Buchbesprechungen

"Isis, die Fürstin der Nacht"

Gemein, wie Sie mit unserer DDR verfahren

6. Januar 2004

Sehr geehrte Frau Jäckel,

da Sie im Vorwort Ihres Buches "Isis, die Fürstin der Nacht" angeboten haben, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen, möchte ich dies nutzen, um Ihnen meine Meinung zu diesem Buch zu sagen.

Ich lese sehr gern, gerade auch die Bücher aus der Serie Erfahrungen und auch über Sekten/Satanismus, weil dies für mich oft unvorstellbar und erschreckend ist. So fing ich auch Ihr Buch mit Interesse zu lesen an. Vieles kam mir von Anfang an sehr befremdlich vor, aber es geschehen ja viele Dinge um uns, von denen wir nichts ahnen und merken. Als ich aber zum Kapitel 11 kam, fing ich ernsthaft an der Glaubwürdigkeit der Geschichte zu zweifeln und als ich dann diese Sätze las:

"Unter normalen Umständen hätten meine Eltern wegen all meiner Krankheiten und späteren Fehlzeiten in der Schule mit den Vorschriften des Arbeiter- und Bauernstaates zur Kinderaufzucht kollidieren müssen. Selbst die Trinkmenge eines Flaschenkindes wurde ja mit strengen Vorgaben reguliert und kontrolliert. Wer diese Anweisungen bewusst missachtete oder Kinder hatte, die nicht im kollektiven Staatsmaß trinken oder essen wollten, musste mit üblen Zurechtweisungen und scharfen Kontrollen rechnen. Entsprachen gar Gewicht oder Kopfumfang trotz strengster Anleitung zur Einhaltung der Ernährungs- und Versorgungsvorschriften nicht dem befohlenen Einheitswert, war es bis zur staatlichen "Entelterung" nicht mehr weit. Das betreffende Kind wurde dann umgehend aus der privaten Familie herausgenommen und in die industrielle Familie, das heißt in eines der vielen Kinderheime verschickt, in denen die Aufzucht professionellen Kräften oblag…."
sträubten sich mir im wahrsten Sinne des Wortes die Nackenhaare. Ich bin ein Kind der DDR, das heißt in diesem Staat aufgewachsen und auch meine Kinder sind noch zu DDR-Zeiten geboren. Ich kann nur sagen, so behütet und umsorgt, wie gerade Kinder in dieser Zeit aufwachsen konnten, würde ich mir heute nur wünschen. Ihre von mir zitierten Sätze sind meines Erachtens nach der größte Quatsch, den ich seit langem gelesen habe und ich empfinde es gemein, wie mit unserer DDR-Vergangenheit umgegangen wird. Was war daran falsch, wenn den Kindern von Geburt an alle Impfungen verabreicht wurden, dies in den Mütterberatungsstellen kontrolliert wurde, wo sie auch gewogen und untersucht wurden und die jungen Mütter auftretende Fragen klären konnten. Man traf dort andere Mütter mit gleichaltrigen Kindern und konnte seine Erfahrungen austauschen. Es wurde doch kein Kind den Eltern entzogen, wenn es nicht zunahm oder ähnliches.

Ich kann nicht verstehen, wie sie so etwas schreiben können, ohne sich ein genaueres Bild über das Leben zu dieser Zeit zu machen und nur einer Person glauben, die ja scheinbar so geschädigt ist, das sie Fantasie und Wirklichkeit nicht mehr auseinander halten kann.

Auf jeden Fall bin ich der Meinung, dass es genau umgekehrt gewesen wäre. Ein derart misshandeltes, krankes, gestörtes Kind wäre in der Schule aufgefallen und sicherlich wären dann seitens des Systems, Schritte eingeleitet wurden, das heißt nähere Informationen eingeholt und "Isis" eventuell ihren Eltern entzogen wurden. Ist doch ein Widerspruch, ansonsten heißt es immer, die Stasi war überall und hat alles mitbekommen und hier kann eine ganze Sekte ihre Messen feiern, ohne das einer etwas merkt. Alles sehr merkwürdig.

Auf jeden Fall las ich von zitierter Stelle an das Buch noch aufmerksamer und bemerkte dann viele Widersprüchlichkeiten. Unvorstellbar für mich auch die Sache mit dem durch Inzucht gezeugten "Manne", hier die Stelle ….. in einem Kastenwagen weggekarrt wurde wie ein wildes Tier…." (S. 263) Ja lebten wir denn im Mittelalter, wo so mit Hexen verfahren wude?

Ich hoffe, ich bin Ihnen mit meiner Kritik nicht zu nahe getreten. Aber es ärgert mich, wenn viele Dinge über unsere DDR-Geschichte so verkehrt rübergebracht werden. Leute, die das Leben in der DDR nicht kannte, müssen doch sonst was glauben, was bei uns los war. Ich möchte zwar diese Zeiten nicht unbedingt zurück, bereue aber auch keinen Tag, den ich in dieser Zeit verbracht habe. Vielleicht finde auch ich mal die Zeit, meine Erfahrungen als Kind der DDR aufzuschreiben, wenigstens zur Erinnerung für meine Kinder und Enkelkinder.

Mit freundlichen Grüßen

K. G.

 

Karin Jäckels Antwort vom 20. 1. 2004
ISIS erste Antwort vom 20. 1. 2004
ISIS zweite Antwort vom 28. 1. 2004