiert das, was zwischen meiner Freundin Annemone und mir auch geschah: man redet miteinander und stellt fest, dass zwei Kindertage doppelt so schön sind wie einer.

Die Gewinner sind eindeutig die Kinder. Denn im Jahr 2002 steigen in Berlin zwei Kinderfeste der Superlative.

Das erste findet am 1. und 2. Juni rund um das Freizeit- und Erholungszentrum FEZ in der Wuhlheide, der größten außerschulischen Bildungsstätte Deutschlands, statt. Doris Schröder-Köpf, die Gattin des amtierenden Bundeskanzlers, deren Engagement für Kinder sich u.a. in markigen Erziehungsleitlinien und der aus persönlicher Erfahrung erwachsenen Unterstützung alleinerziehender Mütter niederschlägt, übernahm die Schirmherrschaft. Über 2000 Prominente aus Kultur, Politik und Wirtschaft sind eingeladen. Auf fünf verschiedenen Bühnen geht der Bär ab. Und natürlich fehlt auch das Fernsehen nicht. Für die täglich erwarteten 50.000 bis 70.000 kleinen und großen Besucherinnen und Besucher wurde an nichts gespart. Eines der Highlights des Tages ist eine prachtvolle Gala des "Kinderhilfswerks", das 2002 sein 30-jähriges Jubiläum feiert.

Wer mehr darüber erfahren möchte, kann sich unter www.kindertag-berlin.de und unter der Telefonnummer 030 - 53071291 erkundigen.

Das zweite Berliner Weltkindertagsfest wird am 21. und 22. September auf dem Potsdamer Platz gefeiert. Es ist das 30. Kinder- und Familienfest des Deutschen Kinderhilfswerks. Damit die Gleichberechtigung nicht zur kurz kommt, hat für dieses Fest keine Frau sondern ein Mann die Schirmherrschaft übernommen, Bundestagspräsident Wolfgang Thierse.

Doch nicht nur Berlin tut sich als Gastgeber hervor. Mittlerweile werden die Kinder dieser Welt in Hunderten von Ländern und Städten in Ost und West mit Ausstellungen, Tagungen, Bücherpräsentationen, Solidaritätsbekundungen mit Straßenkindern oder ähnlichen Aktionen gefeiert.

Bis zum 8. Juni beteiligen sich bundesweit über 200 Städte und Gemeinden Deutschlands mit über 300 verschiedenen Gruppen. Veranstalterinnern sind der "Deutsche Frauenrat" in Zusammenarbeit mit der "Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros", die mit ihren Aktionen unter der Schirmherrschaft der amtierenden Bundesfrauenministerin Dr. Christine Bergmann auf die Notwendigkeit hinweisen wollen, bessere Rahmenbedingungen für die Bildung und Betreuung von Kindern sowie eine bessere Vereinbarkeit von Familienarbeit und Erwerbstätigkeit zu schaffen.

Schade nur, dass die Kinderzahl in Deutschland seit langem beständig schrumpft!

Karin