Termine 2006

Pressekonferenz in Bozen zum Thema:

"Das deutsche Jugendamt, eine Kinderklaubehörde?"

OLIVIER KARRER
Unveröffentlicher Text aus "Nicht ohne meine Kinder. Eine Mutter kämpft gegen das Jugendamt". Von Joumana Gebara erzählt und Olivier Karrer persönlich autorisiert.

Olivier, der Vizepräsident und wohl führende Kopf bei "CEED" ist, wie ich im Internet las, ein deutsch-französischer Vater, dessen einzigen Sohn die deutsche Ehefrau vor einigen Jahren vom gemeinsamen Wohnsitz in Frankreich zu einem Besuch bei ihren Eltern in Deutschland mitnahm und nie wieder nach Hause zurückbrachte. Während ihres Urlaubs hatte sie sich in einen Deutschen verliebt. Vier Wochen später erhielt Olivier die Hiobsbotschaft, er solle an die deutsche Landeskasse den Kindesunterhalt überweisen, den das Jugendamt seinem Sohn bereits zahlte.
Auf diese Weise erfuhr er, dass seine Frau ihn verlassen und ihr gemeinsames Kind nicht nur für immer in Deutschland behalten, sondern mit Hilfe des Jugendamtes auch den Umgang zwischen Vater und Sohn verhindern wollte. Dieses hatte sich nämlich weder ihn als Vater jemals angehört, geschweige denn eine Gerichtsentscheidung abgewartet, noch gaben ihm die deutschen Behörden - aus Datenschutzgründen, wie es hieß, - Auskünfte über den Verbleib seines eigenen Kindes, das mitsamt der Mutter irgendwo in Hamburg verschwunden war. In Deutschland, musste Olivier erkennen, würde er, anders als in Frankreich, niemals ein Umgangsrecht erhalten.

Da die Familie seit eh und je im Pariser Raum lebte, war es nach Oliviers Dafürhalten jedoch selbstverständlich eine Sache des französischen Familiengerichts, über Scheidung, Elternrechte und Kindesrecht zu befinden. Deshalb erstattete er vier Wochen nach Eingang der Hiobsbotschaft Anzeige gegen die Mutter wegen Kindesentziehung bei der französischen Polizei und reiste kurz entschlossen nach Deutschland, um ganz Hamburg nach seinen Sohn abzusuchen.
Wenige Tage später, - das Kind war gerade mal knapp zehn Wochen in Deutschland - hatte er Mutter und Kind gefunden, passte einen günstigen Augenblick ab, nahm seinen Sohn in den Arm, ermahnte seine überraschte Frau, solche Hinterhältigkeiten nie wieder zu versuchen, denn er würde seinen Sohn überall auf dieser Welt wieder finden können und erklärte ihr, er werde ihn jetzt nach Hause zurückbringen.

Als verheirateter Vater mit allen elterlichen Rechten sah Olivier sich zu diesem Zeitpunkt als völlig berechtigt an, seinen in Frankreich aufgewachsenen Sohn nach Hause zurück zu holen. Seine Ehefrau erhielt jedoch andere Informationen. Einen Tag nach seiner Abreise mit dem gemeinsamen Sohn zeigte sie Olivier wegen Kindesentführung an. Gleichzeitig beantragte und erhielt sie selbigen Tags das vorläufige alleinige elterliche Sorge- und Aufenthaltsbestimmungsrecht, womit die von der Mutter begangene Straftat der Kindesentziehung nachträglich legalisiert wurde.
Olivier wurde zu diesem gesamten Vorgang weder jemals angehört, noch darüber durch das Familiengericht, das Jugendamt oder seine Ehefrau informiert. Stattdessen ließ das Gericht ihn umgehend als Kindesentführer zur internationalen Fahndung ausschreiben. Ein Jahr später, als Olivier in Frankreich die Scheidung beantragte, wusste er immer noch nicht, dass er international als Kidnapper gesucht wurde.

Erst eine routinemäßige Straßenkontrolle förderte Oliviers Namenseintrag auf der internationalen Fahndungsliste ans Licht und führte dazu, dass Olivier mitsamt seinem damals vierjährigen Sohn von der französischen Polizei inhaftiert und die Mutter benachrichtigt wurde. Als sie Stunden später zum Gefängnis kam, um den kleinen Sohn abzuholen, zog sie den vor Olivier geheim gehaltenen deutschen vorläufigen Sorgerechtsbeschluss hervor, täuschte damit die französischen Behörden und nahm das Kind einfach mit und für immer.
Später, als sie französischen Behörden endlich die Rechtslage prüften, waren Mutter und Kind längst in Deutschland sicher. Die Erkenntnis, dass die französische Polizei der deutschen Justiz zu Unrecht vertraut und somit ein Kind als französischen Mitbürger rechtlos und grundlos außer Lande verwiesen hatte, änderte nichts mehr.

Olivier zog in Frankreich vor Gericht. Doch die verantwortlichen Damen und Herren im Jugendamt und Familiengericht in Deutschland wollten die Einseitigkeit ihrer geheimen Entscheidungen für die Mutter und gegen den Vater nicht eingestehen.
Nach Jahren des Rechtsstreits und ohne jede Kontaktmöglichkeit zwischen Vater und Sohn, beschlossen sie, dass eine Herausgabe des Kindes an den Vater gegen das Kindeswohl sei. Man argumentierte, der Knabe habe seinen neuen Lebensmittelpunkt bei der Mutter in Deutschland, nicht mehr beim Vater in Frankreich. Anders als in Frankreich zwingend üblich, verhandelte das deutsche Familiengericht nicht einmal über ein Umgangsrecht des Vaters.

Doch Olivier gab nicht auf. Jahre später wieder einmal in Deutschland, sah er seinen Sohn auf der Straße und versuchte ihn zu begrüßen. Doch der Knabe fuhr auf seinem Fahrrad in heller Panik vor ihm davon. Er hatte Angst vor seinem Vater, weil die Mutter ihm stets eingeredet hatte, dieser werde ihn entführen. Die Mutter und ihr neuer Lebensgefährte riefen sogleich die Polizei zur Hilfe.
Tage danach erhielt Olivier ohne vorherige Anhörung bei Gericht eine sehr hohe gerichtliche Strafgeld- sowie sechs Monate Haftandrohung für den Fall zugestellt, dass er sich seinem Sohn nochmals bis auf weniger als fünfhundert Meter nähern werde. Die "Germanisierung" des Kindes sollte von nun an ungestört weitergeführt werden. Wenngleich er im Leben seines Sohnes so unerwünscht war, verlangte das Jugendamt regelmäßige Unterhaltszahlungen von Olivier. Diese vermochte er allerdings nicht zu zahlen, denn er weigerte sich das Werk der legalen Kinderklauer finanziell zu unterstützen. Stattdessen verklagte er die Mitarbeiter des deutschen Jugendamts und Familiengerichts wegen Beihilfe zur Kindesentziehung.

Genau wie in meinem Fall waren die deutschen Behörden auch gegen Olivier heimlich vorgegangen, um ihm seinen Sohn weg zu nehmen und in Deutschland zurück zu halten. Ich litt mit ihm, wie er mir erzählte, aus welchen erfundenen Motiven das Jugendamt dem deutschen Familienrichter den Entzug des Kindes und aller elterlichen Rechte des Vaters empfahl und wie seine Ehe fünf Jahre nach der Kindesentführung aus Frankreich, ohne seine persönliche Anhörung und ohne seinen Anwalt, vor dem deutschen Familiengericht geschieden wurde. Welche schweren seelischen und materiellen Belastungen dieser Mann über Jahre hinweg durchmachen musste!

Erst Monate später ging mir auf, dass er mir durch seine Hilfe sein eigenes Schicksal erspart hatte. Aus ihm, einem diplomierten Wirtschaftsmanager, der führende Positionen in multinationalen Unternehmen inne gehabt hatte, fließend mehrere Sprachen spricht und in Frankreich ein eigenes Unternehmen aufgebaut hatte, hatten die Verantwortlichen in Deutschland einen Sozialhilfeempfänger gemacht. Als ich ihn kennen lernte, sah ich in ihm nur den entschiedenen Kämpfer gegen das Unrecht.