Elternkummer

SefeM - Selbsthilfegruppe für ihren Kindern entfremdete Mütter

SefeM

14. August  2006

Seit einigen Jahren setzt sich die Erkenntnis immer deutlicher durch, dass viele Väter ihre Kinder nach Trennung oder Scheidung nicht mehr oder nur noch selten sehen dürfen. Dass dies Vätern und Kinder weh tut und grausam oft dazu führt, dass beide einander verlieren, wird auch in den Medien häufig berichtet. So beginnt sich das Wissen durchzusetzen, dass Väter, die ihre Kinder nicht mehr sehen dürfen, selten "Rabenväter" sind, sondern lediglich das Pech hatten, im Rosenkrieg und Sorgerechtsstreit zu verlieren.

Über Mütter, denen so etwas passiert, wird bisher lieber geschwiegen. Die Vorstellung, dass ein Kind seine eigene Mutter nicht mehr sehen will, ist so ungeheuerlich und für Frauen auch so bedrohlich, dass es ein gedankliches Tabu zu sein scheint.

Ließe man den Gedanken als Alltagserfahrung zu, dass es jeder Mutter im Scheidungskrieg passieren kann, ihre Kinder zu verlieren, würde dies für die eigene Lebensplanung und Scheidungs- oder Trennungsabsicht große Unsicherheiten und Ängste auslösen. Viele Frauen würden es vor diesem Risiko vielleicht nicht mehr wagen, sich von dem Vater gemeinsamer Kinder zu trennen. Einfacher, weil besser für den eigenen Selbstschutz ist es, Mütter, die ihre Kinder nicht mehr sehen dürfen, als "schlechte" Mütter abzuwerten. Die Überzeugung, dass "gute" Mütter gegen den Verlust ihrer elterlichen Rechte und somit gegen den Verlust ihrer Kinder gefeit seien, dient dem eigenen Selbstschutz.

Tatsächlich passiert es Mütter ihre Kinder durch einen Familiengerichtsbeschluss verlieren.

Dann zum Beispiel, wenn man als Mutter ganztags berufstätig und der Vater die Hauptbezugsperson für die gemeinsamen Kinder ist. Die Politikerin Michaela Noll ist eines der prominenteren Beispiele dafür.

Oder dann, wenn man als Mutter so viel Liebe und Verantwortungsgefühl für die Kinder hat, dass man ihnen nicht zumuten will, ihr Zuhause, ihre Großfamilie, ihre Freunde, die Schule, einfach alles aufzugeben und mit der Mutter in einer völlig fremden Ungebung und unter weit schlechten finanziellen Bedingungen neu anzufangen. Lässt die Mutter ihr Kind beim Vater zurück, der im ehemaligen Familienhaus wohnen bleibt, wird ihr dies bei Gericht meist negativ ausgelegt. Renate Koch-Riechers, die in Tangstedt bei Hamburg aktiv in der Beratung ausgegrenzter Eltern wirkt, ist eine solche Mutter.

Eine andere Variante der Mütterausgrenzung kann passieren, wenn die Mutter dem Vater freiwillig das gemeinsame Sorgerecht schenkte und ihm die Kinder vorübergehend zur Betreuung anvertraut, weil sie aus beruflichen oder anderen Gründen dazu gezwungen ist. In solchen Fällen geschieht es nicht selten, dass der Vater die Situation ausnutzt und in Abwesenheit der Mutter das alleinige Sorgerecht beantragt und erhält. Joumana Gebara, mit der ich Nicht ohne meine Kinder schrieb, ist kein Einzelfall.

Sehr häufig geschieht die Entfremdung der eigenen Mutter mit Hilfe der neuen Lebenspartnerin des Vaters. Sabine Vander Elst ist eine dieser Mütter, die dem Vater ihrer Tochter vertraute und sie in den Ferien zu ihm reisen ließ. Da das Kind die neue Ehefrau des Vaters nicht sonderlich mochte, wirkte die Mutter auf das Kind ein, um die Beziehung zu verbessern. Sie wollte, dass ihr Kind die Ferien beim Vater genießen würde. Mit dem nun viel umgänglicheren Kind kam die neue Ehefrau des Vaters so gut zurecht, dass sie es nicht mehr hergeben wollte und der Vater das Kind nicht mehr zur eigenen Mutter zurück fahren ließ. Nun sagt das Mädchen zu der neuen Ehefrau des Vaters "Mama" und will die eigene Mutter nicht mehr sehen.

Ich könnte noch viele Beispiele anführen. Alle diese Mütter und andere, die ihre Kinder aus diesen und ähnlichen Gründen nicht mehr sehen wollen, leiden meistens ein Leben lang unter diesem Verlust.

Zusätzlich erfahren sie Vorurteile aus ihrem sozialen Umfeld, weil sich nur wenige Menschen vorstellen können, dass eine Mutter ihr Kind nicht mehr sehen darf oder ein Kind die eigene Mutter nicht nehr sehen will, obwohl diese dem Kind nie etwas  Böses getan hat.

Um Hilfe für die Betroffenen sowie Verständnis, Solidarität und ein gesellschaftliches Umdenken zu bewirken, gründeten aus dem Leben ihrer Kinder verstoßene Mütter im Jahr 2006 eine Selbsthilfegruppe, die in Würzburg ihre Keimzelle hat, aber bundesweit ausgeweitet werden soll.

Ich unterstütze die Arbeit dieser Gruppe, weil ich als dreifache Mutter und auch aus meiner langjährigen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in schweren Lebenskrisen weiß, wie dringend Kinder die Liebe und verantwortungsvolle Zuwendung ihrer beiden Elternteile brauchen.

Ich würde mich freuen, wenn diese Selbsthilfegruppe möglichst vielen Mütter und ihren Kindern helfen könnte und dazu beitragen würde, beide glücklicher zu machen.

Karin

Nicht ohne meine Kinder, Eine Mutter kämpft gegen das Jugendamt
Im Stich gelassen - Warum Mütter sich von ihren Kindern lossagen
Furcht vor dem Leben - Wenn Jugendliche den Tod als einzigen Ausweg sehen

Mehr über die "SefeM" erfahren Sie in folgendem Rundschreiben.

Bad Kissingen 22. August 2006
"Sie sagt, sie will mich nicht mehr sehen"(pdf)