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Leseprobe |
"Der gebrauchte Mann -
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THOMAS, 37 Jahre, und SANDRA, 38 JahreThomas: "An meine Tochter Melanie"Wenn Du diese Zeilen liest, werde ich schon lange tot sein, denn ich habe beschlossen, daß der heutige Tag mein Todestag ist. Deine Mutter wird Dir erklären, warum dies so ist. Glaube mir, viel lieber hätte ich mit Dir gelebt." (Thomas starb bei einem Autounfall. Er raste in Süditalien gegen den Betonpfeiler einer Autobahnbrücke. Er war sofort tot. Seinen Abschiedsbrief an seine Tochter fand man in seinem Banksafe. Dort befand sich auch ein Testament, aus dem hervorging, daß Thomas seinen gesamten Besitz einer karitativen Einrichtung vermacht hatte. Aus dem Datum ging hervor, daß Thomas dieses Testament an dem Tag verfaßt hatte, an dem Sandra ein gemeinsames Sorgerecht endgültig verweigert hatte. Zwischen der notariellen Beglaubigung des Testaments und Thomas' Tod lagen elf Tage.) Sandra: "Das Kind ist aus meinem BauchIch war damals Mitte Dreißig. Alles, was mir beruflich vorgeschwebt war, hatte ich erreicht. Ich besaß eine schöne Wohnung, ein Auto, um das mich die Männer beneideten, etwas Geld auf der Bank. Aber irgendwie fühlte ich mich ziemlich leer. War's das schon? dachte ich. Immer derselbe Trott, derselbe Streß. Ich fand, es wurde Zeit, an die Zukunft zu denken. Also begann ich, mich nach einem geeigneten Mann umzusehen. Ich hatte eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie er beschaffen sein müßte. Schließlich lernte ich ihn kennen. Er hieß Thomas, war Zahnarzt mit eigener Praxis und hatte Geld genug für Frau und Kind. Ich sorgte dafür, daß er auf mich aufmerksam wurde. Es fiel mir nicht schwer, mich zu verlieben. Ich machte mir sogar ziemlich viel aus ihm. Er machte sich bald auch ziemlich viel aus mir. Er lud mich ein, zu ihm zu ziehen. Seine Wohnung war nichts Besonderes, aber gemütlich. Ich zog gerne ein. Allerdings behielt ich heimlich meine eigene Wohnung und arbeitete weiterhin. Es dauerte fast ein Vierteljahr, ehe ich schwanger wurde. Ich hatte jahrelang die Pille genommen und eigentlich damit gerechnet, sofort schwanger zu werden, sobald ich sie absetzte. Es war eine Überraschung, daß es so lange nicht klappte. Aber da meine Frauenärztin mir versichert hatte, daß alles mit mir in Ordnung sei, machte mir das Warten nichts aus. Es gefiel mir sogar. Es steigerte die Vorfreude. Thomas erzählte ich nichts. Ich fand, es ging ihn auch nichts an. Als ich es endlich geschafft hatte, schwanger zu sein, teilte ich es Thomas mit. Er fiel aus allen Wolken, wollte mich aber sofort heiraten. Also taten wir es. Meine Tochter Melanie kam ein halbes Jahr später auf die Welt. Thomas störte jetzt wahnsinnig. Ich hatte mich mit diesem Mann eingelassen, weil ich ein Kind von ihm haben und anschließend finanziell auf der sicheren Seite stehen wollte. Die Romanze zwischen uns war zu Ende. Das war mir eigentlich schon vor Melanies Geburt klar. Im Grunde hatte ich nur noch abgewartet, ob mit dem Kind alles in Ordnung war. Ein behindertes Kind hätte ich keinesfalls bei mir behalten. Thomas rechnete damit, daß ich eine Woche nach der Entbindung nach Hause kommen würde. Er tat mir leid, weil er sich so dafür begeistern konnte, wie wir in seiner Wohnung hausen und glücklich wie die Turteltauben sein würden. Aber mein Entschluß war gefaßt. Ich verließ das Krankenhaus schon am vierten Tag, ohne Thomas zu benachrichtigen. Meine Zugehfrau hatte in der Zwischenzeit meine eigene Wohnung in Ordnung gehalten. Als ich mit meinem Kind zur Tür hineintrat, kam es mir vor, als wäre ich nie fort gewesen. Thomas tat mir durchaus leid. Ich bin schließlich kein Hackklotz. Vor allem, als er sich dann das Leben nahm. Aber ich habe kein schlechtes Gewissen. Melanie ist mein Kind. Ich bin ihre Mutter. Dieses Kind ist in meinem Bauch gewachsen. Und ich habe es unter Schmerzen zur Welt gebracht. Thomas war mehr oder weniger ein Zufallsmann. Er hatte ein Zehn-Sekunden-Glück bei der Sache. Mehr nicht. Pech für ihn war, daß Männer heute in puncto Liebe per Gesetz zur Kasse gebeten werden, ihre Kinder aber nicht bekommen. Worüber ich mich durchaus nicht beklage. Es ist ja voll und ganz in meinem Sinn. Ich will damit sagen, daß ich mich nicht zu schämen brauche. Ich habe von dem Erzeuger meines Kindes verlangt, was mir gesetzlich und rechtmäßig zusteht. Ich schrieb ihm, daß ich ihn freigebe und die Scheidung wolle. Ich schrieb ihm, daß er uns auch freigeben solle. Aber dummerweise hatte Thomas andere Vorstellungen als ich. Jetzt auf einmal kam dieser Mann daher und behauptete, mein Kind sei sein Kind. Forderte Mitspracherecht bei der Erziehung, forderte mein Kind für sich. Ich habe nie eingesehen, mit welchem Recht. Etwa mit dem Recht des Chromosomensatzes, den er anteilig an meinem Kind geliefert hat? Ja, erwirbt sich denn ein Kaufmann ein Recht, meinen Kuchen zu essen, nur weil er der Lieferant der Zutaten war? Ich hatte Thomas geheiratet, weil ich ein Kind wollte und dieses Kind einen Vater haben sollte, für den es sich nicht schämen müßte. Ich hatte einen Mann als Erzeuger für dieses Kind ausgesucht, der Geld genug hatte, um die Erziehung zu sichern und zu garantieren, daß ich als Mutter Zeit genug für mein Kind haben würde. Aber ich hatte ihn nicht geheiratet, um für immer und ewig mit ihm Händchen zu halten. Ich versuchte, Thomas alles zu erklären. Ich habe ihm mindestens drei, vier Briefe deswegen geschrieben. trotzdem wurde das erste Jahr nach unserer Trennung ziemlich hart für mich. Thomas versuchte mit allen Tricks, zumindest das Kind zurückzuholen. Aber ich hatte eine Spitzenanwältin genommen. Sie machte ihre Sache wirklich gut. Nach dem obligatorischen Trennungsjahr wurden Thomas und ich endlich geschieden. Melanie wurde mir zugesprochen. Daß Thomas sich zwei Monate später das Leben nehmen würde, war nicht eingeplant und von mir auch nie beabsichtigt. Es tut mir natürlich leid. Wirklich schlimm ist, daß Thomas kaum Geld hinterlassen hat, so daß Melanie und ich ziemlich dumm dran sind. Seine Eltern haben zwar versprochen, daß sie einen Teil der Kosten für Melanie übernehmen, aber das ist ja nichts Reelles. Das beunruhigt mich schon. Da weiß ich auch noch nicht, wie ich damit umgehe. Es sei denn, ich heirate noch mal. Ob ich mich schlecht dabei fühlen werde? Nein, eigentlich nicht. Eher so wie nach einem gelungenen Coup. Neue Väter braucht das LandDaß der inzwischen rund 150 Jahre auf- und abwogende Kampf zwischen Mann und Frau letztlich um die Vorherrschaft des Matriarchats beziehungsweise Patriarchats als regierender Gesellschaftsordnung geht, manifestiert sich heute in der militanten Agitation der Frauenbewegung. Eines der hervorstechendsten Ergebnisse der permanenten Attacken gegen das Selbstverständnis des Mannes ist eine jede soziale Schicht der Gesellschaft durchziehende tiefe Verunsicherung, wie ein Mann denn zu sein habe, um ein richtiger, ein guter, ein frauenfreundlicher Mann und Vater zu sein. Die feministisch forcierte Debatte um den neuen Mann, der den faulen Schmarotzer am Busen der geknechteten und ausgebeuteten Frau endlich endgültig ablösen soll, verleiht dieser Unsicherheit Ausdruck. Angesichts der Heftigkeit der Diskussion könnte frau versucht sein, den neuen Mann als Phantom in dem Bereich der unerfüllbaren Illusionen anzusiedeln. Doch weit gefehlt - die Journalistin Christine Mortag saß schon einmal einem ausgewachsenen Exemplar leibhaftig gegenüber. Als ich anderen Vätern diesen Bericht zu lesen gab, um ihre Meinung über neue Väter zu hören, erntete ich sowohl Zustimmung zu den Empfindungen des Vaters Til Schweiger als auch müdes Lächeln und Abwinken. "Ja, und?" meinte Paul, Vater von zwei Mädchen, die er seit der Scheidung vor knapp fünf Jahren nicht mehr gesehen hat, weil die Mutter jeden Kontakt verhindert. "Glaubst du, das war bei mir anders? Ich war auch total verrückt darauf, endlich Vater zu werden. Meine Frau und ich legten sogar ein Kissen unter ihren Hintern, damit es nur ja klappt. Als die Kinder da waren - die beiden sind nur ein Jahr auseinander -, habe ich meiner Frau alles abgenommen, was bloß irgendwie ging. Ich bin nachts und auch in aller Herrgottsfrühe aufgestanden wegen der Fläschchen, damit sie länger schlafen und sich ausruhen konnte. Ich habe stundenlang an den Bettchen gesessen, wenn die Kinder Zähne bekamen oder krank waren oder schlecht geträumt hatten. Ich habe sie sogar im Tragetuch mit mir rumgeschleppt und die Zähne zusammengebissen, wenn die Kollegen blöd gegrinst haben. Beruflich zurückgesteckt habe ich auch, und zwar ohne langes Drumherumgemache. Zum Beispiel eine interessante Versetzung ins Ausland ausgeschlagen, weil ich wußte, daß meine Frau nie mitkommen würde. Das war für mich alles selbstverständlich. Ich wollte weder sie noch die Kinder verlieren. Das war mir meine Karriere nie wert. Die Familie war das Größte für mich. Wenn das alles Erkennungsmerkmale für die neuen Väter sind, dann war ich brandneu. Männer, das faule Geschlecht? / Wie es zum Streit kommtAbgesehen von dem Millionenheer der arbeitslosen Männer und Väter, die sicher auch nicht glücklich über ihre Lage sind und lieber arbeiten als vor Sozialeinrichtungen Schlange stehen würden, arbeiten Männer und Väter im Normalfall hart in dem von ihnen ausgeübten Beruf. Nur wenige können es sich leisten, ihre Arbeitszeit und Arbeitsleistung frei einzuteilen. Die Mehrheit kommt bei einer tariflich festgelegten Arbeitszeit auf nicht ganz acht Arbeitsstunden pro Tag. Die Arbeitszeiten sowie die Aufgabenstellung werden von einem Arbeitgeber bestimmt und richten sich nach dem Interesse des arbeitgebenden Betriebes. Ob diese Interessen deckungsgleich mit denen des Arbeitnehmers oder seiner Familie sind, steht nicht zur Diskussion.
Für seine Arbeitskraft und seinen persönlichen Einsatz im Betriebsinteresse steht jedem Arbeitnehmer ein entsprechender Lohnausgleich zu. Von diesem Lohnausgleich bestreiten Männer und Väter kein ihrem alleinigen Vergnügen dienendes Taschengeld, sondern den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien. Nur in den seltensten Fällen können sie auf andere Einkommensquellen zurückgreifen und ihre Abhängigkeit von einem festen Arbeitsverhältnis reduzieren. Wenn diese Männer nach einem Achtstundentag plus vielleicht ein, zwei Stunden Autobahn nach Hause kommen, sind sie selten fit fürs Familienleben. Weit eher sind sie müde, aus der Müdigkeit heraus leicht reizbar und "reif für die Insel", sprich für den Fernsehschlaf. Und schon knallen bei Frau und Kindern die Sicherungen raus, denn ihre Erwartungshaltung an den Mann und Vater endet nicht bei der Ablieferung des Geldes. Und hier, an diesem Punkt, bricht der erbitterte Krieg der Geschlechter um Arbeit und Faulenzerei voll aus. Männer, das faule Geschlecht? / Warum sie wenig im Haushalt helfenEs dringt leider kaum an die Öffentlichkeit, doch mittlerweile weiß selbst im hintersten Hinterbergtupfingen jeder junge Mann Bescheid, wie Frauen über Machos denken, denen die Hände bis zu den Ellenbogen in den Hosentaschen anwachsen. Männer, die sich zeit ihres Lebens weigern, einen Staubsauger zu bedienen, ihren Kindern die Windeln zu wechseln oder ins Abwaschwasser zu greifen, gehören ins Antiquariat und sind im Aussterben begriffen. Wie wäre es denn, wenn frau angesichts dieser Zahlen einmal hinter die Kulissen guckte und sich selbst die Gretchenfrage stellte, wie frau es denn mit der Hilfe der Männer im Haushalt hält? Loben, zur Mitarbeit motivieren, Arbeitsteilung nicht nur stillschweigend erwarten, sondern deutlich aussprechen, was sie will und wie sie es will, Anerkennung geben - schafft frau das überhaupt noch? Und wenn nicht, nimmt es dann wirklich Wunder, daß Männer rasch mit der Zeitung aufs Klo verschwinden, bis die angebrannten Töpfe ausgekratzt sind? Männer, das faule Geschlecht? / Warum sie nicht 50% übernehmenMänner sollten grundsätzlich Familienarbeit in gleichem Umfang leisten wie Frauen, forderte die badenwürttembergische Familienministerin Brigitte Unger-Soyka (SPD) 1995 in Mannheim. Ein "Geschlechtervertrag" müsse her, stieß die Soziologin Elisabeth Beck-Gernsheim in dasselbe Horn. Immer weniger Personen fühlten sich heute für den häuslichen Bereich zuständig. Nur wenn alle Männer mit einbezogen würden, könne man "massiven Versorgungslücken" bei der Betreuung von Kindern und Alten entgegensteuern. Daß ein Gros der Väter aus beruflichen Gründen gar nicht in der Lage ist, einen Beitrag zur Hausarbeit im geforderten gleichen Umfang wie die Frau zu leisten, wird von den meinungsbildenden Politikerinnen wohlweislich ausgeklammert. Wie sollte dies einem voll erwerbstätigen Vater wohl gelingen? Rein zeitlich gesehen, wäre eine solche Vorstellung absurd. Auch daß die Mehrheit der Väter unmöglich einen Erziehungsurlaub antreten kann, wird undiskutiert unter den Teppich gekehrt. Die theoretische Möglichkeit allein wird für die Praxis genommen. Daß dies so nicht zutrifft, beweist nicht zuletzt das Beispiel Schwedens. Anders als in Deutschland, wo jeder Erziehungsurlaub beantragende Elternteil ein halbes Jahr lang monatlich 600 Mark und anschließend anderthalb weitere Jahre ein Erziehungsgeld erhält, dessen Höhe sich nach dem Familieneinkommen richtet und deshalb nicht selten entfällt, bezieht in Schweden jede/r Erziehungsurlauber/in nach der Geburt eines Kindes ein ganzes Jahr lang volle 90 Prozent des letzten Gehalts oder Lohns. Erfolg: Bereits jeder fünfte Vater war mindestens einmal schon Hausmann. Anstatt in Deutschland für beispielsweise schwedische Verhältnisse zu sorgen und darüber hinaus endlich ein Hausfrauengehalt einzuführen –das Frauen und Mütter erstens von jedermann unabhängig macht, zweitens den Beruf Hausfrau endlich in dem Maße aufwertet, den er verdient, und drittens dafür garantiert, daß verheiratete Männer und Väter nicht länger zu Geldeseln verkommen–, verlustiert sich die Riege der Power-Frauen mit Polemik. Frauen – käuflich, aber zu teuerJonas, 37 Jahre:Wenn ich heute für meine geschiedene Frau und meine mit ihr gezeugten Kinder Unterhalt bezahlen muß und dies per Richterspruch meine einzige Aufgabe als Erzeuger meiner Kinder und zeitweiliger Benutzer der Vagina meiner Frau bleibt, dann kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß ich eine Art Vergnügungssteuer bezahle. Eine Steuer - monatlich in bestimmter, einkommensabhängiger Höhe - für das per Ehevertrag rechtmäßige Vergnügen, es mit einer Frau getrieben und dabei ein oder mehrere Kinder gezeugt zu haben. So betrachtet, hat sich ja eigentlich an der Käuflichkeit der Frau seit den Zeiten von Asterix und Obelix nichts geändert. Neu ist lediglich die Inflation. Sie treibt den Preis so in die Höhe, daß er in keinem Verhältnis mehr zum Wert der Ware steht. Dumme VäterAus diesem Kapitel nur eine Sachinformation: Weil Frauen den Männern im Umgang mit Kindern nichts zutrauen, ist bei 89% der Frauen ein aktiver Vater nicht einmal erwünscht. Verängstigter MannSVENJA: Immer nur angucken, nie anfassenIch habe Friedrich in einer Kneipe kennengelernt. Ich war hineingegangen, um Zigaretten zu stechen. Er saß dort und war sturzbetrunken und hielt mich an, um zu fragen, ob ich ihn nach Hause bringen würde. Warum ich das tatsächlich getan habe, weiß ich selbst nicht so genau. Meine Art ist das jedenfalls nicht. Ich erfuhr dann nach und nach, daß er in Scheidung lebte und eine Tochter hatte. Ganz zuletzt erfuhr ich auch, daß seine Frau ihn beschuldigt hatte, sein Kind zu mißbrauchen. Zu dem Zeitpunkt hatte seine Frau ihre Verleumdung bereits eingestanden. Vorher, sagte Friedrich, hätte er mir das nie erzählen können, weil er Angst gehabt hätte, ich schmeiße ihn sofort raus. Nach einiger Zeit, als meine Kinder angefangen hatten, Friedrich in unserem Leben zu akzeptieren, versuchten sie beide, auch eine gewisse körperliche Nähe zu ihm herzustellen. Sie wollten sich schon mal an ihn kuscheln, wenn er auf dem Sofa saß und fernsah. Oder sie wollten beim Spazierengehen seine Hand. Oder sie nahmen ihn einfach mal so in den Arm, so spontan, wie Kinder eben sind. Er stand dann immer sofort vom Sofa auf und nahm den Sessel, so daß die Kinder allein sitzen mußten. Oder er steckte die Hände in die Hosentaschen, so daß sie ihn nicht anlangen konnten. Oder er schob die Kinder sofort von sich weg und machte dann ein Gesicht, daß sie glaubten, er sei wütend, obwohl er vielleicht unglücklich war. Daß das auch zwischen mir und Friedrich immer wieder ein Thema ist, ist ja klar. Ich begreife, daß er durch die Lügen seiner Frau einen furchtbaren Schock bekommen hat. Mir ist so etwas noch nie passiert, aber ich habe inzwischen schon sehr viel darüber gelesen. Und deshalb kann ich mir vorstellen, daß dieser Schock in Friedrich etwas zerstört hat. Er kann nicht mehr so richtig vertrauen und sich auch nicht mehr so ganz und gar auf einen anderen Menschen einlassen. Das ist wie eine Behinderung. Damit muß er nun leben. Aber damit muß auch jede und jeder leben, der ihn gern hat und seine Nähe will. Durch dieses Mißtrauen, das Friedrich niemals zugeben würde, kann er einfach nicht unbefangen mit meinen Kindern umgehen. Er hat ja ständig die Befürchtung, man - oder ich - könnte ihm etwas anhängen, und alles würde wieder von vorne losgehen. Wir haben erst ein-, zweimal über alles gesprochen. Ich würde gern öfter darüber reden. Es wäre eine Hilfe und Erleichterung für mich. Außerdem fühle ich auch, daß es Friedrich gut tun würde. Aber er wehrt jede Gelegenheit sofort ab. Er sagt, er hat das weggedrückt, und jetzt ist eine andere Zeit, und vorbei ist vorbei. Schach dem ScheidungsterrorEinseitige SchuldzuweisungIn den Augen von radikalen Frauenrechtlerinnen und deren Anhängerschar sind gesellschaftliche Defizite als Erklärung für den Niedergang der Familie nur Ausreden und Hilfsprogramme für Paare nur Kosmetik. Der wahre Schuldige an der Scheidungsmisere ist allein der unverbesserliche Patriarch, der längst enttarnte Faulenzer der Nation, der Mann und Vater. In seinem grenzenlosen Größenwahn habe er die Scheidungsquote noch immer nicht als Menetekel an der Wand verstanden. Auch sei er zu eitel, um die Verweigerung der Frauen als ausgebeuteter Opfer seines Männlichkeitskultes ernst zu nehmen. Wenn die Familie noch eine Chance haben solle, müsse jeder Mann endlich und notfalls unter Gewaltanwendung begreifen, daß die von ihm den Frauen aufgezwungene Gesellschaftsordnung nur ins Chaos führen könne. Im Gegensatz zu der verbreiteten Verklärung der Frau als friedliebende, bessere Alternative zu dem streitsüchtigen, kriegstreibenden Mann zeigt sich am Beispiel derartiger massiver weiblicher Schuldzuweisungen an den Mann, daß auch Frauen die fatale Eigenheit haben, sich Feindbilder zu schaffen, um gut von sich selbst denken zu können. Wer den modernen Amazonenkrieg aufmerksam mitverfolgt, muß sich fragen, ob das, was in schlimmen Zeiten die Juden waren beziehungsweise vielerorts die Asylanten, für Frauen von heute nun Männer sind. Neue Frauen braucht das LandEs kann einfach nicht sein, daß Familienkrisen vornehmlich deshalb entstehen, weil Männer nicht gern Hausmänner sind. Eine solche Behauptung geht an der Tatsache vorbei, daß sehr viele Frauen nicht gern Hausfrauen sind und noch mehr Frauen sich sogar schämen, Hausfrau zu sein. Und zwar sich deshalb dafür schämen, weil Hausfrauen nicht etwa von Männern, sondern speziell von erwerbstätigen Frauen abgewertet werden. Eine, die Nur-Hausfrau ist, wird von den meisten erwerbstätigen Frauen von oben herab angesehen. Erstens verdient "so eine" nichts und ist von ihrem Mann finanziell abhängig. Zweitens ist sie vermutlich bloß deshalb zu Hause geblieben, weil sie sowieso keinen Job bekommen hätte. Hat sie überhaupt eine Schulbildung und einen Beruf? So, wie die aussieht, würde sie doch niemals irgendwo eingestellt werden. Drittens verblödet angeblich jede Frau, wenn sie ständig nur Kindergeschrei und Nachbarschaftstratsch und als erweiterte Geräuschkulisse nur das Brummen von Staubsauger und Waschmaschine um die Ohren hat. Viertens kann eine, die so etwas wie Konkurrenzkampf höchstens aus Eifersucht auf die Geliebte ihres Mannes kennt, nicht mithalten, wenn andere vom Bürostreß oder von den Launen des Chefs reden. Schon gar nicht kann sie mithalten, wenn es um den letzten Modeschrei geht, nach dem sich jede erwerbstätige Frau selbstverständlich kleiden muß, weil sie es sich aus Karrieregründen nicht leisten kann, wie "das Mutti" mit bekleckerter Bluse, ausgewachsener Dauerwelle und schiefen Absätzen herumzulaufen. Fünftens ist eine Hausfrau nicht sexy. Die riecht statt nach französischem Parfum nach vollen Windeln und will nur ins Bett, weil sie müde ist. Wie frau einen Lover aufreißt und die heißesten Stellungen des Kamasutra auslotet, hat eine mit drei Kindern doch höchstens in einem vergangenen Leben gewußt. Vor dem Hintergrund dieser und ähnlich klingender Vorurteile und übler Sprüche von Frau zu Frau erstaunt es nicht, daß immer mehr Frauen keine Lust haben, ihr Leben als Nur-Hausfrau und Mutter zu fristen. Aufregender, spannender scheint ja das Leben einer Erwerbstätigen zu sein. Vor allem aber zählt es mehr in der Öffentlichkeit. Mit einem Job, mit einer vollen Lohntüte, einem satten Gehalt bist du wer, kannst mitreden, zählst. Daß Kinder zu gebären und großzuziehen mehr ist als ein weiterer Leistungsbeweis in einer Wettbewerbsgesellschaft, gehört für viele Frauen in die Mottenkiste der verstaubten Lebensweisheiten. "Jetzt habe ich alles genossen, aus dem Vollen gelebt, jetzt fehlt mir nur noch ein Kind. Dann habe ich alles erlebt, was du als Frau erleben kannst", sagte zum Beispiel Tanja, die ich in Regensburg kennenlernte. "Das Kinderzimmer, alles ist perfekt. Wenn das Kind da ist, haben wir schon eine Tagesmutter. Echt, ein Kind können wir uns jetzt locker leisten." Das Eingeständnis, aus der öffentlichen Anerkennung einer Erwerbstätigkeit außerhalb der häuslichen Szene mehr Befriedigung und Freude zu ziehen als aus der Erziehung der eigenen Kinder, scheint Frauen und Müttern als vermeintliches Armutszeugnis für ihre urweiblichen Qualitäten unaussprechlich zu sein. Dies ist ein Tabu, ein Archetypus der weiblichen Seele. Aller Emanzipation, allem Feminismus zum Trotz will keine Frau sich nachsagen lassen, eine der sprichwörtlichen Rabenmütter zu sein. Daß eine Mutter lieber an sich selber denkt als an ihre Kinder - welche Frau würde dies freiwillig und ohne Not von sich zugeben? Ein Gedanke drängt sich auf. Führen Frauenrechtlerinnen etwa deshalb ihre Angriffe gegen den Mann mit so erbitterten, unter die Gürtellinie zielenden Mitteln? Stellt die Methode, den Mann und den Vater generell als Sündenbock und Versager abzustempeln, nichts als ein Verdunkelungsmanöver dar? Sollte die Forderung, daß Männer zugunsten ihrer Familien die alten Zöpfe des Patriarchats abschneiden und neue Väter werden sollen, denen nichts über Frau und Kinder geht, nur ein geschickter Vertuschungsversuch dafür sein, daß die Frau ihren eigenen Idealen und Ansprüchen selbst nicht gerecht wird? |
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