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Leseprobe |
"Geistheilung -
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Berühmte Geistheiler des Altertums und deren Auswirkungen auf die ModerneDie Suche nach magischen Heilern im Altertum führt in die frühen Hochkulturen Ägyptens und Mesopotamiens. Dank der in beiden Ländern etwa im 3. Jahrhundert vor Christus entwickelten Schriftzeichen sind uns zahlreiche Zeugnisse aus jener Zeit erhalten. Das Wasser wurde für beide Völker zum Träger ihrer Hochkultur, indem es ihnen ein relativ sorgloses und üppiges Leben bescherte. Wie der Nil in Ägypten, garantierten die Ströme Euphrat und Tigris die Fruchtbarkeit des Landes in Mesopotamien. Trotz teils erheblicher Unterschiede in Kunstauffassung und Religion, wie auch im Staats- und Rechtswesen, entwickelten sich die Kulturen Ägyptens und des Zweistromlandes Mesopotamien ähnlich. Feuersteinfunde, Pfeilspitzen und Faustkeile beweisen, daß Ägypten lange Jahrtausende vor der Gründung der sogenannten l. Dynastie im Jahre 3000 vor Christus bereits bewohnt war. Der Nil füllte zu damaliger Zeit noch das gesamte Niltal aus. Erst zu Beginn der Jungsteinzeit erreichte der Nil sein heutiges Bett. Ackerbau und Viehzucht lösten in Ägypten die Lebensform des nomadisierenden Jägers und Sammlers ab. Töpfer- und Webkunst sowie die künstlerische Bearbeitung des Feuersteins erreichten höchste Vollendung. Die Epoche von 2850 bis 2190 vor Christus wurde das "Alte Reich" genannt. Die Cheopspyramide bei Gizeh ist eines der berühmtesten Überbleibsel jener Zeit. Jedoch erst zwischen 1570 bis etwa 1085 vor Christus erreichten Macht und Ansehen Ägyptens ihren Höhepunkt, ehe mit der Eroberung durch Alexander den Großen der Verfall kam. Bei Ausgrabungsarbeiten fiel einem Entdecker namens Edwin Smith eine uralte Schriftrolle in die Hände. Diese Schriftrolle wurde unter dem Namen "Papyrus Edwin Smith" berühmt. Dahinter verbirgt sich eine Art chirurgisches Lehrbuch, welches altägyptische Magier für sich selbst und ihre Nachfolger anlegten. Wir erfahren daraus zahlreiche Einzelheiten über die Heilkunst damaliger Zeit. Da gab es sowohl rein magische als auch magisch-religiöse und nicht zuletzt Heilmethoden, welche auf einem Lerneffekt beruhten. Das Grundprinzip der Heilkunst lag zunächst einmal darin, daß der Patient die freie Wahl der Mittel hatte. Das heißt, er konnte selbst entscheiden, ob er sich einem Arzt mit naturwissenschaftlichen Erfahrungen, einem Priester oder einem Magier anvertrauen wollte. In diesem Punkt sind uns die alten Ägypter bis heute überlegen, denn eine solche freie Wahl der Mittel gibt es bei uns von Gesetzes wegen nicht. Fragt sich nur, mit welchem Recht sich der Gesetzgeber der Neuzeit anmaßt, seine Bürger für unmündiger zu erklären, als dies selbst die Menschen vor dreitausend Jahren waren. Doch zurück zum Thema. Die Vielfalt religiös-magischer Heilverfahren der Antike war vom Glauben der Ägypter nicht zu trennen. Man glaubte an Götter, verehrte Tote. Götter wie auch Tote hatten Macht über den Menschen. Also war es wichtig, den Göttern zu huldigen und die Toten zu umhegen. Man denke hier nur an Pyramiden als Grabstätten, an die Kunst der Mumifizierung und an die unvorstellbaren Schätze als Grabbeigaben. Doch auch die Götter mußten ins tägliche Leben eingeschlossen werden. Tempel erhoben sich an den schönsten Punkten des Landes. In jedem Haus gab es einen Altar mit Öllampe. Ganze Gebetsrollen wurden bei Ausgrabungen gefunden, die auf einen wahren Reichtum an religiösen Betritualen schließen lassen. Im Krankheitsfall empfand der Mensch des alten Ägyptens diese enge Verbundenheit mit seinen Göttern und Toten als gestört beziehungsweise als sogar zerstört. Zur Strafe hatten die Schattenwesen Dämonen über den Menschen gesandt, welche seine Seele besetzten. Nur mit Hilfe von Zaubersprüchen und Beschwörungsritualen konnte es vielleicht gelingen, die Erzürnten zu besänftigen und die Dämonen auszutreiben. Diese Dämonen des alten Ägyptens blieben namenlos. Da sie "die Nase hinten und das Gesicht verkehrt herum" trugen, konnte niemand den Namen des Geistes herausfinden. Nur mit List und Tücke waren diese Namenlosen zu vertreiben. Niemand schien dafür besser geeignet als der Priester. Er wußte am besten, welche Gottheit für welches Einzelteil des menschlichen Körpers zuständig war. Die Einteilung des Körpers in mindestens sechsunddreißig Einzelteile geht aus einem Papyrus mit dem Titel "Zaubersprüche für Mutter und Kind" hervor. Bei allen Beschwörungsformeln war es wichtig, bestimmte Rituale zu beachten. Priester sollten dabei "einen Stab halten" und "in feines Leinen gekleidet sein". Auch mußten sie frisch gewaschen und rasiert sein. Vor allem aber durften sie eine gewisse Zeit vorher keinen Geschlechtsverkehr gehabt haben. Handauflegen, beschwörendes Armeaufheben und das Verleihen von Amuletten oder Talismanen sollten die Beschwörungsformeln unterstützen. Auch Knotenschnüre dienten diesem Zweck. Die magischen Zahlen Vier und Sieben wurden als Knoten geknüpft. Sie galten als Glücksbringer, die Krankheiten abwenden und Heilung bringen konnten. Eine Art inneres Amulett war die Einnahme einer Arznei. Diese bestand zumeist aus pflanzlichen Stoffen mit bekanntermaßen Heilwirkung sowie einem Trägermaterial wie Honig oder Knoblauch. Die Herstellung jener Arznei oblag einem Heilkundigen, welcher über in langen Jahren erworbene oder von einem Lehrer ererbte Kenntnisse verfügte. In ihm müssen wir einen Vorläufer unseres Apothekers und auch unseres Schulmediziners sehen. Am Hof des Pharao - gleich welchen Namens - lebte jederzeit eine Schar priesterlicher Zauberer, welche ihm mit Magie und Sterndeuten die Regierung erleichtern sollten. Unter ihnen gab es zwei mit Namen Jannes und Jambres, welche etwa zur Zeit des biblischen Mose für ihre Zeichen und Wunder berühmt waren. Die von ihnen ausgeübte Kunst wurde weit über die Landesgrenzen hinaus unter dem Begriff "Magie" berühmt und ging später als sogenannte ars magica in die Geschichte ein. Die Entwicklung Mesopotamiens, dem Zweistromland zwischen Tigris und Euphrat, ging in ähnlicher Weise voran wie in Ägypten. Um 3000 vor Christus war das Land von dem Volk der Sumerer bewohnt, deren Herkunft und Abstammung bis heute ungeklärt ist. Gewiß ist allerdings die ungewöhnlich hoch stehende Kultur der Sumerer. Schon früh entwickelten sie Schriftzeichen, welche sich nach Silben ordneten. Für jede Silbe gab es somit ein eigenes Zeichen, so daß eine Art Silbenalphabet entstand. Mit Hilfe eines Griffels wurden diese Zeichen in Tontafeln geritzt. Dieselben brannte man oder ließ sie an der Luft trocknen. Eine der größten und machtvollsten Städte im alten Mesopotamien war die Stadt Ur im Mündungsgebiet des Euphrat. Anderthalb Jahrhunderte währte die Machtposition der Stadt, bis sie schließlich dem Ansturm der Akkader aus dem Zagros-Gebirge unterlag. Aus Ur kommen die meisten Überlieferungen Mesopotamiens. Ausgrabungen brachten sie zutage. Vieles aus mesopotamischem Erbe hat sich bis heute im Gedankengut unserer Zeit erhalten. Zum Beispiel die Siebentagewoche, juristische Grundsätze, astronomische Erkenntnisse und die Zahleneinheit 60. Noch immer hat ja die Stunde 60 Minuten, die Minute 60 Sekunden, wird der Kreis in 6mal 60 Gradeinheiten unterteilt. Der weitaus größte Teil heutiger Kenntnisse mesopotamischen Wissens beruht auf der Entzifferung von Tontafeln, welche bei zahlreichen Ausgrabungen gefunden wurden. Dem umfangreichsten Fundgebiet entstammt eine einzigartige Bibliothek, welche von König Assurbanipal zwischen 668 und 626 vor Christus in seiner prächtigen Hauptstadt Ninive angelegt wurde. Für unser Thema sind die Überlieferungen der Heilkunde von größter Bedeutung. Diese Heilkunde lebte aus ihrer magisch-religiösen Grundidee heraus. Priester beobachteten von den höchsten Türmen des Landes aus den Sternenhimmel. Aus dem Lauf der Gestirne, aus Mond- und Sonnenfinsternissen oder dem Erscheinen von Kometen lasen sie die Absichten ihrer Götter heraus, Krankheiten, Seuchen oder Kriege zu senden. Die später aus diesen Anfängen der Sterndeuterei entstandenen Astrologielehren verbreiteten darüber hinaus den Trugschluß, auch das einzelne Menschenschicksal sei abhängig vom Stand der Gestirne am Tag seiner Geburt. Wie langlebig dieser dem alten Mesopotamien entstammende Aberglaube ist, ersehen wir täglich aus den Horoskopspalten der modernen Regenbogenpresse sowie einschlägigen Rundfunk- und Fernsehserien oder dem Buchmarkt. Nicht nur die Sterne gaben den Priestern Mesopotamiens Aufschluss über Krankheiten und Tod. Auch die Innereien von Opfertieren ließen dergleichen Rückschlüsse zu. Vornehmlich die sogenannte Leberbeschau galt als aussagefähig, wie wir aus den Tontafeln König Assurbanipals erfahren. Kamen nun zu den Vorzeichen von Sternen und Innereienschau noch Ereignisse hinzu, welche dem heilkundigen Priester auf dem Weg zum Haus der Kranken widerfuhren, war die Diagnose seiner Krankheit komplett. Auf den Tontafeln der Bibliothek König Assurbanipals wurde eine Art Lehrbuch über die Bedeutung dergleichen Ereignisse am Wege gefunden. Darin ist zum Beispiel von einem schwarzen Hund als Todesboten die Rede, von einem Genesung bringenden weißen Schwein, von einer Taube, welche die Seele des Toten mit sich nimmt, von einer Schlange oder einem Skorpion, welche Gesundheit verheißen. Immer aber galt Erkrankung als Zeichen einer Sünde, mit der sich der Kranke beladen haben musste. Nicht ohne tieferen Sinn bedeutet das assyrische Wort für Krankheit (shertu) zugleich Leiden und Sünde. Die Götter straften den Menschen, der ihnen nicht diente oder durch eine sündhafte Handlung die Missachtung göttlicher Befehle bewies, mit Krankheit. Die mesopotamischen Heilpriester sahen daher keinen Anreiz in der Heilung einer Krankheit mittels einer Medizin im heutigen Wortverständnis. Nur Magie konnte helfen, denn nur mit den Mitteln der Magie gelang es, Kontakt zu den Göttern aufzunehmen. Schutzherr aller Heilpriester im sumerischen Mesopotamien war Ea, oberster Heilgott, zugleich Gott der Gewässer und der Weisheit. Sein Sohn Marduk galt sowohl als ein dem Meer entstiegender Sonnengott wie auch als Herrscher über alle Dämonen und Geister. Dem Sohn Marduks und Enkels Eas wiederum, Nabu, wurde allergrößte Verehrung als Begründer der Wissenschaften und der Schulmedizin gezollt. Ihm war ein Tempel in Borsippa geweiht, dem eine Schule für Heilpriester unterstand. Zu diesen drei obersten Heilgöttern gesellte sich eine Vielzahl weniger bedeutender Nebengötter. Gula zum Beispiel, die Göttin der Heilkräuter und Gifte, heilte Kranke durch Handauflegen und war zugleich bekannt für die Kunst, Tote zu erwecken. Die von den Göttern ausgesandten Krankheiten bemächtigten sich des Menschen in Dämonengestalt. Die Berührung eines Kranken war darum in rein geistigem Sinne bedrohlich, denn Dämonen wurde eine ungeheure Strahlkraft zugeschrieben. Nur der Magier galt als stark und mächtig genug, der Kraft der Dämonen zu widerstehen. Die Hauptaufgabe des mesopotamischen Heilpriesters war es, die Art der Krankheit beziehungsweise die Art des Krankheit auslösenden Dämons zu erkennen. Da gab es Geister von Toten, die einen neuen Körper suchten. Oder die Gruppe von Dämonen, welche von einem menschlichen Vater und einer Dämonenmutter abstammten oder umgekehrt. Eine weitere Art Dämonen waren die echten Teufel. Ursprünglich Göttergestalten, taten sie nun mehr Böses und wurden aus dem Himmel der Götter verbannt. Auch die Geister der sogenannten Bösen Sieben wurden gefürchtet, welche als Drachen oder Wirbelstürme aufzutreten pflegten oder aber arglose Wanderer überfielen. Henry E. Sigerist schreibt in seinem Buch über die Anfänge der Medizin, daß der Vorzeichen- oder Aberglaube nicht grundsätzlich ohne echten, greifbaren Hintersinn ist. So erwähnt er die Beobachtung, daß eine Katze stets auf dem Ohr schlafe, wenn der Luftdruck gefallen sei. Rückschlüsse daraus etwa auf Kreislaufprobleme eines Patienten sind also durchaus logisch und berechtigt. Zugleich aber sind sie dem Patienten selbst absolut geheimnisvoll und nicht zu ergründen. Die Behandlungsmethoden der Heilpriester setzten voraus, daß der Kranke sein sündhaftes Verhalten erkannte, bereute und sühnte. Die in seinem Körper eingenisteten Dämonen mußten mit Beschwörungsformeln ausgetrieben werden. Bei Kopfschmerz beispielsweise wurde ein Schweinekopf geopfert. Ein Schweinebauch war angebracht, wenn der Patient an Leibschmerzen litt. Behandlungsmethoden dieser Art werden unter dem Oberbegriff der "sympathischen Magie" geführt. Um "imitierende Magie" hingegen handelte es sich, wenn der Heilpriester Nachbildungen der den Kranken quälenden Dämonen formte und verbrannte. Eine der wichtigsten und unverzichtbarsten Heilanwendungen war jedoch das Handauflegen. Die Berührung des Kranken sollte diesem magische Kraft vermitteln, wobei dem Heilpriester ein gütiger Geist oder auch Schutzgeist zur Seite stehen sollte. Mehr und mehr gewann neben den rein magischen Methoden die Anwendung von Heilkräutern, Pflanzenwickeln und Aderlässen Bedeutung. Der Heilpriester bekam Konkurrenz durch den Priesterarzt, welcher im Laufe der Zeit gänzlich auf sein Priesteramt verzichtete. Wie bedeutsam und gefährlich zugleich der Beruf des Heilpriesters war, geht aus Tontafeln hervor, welche aus der Zeit des Königs Hammurabi um 1600 vor Christus in Babylon stammen. Nicht selten mußte ein Chirurg einen Kunstfehler mit dem eigenen Leben bezahlen oder ein hohes Schmerzensgeld begleichen. Selbst die Hebamme oder Ziehmutter eines Neugeborenen lebte gefährlich. Ihr drohte der Verlust beider Brüste, falls sie sich beispielsweise der Kindsunterschiebung schuldig machte oder ein Baby durch ihr Versagen tot geboren wurde. Von besonderer Bedeutung in der mesopotamischen Heilkunde war die Gestalt der Schlange. In ihr vereinigte sich die Heilwirkung mit der Todesdrohung. Beides lag in ihrem Gift beschlossen. So darf es nicht wundern, daß dieses Tier schon sehr früh als Symbol des Arztberufes angesehen wurde. Ein äußerst bemerkenswerter Fund aus dem Jahre 2000 vor Christus zeigt eine mesopotamische Vase mit Abbildungen ärztlicher Gebrauchsgegenstände. Zwischen Wundnadeln, Salbentiegeln und Mörsern befinden sich zwei Schlangen, welche sich um einen Stab ringeln. Der Stab ist uns bereits aus der Betrachtung des altägyptischen Heilpriesters her vertraut. Wie wir wissen, gehörte er zur ausdrücklich notwendigen Ausstattung eines jeden Heilpriesters dazu. Daß sich zwei Schlangen um diesen Stab winden, erklärt sich aus der Doppelwirkung des Schlangengiftes zum einen als Heilmittel, zum anderen als tödliches Gift. Das Symbol der um einen Stab geringelten Schlange erhielt seine bis heute gültige Bedeutung als medizinisches Zeichen in der griechischen Götterwelt. Seit etwa 420 vor Christus wurde in Athen der Wunderarzt Asklepios verehrt, besser bekannt unter dem Namen "Äskulap". Als Sohn des Lichtgottes Apollon und der sterblichen Jungfrau Koronis wurde Asklepios auf recht gewaltsame Weise gezeugt und geboren. Der Sage nach hatte Apollon sich in Koronis verliebt, welche bereits verlobt war. Koronis wurde von Apollon schwanger, löste ihre weltliche Verlobung jedoch nicht auf. Ein weißer Vogel überbrachte Apollon die Nachricht von der bevorstehenden Hochzeit seiner Geliebten. Blind vor Eifersucht strafte Apollon zunächst den Vogel als Überbringer der Unglücksbotschaft mit einem schwarzen Federkleid. Sodann tötete er mit seinen Pfeilen den Bräutigam der Koronis. Artemis, die Schwester des Apollon, ermordete Koronis. Apollon blieb nichts anderes zu tun, als sein noch ungeborenes Kind aus dem Leib der sterbenden Mutter zu heben. Er brachte das Baby zu Cheiron, einem Halbgott mit Centaurengestalt, welcher halb Mensch und halb Roß war. Von Cheiron berichtet die Sage, daß er ein kundiger Naturliebhaber und Lehrer war. So wußte er mit dem Chirurgenmesser umzugehen und Wunderheilungen mittels Zaubersprüchen zu erwirken, Cheiron wurde also der Ziehvater und Lehrer des Knaben Asklepios, welcher sich als ungewöhnlich gelehrig erwies und sein Vorbild bald schon an Kunstfertigkeit übertraf. Der Name des Asklepios wird auf ein griechisches Wort für "Maulwurf" zurückgeführt. Diese Verbindung erklärt sich aus der legendären Lebensweise des Heilgottes. Wie es heißt, lebte dieser unterirdisch in geheimnisvollen Höhlengängen wie ein Maulwurf. Die Magier des Altertums hielten überdies den Maulwurf für einen Dämon mit magischer Kraft. Wer ein noch schlagendes Maurwurfsherz verzehrte, so hieß es, der könne weissagen. Wer aber einen Maulwurf in der Hand zu töten imstande sei, habe künftig die Kraft des Heilens durch Handauflegen. Pulver aus Blut und Teilen des Maulwurfskörpers galten als hochwirksames Medikament. In berühmten Dichtungen und Siegesgesängen wurde Asklepios als "sanfter Meister gliedererquickender Schmerzstillung" besungen, welcher tatsächlich gelebt habe. Schon zu Lebzeiten heilte er Kranke oftmals allein durch Zauber oder Magie. Auch von Totenerweckungen ist die Rede. Nach Berichten des Altertums kann man mindestens zehn Totenerweckungen als bewiesen ansehen. Die Legende berichtet, eben diese Totenerweckungen mißfielen dem Göttervater Zeus so sehr, daß er Asklepios durch einen Blitzstrahl erschlug. Zugleich aber verlieh er ihm einen Platz in der Götterschar, wo er künftig seine Wundermacht zum Wohl der Menschen gebrauchte, ohne indes wieder Tote zu erwecken. Der berühmteste Wallfahrtsort der Antike, Epidauros, hängt eng mit dem Wunderheiler Asklepios zusammen. Von dieser Kultstätte aus breitete sich die Verehrung des Gottes über ganz Griechenland, Kleinasien und das griechisch-römische Reich aus. Wer den heiligen Klosterbereich von Epidauros betrat, erblickte eine aus Gold und Elfenbein angefertigte Statue des Heilgottes Asklepios mit seinem Schlangenstab und einem Hund zu seinen Füßen. Vor dem Tempel befand sich ein aus weißem Marmor errichteter Rundbau, welcher als sogenannter Tholos berühmt wurde. Die Wände des Tholos´ schmückten Symbolbilder, von welchen magische Wirkungen ausgingen. Inmitten des Tholos' aber sprudelte eine Heilquelle. Keineswegs darf man annehmen, daß diese Heilquelle die einzige Griechenlands gewesen wäre. Im Gegenteil. Die alten Sagen und Legenden berichten von zahllosen Wunderwassern, deren Heilwirkung entweder durch einen guten Geist bewirkt oder durch den Willen Gottes geschaffen worden war. Auch das Wasser der Heilquelle im Tholos des Wunderheilers Asklepios diente dazu, die durch den Geist erfahrene Heilung zu unterstützen, mehr noch jedoch zu dem einen Zweck, sich vor dem Beginn einer Heilbehandlung innerlich und äußerlich zu reinigen. Die Heilbehandlung selbst erfolgte in einer Halle, welche sich unweit des Tholos' erhob. "Rein muß er sein, der den wohlriechenden Tempel betritt; Reinheit bedeutet, nur heilige Gedanken denken!" Dieser Spruch über dem Tempeleingang empfing den Eintretenden auf der Schwelle. Wer lesen konnte, wußte sogleich, was von ihm als Vorbedingung zur Heilung erwartet wurde. Zusätzlich zur inneren Reinheit trat jedoch die äußere in Form eines Bades und eines frischen Gewandes, womit Priester des Asklepios den Kranken empfingen. Erst jetzt, im Zustand innerer und äußerer Reinheit, durfte der Kranke den heiligen Innenbereich des Tholos' betreten, wo ihn der Anblick zahlreicher Götterstatuen, Gemälde und Votivtafeln bestürmte. War die innere Einstimmung auf ein Wunder solcherart vorbereitet, begleitete man den Kranken in die Wunderhalle. Hier ließ er sich auf ein Lager nieder und wartete auf Asklepios. Nach einiger Zeit schlief der Kranke auf seinem Lager ein. Im Traum erschien ihm Asklepios mit Schlange und Hund, oft begleitet von seiner Tochter Hygieia. Sanft legte er dem Kranken seine Hand auf und sprach ihn gütig an. Sodann leckte der Hund die Wunden oder schmerzenden Körperteile des Kranken, während Asklepios selbst die eine oder andere Anwendung vornahm. Am Ende stand immer der Befehl des Heilgottes an den Kranken, seine Krankheit zu überwinden und sich zu erheben. Am nächsten Morgen, sobald der Kranke erwachte, war das Wunder der Heilung eingetreten. Das heißt, vorbehaltlich des Willens des Wundergottes. Nur wenn dieser beschlossen hatte, die flehentlichen Bitten des Kranken zu erhören, konnte eine Heilung eintreten. Viele Kranke kehrten indessen nicht geheilt und tief verzweifelt in ihre Heimat zurück. Eine Statistik der Wunderheilungen in Epidauros belegt, daß überwiegend Krankheiten wie Blind- und Taubheit, Lähmungen und Nervenschäden geheilt wurden. Als Lohn für seine Dienste erwartete Asklepios freiwillige Opfergaben. Hier kam es ihm nicht so sehr auf die Höhe oder den Wert der Gabe an, sondern auf das Bemühen des Gebers um das ihm Bestmögliche. Eine bunte Reihe Legenden rankt sich um die Spendefreudigkeit der Patienten von Asklepios. Eine von ihnen erzählt von der Heilung zweier Männer mit Muttermalen. Einer der Männer wurde geheilt, indem ihm Asklepios eine Binde auflegte. Nach der Heilung legte jener Mann die Binde als Opfergabe in der Heilungshalle nieder, damit andere aus ihrem Anblick Mut und Hoffnung für sich selbst schöpfen konnten. Der zweite Mann sollte nun die eigentliche Opfergabe für den Geheilten bezahlen. Statt zu gehorchen, steckte er jedoch das vereinbarte Geld in die eigene Tasche. Als die Reihe, geheilt zu werden, nun an ihn kam, legte Asklepios ihm, erzürnt über den Betrug, die Binde des zuvor geheilten Mannes auf. Das Ende vom Lied: Der Betrüger ging mit zwei Muttermalen statt seines ursprünglich nur einen nach Hause. Wie heute noch beispielsweise in Lourdes, hing "der Himmel" im Epidauros voll Krücken, nachgebildeter innerer Organe und Gliedmaßen. Die Priesterärzte des Asklepios hatten nichts gegen diese Votivgaben einzuwenden. Im Gegenteil, schufen diese Votivopfer doch für alle Hilfesuchenden die Illusion, selbst auch geheilt werden zu können, wenn man nur reinen Sinnes, gläubig und hinterher nicht knausrig wäre. Bei unbedeutenderen Erkrankungen nahmen sich die Priesterärzte des Asklepios immer öfter die Freiheit, selbst zu heilen. So flüsterten sie während des Heilschlafes den Kranken gewisse Diätvorschriften oder Verhaltensmaßregeln zu. Wenn dann wider Erwarten der Kranke als nicht geheilt aus dem Behandlungsschlaf erwachte, so erinnerte er sich doch zumindest der Einflüsterungen der Priesterärzte und nahm deren Rat als den des Asklepios in völliger Dankbarkeit und Zufriedenheit an. Allmählich wurden die Aufenthaltsräume des Epidauros auf diese Weise zu echten Behandlungsstätten, wo dem Heilungssuchenden mit verstandesmäßig erfaßbaren Mitteln geholfen wurde. Die rein magisch-religiöse Geistheilung der Anfangszeiten hatte nun auch hier Beistand durch die Vorläufer der heutigen Schulmedizin bekommen. Ähnlich wie der griechische Heilgott Asklepios oder Äskulap, stand die Göttin Isis im Ruf, eine allmächtige Geist- und Wunderheilerin zu sein. Ausgehend von Alexandria, verbreitete sich ihr Kult über den gesamten Mittelmeerraum und weit darüber hinaus. Ihre Verehrung kann durchaus verglichen werden mit der intensiven Huldigung, welche die Mutter Jesu namentlich in romanischen Ländern bis in unsere Tage erfährt. Isis als Allmutter, als Königin über alles Land, als Wogenbeherrscherin, Totenerweckerin und Heilung Spendende war die erklärte Lieblingsgöttin des Römerreiches. Schuld und Sünde galten vor ihr als alleinige Ursache einer Krankheit. Erste Vorausbedingung zur Heilung war es mithin, diese Schuld oder Sünde zu büßen. Sühneopfer der Isis waren schwer und hart zu erfüllen. Der Dichter und Philosoph Ovid beschreibt einmal, daß die Göttin einem schuldüberladenen Kranken auferlegte, auf den Knien das gesamte Marsfeld in Rom zu durchkriechen. Die mit einer Tonsur versehenen Isispriester heilten im Namen ihrer Göttin durch Handauflegen und Dämonenbeschwörungen. Die silberne Wunderschlange im Isistempel auf dem Marsfeld in Rom genoß allerorts tiefste Verehrung. In ihr sah man die Person der Isis verkörpert. So wie man den Heilgott Asklepios einst in der Gestalt einer Schlange nach Rom kommen wähnte, um dort die Pest zu bekämpfen, schien sich auch die Göttin Isis des doppelzüngigen Tieres zu bedienen. Doch nicht nur Ägypten, Mesopotamien, Griechenland und Rom hatten ihre Magier und Wunderheiler in Gottesgestalt. Auch unsere Bibel weiß davon zu sagen. Das Amt der Wunderheiler scheint in alter Zeit erblich gewesen zu sein. Seher und Propheten übten ihren Beruf so selbstverständlich aus wie ein Handwerker. Magie und deren Einsatz neben dem religiösen Glauben galt als berechtigt, sogar als himmlisch beschützt. Nicht selten heißt es, Engel seien Lehrmeister der Magier gewesen. Im Alten Testament werden die Magier in echte Propheten und Scharlatane unterteilt. Erstere als von Gottes Geist Erleuchtete, letztere als Betrüger mit dem Beinamen Kosem (Jesaia, Kapitel 3, Vers 2). Einer der berühmtesten Kosem nach Jesu Auferstehung war Simon Magus aus Samaria. Die Samariter verehrten ihn wegen seiner großen Zauberkunst, deren Grundlagen er bei den Heilpriestern Ägyptens erlernt hatte. Als eines Tages die missionierenden Apostel Jesu nach Samaria kamen, um die dort noch nicht bekehrten Juden in das Geheimnis um den Geist Gottes einzuweihen, stieß auch Simon Magus zu ihnen. Die Sendkraft der Apostel Petrus und Johannes beeindruckte ihn so sehr, daß er bat, auch ihm möge diese Kunst des Wundertuns verraten werden. Er erklärte, damit sei eine Menge Geld zu verdienen. Die Apostel schalten Simon Magus heftig aus und beschworen Gottes Strafgericht auf ihn herab. Die "Tücke" seines Herzens und seine Geldgier stempelten ihn in den Augen der Apostel zu einem, dessen "Herz nicht rechtschaffen vor Gott" sei. Die Wundertaten des Simon Magus bestanden überwiegend aus Kunststückchen auf der Grundlage der Massenhypnose und des Massenbetruges mit Hilfe von Fingerfertigkeit und Gaunerei. So behauptete er beispielsweise, die Seele eines Kindes von dessen Leib trennen zu können. Er verwandelte sich vor den Augen der Zuschauer in ein Tier, öffnete verschlossene Türen oder flog mit Hilfe von Dämonen durch die Luft davon. Selbst Statuen sollen unter seinen Händen lebendig geworden sein, geschwitzt oder Tränen vergossen haben. Die rasch ausgreifende Lehre des Christentums, welche die Kosem als vom Teufel gelenkte Verlorene verpönte, trieb Simon Magus schließlich nach Rom. Kaiser Claudius nahm den berühmten Zauberer nur zu gern bei sich auf. Einer der Schüler des Simon Magus in Rom wurde ein Mann namens Cyprianus, welcher sich selbst als Nachfolger des Altmeisters empfand. Mit Stolz verkündete er der erschauernden! Menge seine enge Verbundenheit mit der Macht des Bösen und seiner Dämonen. Er habe vermocht, hieß es in alten Berichten, sich der Unterstützung aller bösen Geister zu versichern. Seine Kraft habe nur aus deren Kraft hergerührt. Zum Beweis wälzte Cyprianus sich durch offenes Feuer, ließ Geistergestalten erscheinen und verschwinden, verwandelte sich in beliebige Tiere oder schlief wie ein Fakir auf Nägeln. Alle Kenntnisse, sagte er, habe er aus Büchern des Teufels, welche die geheime "höhere Weisheit" der Götter lehrten. Wunderheilungen vollbrachten indessen weder Simon Magus selbst noch sein Schüler Cyprianus. Die Spaltung der Heilkunde in zwei Lager ging Hand ins Hand einher mit dem Wunsch, die Geheimnisse des Lebens immer besser zu erkunden, Die Heilkraft der Hand wurde zwar zunächst nicht angezweifelt, doch nannten schon die alten Römer den Zeigefinger "medicus", also den Heiler, und den Mittelfinger "professor", das ist der, der die Wahrheit sucht. Die Forschung namentlich auf dem Gebiet der Heilkunde setzte sich in steigendem Maße durch. Eine der berühmtesten Geistheilerpersönlichkeiten und zugleich Verfasserin bis heute bewunderter medizinischer Bücher : war die heilige Hildegard von Bingen, welche von 1098 bis 1179 lebte. Geboren im Schloß Böckelheim an der Nahe, war Hildegard von Bingen ein schwächliches Kind mit zeitlebens erheblichen Nervenleiden. Schon in frühester Jugend erfuhr sie erste Visionen religiösen Inhalts. Mit fünfzehn Jahren trat sie in den Orden der Benediktinerinnen ein. Im Jahre 1136 wurde sie zur Äbtissin des Klosters auf dem Disibodenberg, welches elf Jahre später auf den Rupertsberg bei Bingen verlegt wurde. Anlaß dieser Verlegung war der Ansturm künftiger Nonnen, welche der Ruf der Hildegard von Hingen anzog. Mit 42 Jahren offenbarte sich Hildegard von Bingen der Heilige Geist in einer Lichtgestalt. Gleichzeitig erhielt sie den genauen Befehl "Schreib auf, was du siehst und hörst! Tu kund die Wunder, die du erfahren! Schreibe sie auf und sprich!" Hildegard von Bingen gehorchte. Dies fiel ihr um so leichter, als sie von Krankheiten heimgesucht wurde, sobald sie einmal versuchte, sich dem göttlichen Schreibauftrag zu entziehen. Zwischen 1150 und 1157 entstanden so unter anderem zwei medizinische Bücher der heiligen Hildegard. Das erste mit dem lateinischen Titel "Physica" beschäftigte sich mit Wesen und Erscheinungsformen von Krankheiten aller Art. Das zweite mit dem lateinischen Titel "Causae et curae" setzt sich mit Ursachen und Heilungsmöglichkeiten dieser Krankheiten auseinander. Nach der Überlieferung war Hildegard von Bingen in ihrer Zeit als Äbtissin zugleich auch als Ärztin tätig. Ihre Klosterapotheke und ihr Würzgärtlein sollen mustergültig gewesen sein und von einer bis dahin noch nie gekannten Fülle verschiedener Pflanzenarten. Dennoch aber heilte Hildegard von Bingen nur durch Wundermacht. Die von ihr verabreichten Medikamente waren Beiwerk und von minderer Bedeutung, obwohl sie ausschließlich auf göttliche Anweisungen hin zusammengestellt worden waren. Gott war der eigentliche Helfer im Wirken der Hildegard von Bingen. Indem er seiner "Federführerin" diktierte, verfaßte diese in seinem Auftrag ein himmlisches Medizinprogramm. Heilungen nach Anweisungen aus den Schriften der Hildegard von Bingen waren demnach Geistheilungen im Sinne und nach dem Willen Gottes. Erst in jüngster Vergangenheit fanden die Werke der Hildegard von Bingen neue Beachtung. Hier erwarb sich namentlich der Wiener Physiker Dr. Otto Maresch mit seinen ungewöhnlichen Forschungsarbeiten zum Thema Heilung durch Mikrowellen großes Verdienst. Seine Forschungsarbeiten auf der Basis modernster Meßtechniken erbrachten den Beweis für den heilkundlichen Wert der Rezepturen Hildegards von Bingen. Doch zurück zum Mittelalter! Trotz aller medizinischen Fortschritte und naturwissenschaftlichen Erkenntnisse beispielsweise eines Albertus Magnus behielt das magisch-religiöse Gedankengut seine Bedeutung für die Heilkunde. Als Beispiel wollen wir uns dem berühmten Arzt Theophrastus Bombastus Paracelsus von Hohenheim zuwenden (1493 bis 1541), welcher unter dem Kurznamen Paracelsus Medizingeschichte machte. Er zog als Wanderarzt durch die Lande und strebte mit zahlreichen Vorträgen eine grundlegende Reform der Medizin an. Seiner Idee zufolge ist der Mensch in seiner Körperhaftigkeit das Spiegelbild der Welt im kleinen. Das heißt, wie die Weltkugel vom All umgeben ist, sah Paracelsus den jedermann sichtbaren und greifbaren Leib des Menschen von einem unsichtbaren Kräftefeld umgeben. Dieser Kräfteleib stand für Paracelsus in direkter Verbindung mit dem All. Letzteres wiederum war nach seiner Theorie von einer ungeheuer starken Magnetkraft erfüllt, welche sich dem Kräfteleib des Menschen mitteilte. Aufgrund der Wechselwirkung zwischen Magnetfeldern kam Paracelsus zu dem Schluß, es finde nicht nur ein Dauerkontakt zwischen Mensch und All statt. Auch zwischen Mensch und Mensch wollte er eine derartige Kräftewirkung erkennen. Als höchste Vollendung seiner Theorie stellte Paracelsus schließlich die Behauptung in den Raum, ein menschlicher Wille sei imstande, einen anderen Willen mittels Magnetkraft zu bekämpfen und auch zu besiegen, Mit dieser Idee von der Wirkung der Magnetkraft eng gekoppelt war für Paracelsus die Anwendung der Heilkunde. Sein Ruf als Wunder- und Geistheiler ist vor allem in seiner Arbeit als Magnetiseur begründet. Das Grundprinzip des paracelsischen Geistheilens erschließt sich aus der Auffassung, jede Krankheit sei durch ihr Spiegelbild zu heilen. Was heißt das? Nach Paracelsus erscheint Krankheit in der Natur zweimal. Erstens im menschlichen Organismus, zweitens in der Arznei. Die Krankheit ist Arznei nach innen gewendet; das "umbewenden gibt der Artzt". Notwendigste Folge dieser Theorie war ein Umbenennen jeder Krankheit nach der heilfähigen Arznei. Trotz aller Bemühungen des Paracelsus blieb dies jedoch ein völlig fruchtloses Unterfangen, denn die Zeitgenossen sahen die Berechtigung solcher Forderungen keineswegs ein. Die meisten hielten den Berufskollegen für einen gefährlichen Spinner, dessen Erfolge ihnen nicht einleuchten wollten. Was für die Arzneimittellehre galt, hatte bei Paracelsus ebenso Gültigkeit in der Geistheilung. Im Magnetismus empfand er den Behandler, also den Geistheiler, als Ebenbild des Kranken. Indem der Geistheiler die magnetische Kraft des eigenen gesunden Organs durch Handauflegen oder Handstreichungen auf das entsprechende kranke Organ des Patienten überträgt, erfolgt - laut Paracelsus - Heilung. Bis heute sind Leben und Heilmethoden des Paracelsus heftig umstritten. Dennoch wurde beides von zahlreichen Menschen anerkannt und angenommen, welche ihre Kraft in den Dienst der Mitmenschen stellten. Schlußfolgernd aus allen vorangegangenen Betrachtungen können wir sagen, daß der Geistheiler und Magier, wie auch der Kosem, der Betrüger, zu allen Zeiten bekannt waren. Mit gläubiger Erwartung trat ihnen der Kranke entgegen. Durch eine im Geistheiler wirksame Geist-Kraft wurde dem Kranken geholfen. Immer schon war Heilung ein Gotteswunder. Ebenso wie Krankheit als eine Folge von sündhaftem Verhalten gegenüber Gott verstanden wurde. Die Seele als Urquelle der Krankheit war dem Menschen von Anbeginn an vertraut. Wenn er an Heilung dachte, dachte er zugleich auch an Sünde und Reue gegenüber seinem Gott. Erst im Laufe der Zeit wandelte sich dieses Grundverständnis von Krankheit und Heilung. Der Mensch begann, sich in den Stand zu setzen, selbst zu heilen. Je gründlicher es ihm gelang, sich der Naturgaben der Welt zu bedienen und mit ihrer Hilfe zu heilen, desto gründlicher vergaß er auch, Gott als Ursache und Wirkung aller Dinge zu achten. Vieles, was uns die Bibel lehrt, wußten schon die Menschen, die dreitausend und mehr Jahre vor Christi Geburt lebten. Auch der Glaube an Götter, an Engel und böse Dämonen ist älter als Jesu Wort. Neu ist hingegen die Verkündigung des einen Gottes für alle, welche Jesus überbrachte. Und neu ist auch die von allem Drumherum losgelöste Art, in welcher Jesus seine Wunder verführt. Wo der altägyptische, der mesopotamische, der griechische oder römische Priesterarzt oder Wundergott einen gewissen Zauber braucht, um den Kranken einzustimmen und selbst als Kraftempfänger bereit zu werden, ist Jesus sich selbst genug. Wenn er heilt, geschieht dies in aller Ruhe, ohne jede Vorbereitung, es sei denn einer kurzen gedanklichen Einstimmung oder eines knappen Gebetes. Er bedarf keiner Heilungshallen, braucht weder Stab noch reines Gewand. Es genügt sein Wort, einen Toten zu wecken, es reicht eine Geste, um einen Kranken zu heilen. Ja, sogar sein Gewand oder sein Körperschatten wirken Wunder und Heilung. Ihm als Gottes Sohn und Stellvertreter auf Erden war die reinste Form der göttlichen Kraft verliehen. Daß die bloßen Diener im Glauben an Gott diese Kraft nicht in derselben Intensität besitzen konnte, liegt auf der Hand. Dennoch muß man den Priesterarzt und Magier der alten Zeit als einen solchen kraftbegabten Diener Gottes ansehen. Wie, wenn nicht durch den Geist Gottes, sollten sie anders ihre Heilungswunder durch Handauflegen oder Gebete erzielt haben. Heilungswunder, von denen die Geschichte zu Hunderten berichtet? Sicher, der Archetypus der menschlichen Seele, welcher in Gottes Geist alles Heil und Unheil der Menschheit beschlossen weiß, schuf sich immer schon Sagen und Legenden. Wie in unseren wohlbekannten Hausmärchen, in welchen Gott als bärtiger alter Mann durch die Welt wandert, um die Menschen zu prüfen, vermengt sich auch in den Sagen und Legenden des Altertums die Ursehnsucht des Menschen mit der Wirklichkeit. Dennoch ist es ausgeschlossen, daß alle Berichte beispielsweise auf der Tontafelbibliothek des Königs Assurbanipal ausschließlich dem Sagen- und Legendenschatz der alten Mesopotamier entstammen sollen. Dies wäre dann wohl ähnlich einzuschätzen, als wollte man alle nachweislichen Heilungen am Wunderort Lourdes unter die Rubrik Märchen fallen lassen. Auch Menschen wie Hildegard von Bingen gibt es bis in unsere Zeit. Von Jugend auf nervenkrank, war sie doch ein Medium Gottes. Nie hätte sie selbst die Kenntnisse gehabt, eines ihrer medizinischen Bücher zu schreiben. Dieses Wissen kam ihr von außen her. Ihre Hand war nur die, die die Feder führte. Ihr Kopf war es nicht, der dachte. Erinnern Sie sich nun an Berichte der Gegenwart, in welchen die Rede ist von Menschen, die geistig behindert, die nachweislich völlig schwachsinnig sind und dennoch oder gerade deswegen begnadet musizieren können. Wir wollen nur das Beispiel des jungen Leslie Lemke anführen. Blind und von Kind auf schwer geistig behindert, ist er doch imstande, mit einer ergreifenden Ausdrucksart Balladen und klassische Musik auf dem Klavier vorzutragen. Eine Musik also, die er weder jemals gelesen noch jemals vom Verstand her erfassen konnte. Gleich, um welches Musikstück es sich handelt, sobald Lemke es auch nur einmal gehört hat, kann er es auf Anhieb perfekt und richtig nachspielen. Weder Gehirnforscher noch Wissenschaftler aus dem Bereich der Parapsychologie sind in der Lage, diese seltsame Gabe des Leslie Lemke zu erklären. Eines jedoch scheint sicher, lebte jene berühmte Heilige Hildegard von Bingen in heutiger Zeit, würde man wohl kaum mit derselben staunenden Ehrfurcht von ihren Schriften sprechen wie jetzt. Weit eher müßte sie sich gefallen lassen, als Geisteskranke in eine geschlossene Anstalt geschickt oder aber von allen nur erdenkbaren Berühmtheiten der Wissenschaft durchleuchtet zu werden. Seit jeher gelten Geisteskranke in den Kulturen der sogenannten primitiven Völker als Menschen, welche in besonderem Maße von Gottes Geist erfüllt wurden. Offenbart sich hier ein Überbleibsel aus der Anschauungsweise unser aller Urzeit? Oder hat sich diese Meinung aufgrund gewisser Erfahrungen in den Köpfen dieser Primitiven festgesetzt? Die Antwort werden wir wohl kaum ergründen. Die Beobachtung als solche stimmt dennoch nachdenklich. Und dies um so mehr, als die Wertschätzung des Geisteskranken in demselben Maße abnimmt, wie sich der Lebensstandard des Mitmenschen steigert. Wo der Mensch nach seinem Wert für die Gesellschaft bewertet wird, wo die Natur hinter der Technik und dem Fortschritt auf der Strecke bleibt, da wird auch das Wunder bestritten. Da hört man auf, an Gottes Gegenwart zu glauben. Und was unerklärlich ist, wird als nichtexistent abgeschoben. Hildegard von Bingen gehörte mit Sicherheit dazu, wenn sie nicht schon Geschichte wäre. |
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