Buchbesprechungen

"Monika B. -
Ich bin nicht mehr Eure Tochter"

Frauenschicksale

YOYO Hamburg

4. Juni 1997

Die heile Familie in der Monika lebt, ist nur Fassade.
Erst wird das Mädchen vom Großvater, dann vom vater, später auch vom eigenen Bruder mißbraucht.
Sogar ihre Mutter weiß, was in der Familie vorgeht, und spielt mit.
Sie verkauft ihre Tochter an Männer mit perversen Neigungen, um sich ein paar Mark zu verdienen.
Monika schweigt, aus Angst, die Liebe ihres Vaters zu verlieren.
Erst als sich ihr jüngerer Bruder von einer Brücke stürzt, hat sie den Mut, ihre Eltern anzuzeigen.

Das Buch war Monikas Chance, ihr Leben in den Griff zu bekommen.
"Ein Versuch, mir selbst klarzumachen, was mir meine Familie 22 Jahre lang angetan hat",
sagt sie.
Eineinhalb Jahre arbeitete die 30 jährige zusammen mit der Autorin Karin Jäckel daran.
Die Wunden der Vergangenheit sind dadurch längst nicht verheilt,aber erträglicher geworden.
Immer noch braucht Monika den Halt in einer betreuten Wohngruppe und kämpft mit Hilfe eines Psychologen gegen den Drang, sich selbst Schmerzen zuzufügen, Arme und Beine mit Messern zu zerschneiden.
Doch den ersten Schritt in ihr neues Leben hat sie geschafft:
Sie hat sich dem Verbot ihres Vaters widersetzt und vom Missbrauch erzählt.
Der Vater nahm sich einen Anwalt. Jetzt will er 500 000 Mark Schadenersatz von ihr und dem Verlag. In diesem Buch könne ihn jeder erkennen, behauptet er.
Entscheidet das auch der Richter, wäre das für Monika die Bestätigung, daß ihr Vater all die Jahre doch recht hatte:
"Behalte unser kleines Geheimnis lieber für dich", hatte er ihr eingetrichtert.
"Einer wie dir glaubt sowieso keiner."
N.N.