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Gedanken vom "allerbesten Papa" an seine Tochter Celine


 

Ich bin Skipper
August 2009

Als Skipper schippere ich Tag und Nacht seit Jahren mit einem verwitterten Boot in den Ozeanen der Gezeiten, suche nach Dir, endlich finde ich Dich kurz vorm Ertrinken in Deiner höllischen Not, mein Gott, deine SEELE ist halbtot, will Dir zuwerfen einen Rettungsreifen, reich Dir meine jetzt schon alte, aber feste Hand, wir fahren jetzt weit weg zu uns unbekanntem, fremdem Land. Kein Hafen weit und breit, keine Boje zur Orientierung, dieses kleine Boot schippert weit draußen auf den gefährlichen Räubermeeren allein nur für sich.

Ich bin der Skipper auf diesem kleinen wackligen flüchtenden Boot, Du bist Bordgast und zeigst nachts uns durch die leuchtenden Sterne den Weg aus dem perversen Inferno der Familiennot.
Ich sehe ein Lächeln in Deinem Gesicht durch die aufkommende Zuversicht, der verblasste Lebenswille für Dich und mich kommt so endlich zurück und das bemerke ich.
"Papa ich liebe Dich."
" Kind, das weiß ich."

Ich bin der Skipper, gehe bei ruhigen Wellengang an der Reling entlang und sehe nirgends Land, ich merke, Du hältst das Steuer gekonnt mit Deiner kleinen Hand auf den richtigen Kurs zu, einem Papa - Kinderland, dessen Sprache wir nicht verstehen, wichtiger ist, das sie uns GENAU verstehen, uns gerne bei sich nicht nur als Gäste sehen, sondern in uns ein Teil von ihnen sehen, da sie das MENSCHENRECHT verstehen und warum wir bei ihnen gerne wollen leben.

Ich bin der Skipper, bringe das Segel auf Windempfang, das Boot gewinnt langsam an Fahrt, wir gleiten zusammen durch die kühle nichts sagende Nacht, bis der helle Morgen erneut erwacht. Wir haben keinen Anker zur Rast, die Eile zwingt uns auf neutralen Gewässern zu bleiben, wir wissen, man will uns auftreiben, wieder auseinander ziehen, deshalb müssen wir wie Banditen fliehen.

Ich bin der Skipper und Du hältst den Kurs, das Boot fährt nun sehr schnell, dass es die Wellen nur so bricht, das Wasser spritzt mir von den Bootsplanken bis ins Gesicht, ich höre Dich nicht, das Rauschen des Meeres überstimmt Dich, das Boot bewegt sich mit Höchstgeschwindigkeit an Knoten, das Meer, das tobt, das Segel flattert im Sturm, ich halte die Seile, so bleibt es in Position, hör von dir kein Ton, jeder von uns hat nun beide Hände voll zu tun.
Ich sehe Dein lachendes Gesicht und lese, kaum zu erkennen, von Deinen stummen Lippen: "Papa, das mit dem Steuerrad schaffe ich."

Ich bin der Skipper und Du der gute Steuermann, vereint steuern wir die Zukunft an, dafür tun wir hier Alles, hier gemeinsam auf hoher See, von Steuer bis Backbord, jeder so gut er eben kann. Der Wind verflacht nun, ein kräftiger Schauer und starkes Gewitter uns plötzlich überrascht, das Boot, das schaukelt, wir sind in der Kajüte, sie ist überdacht.

Ich bin der Skipper, blicke mit Dir nach den großen Naturgewalten auf das ruhige sonnenglitzernde Meer, unser Boot schwimmt leicht unter Sonnenstrahlen auf dem weiten, so schönen Meer, am blauen Himmel bildet sich leuchtendes farbiges Licht, es krümmt sich zu beiden Seiten und taucht weit entfernt in das dunkle Wasser ein.

Ich bin der Skipper, erkläre meinem jungen Mädchen als Steuermann, wie der Regenbogen entstehen kann, jetzt versteht sie mich, in der Luft bricht und spiegelt das Sonnenlicht Wassertropfen, die sich so in immer den gleichen Farben bilden.
Der kluge Steuermann spricht zu mir: " Skipper, die Reihenfolge der Farben kenne ich, aber du nicht, deshalb erkläre ich sie dir. Sie sind immer in Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo und Violett."
"Danke, Fräulein Steuermann. Du bist nett."
Wir stehen mit dem Boot allein, im Rücken des Sonnenscheins, in der Mitte des so farbenprächtigen Regenbogens in den Weiten des Ozeans.

Ich bin der Skipper und spanne das Segel wieder an, nur wegen dem Hass und der Gier nach dem Steuermann treiben wir gemeinsam allmählich in den nächsten gefährlichen tiefen Wellengang. Der Wind nimmt zu, dunkle Wolken kommen auf, so nimmt das alte Boot schnell wieder seine Fahrt auf. Wir gleiten von der Dämmerung in die Dunkelheit hinein, ein kräftiger Nachtwind treibt uns durch den Ozean in bessere Zeiten rein.

Ich bin der Skipper und zünde zwei Gas-Ankerlaternen an, dass die gespenstische Atmosphäre weichen kann, der Bootsmast wirft nun Licht in die einsame pechschwarze Nacht, es tanzt durch den Wellengang auf und ab. Das Schiffssteuerrad pendelt hin und her, der Steuermann kann nicht mehr, ich ergreif die kleine Hand und führe sie auf Achtern zum Übernachten.

Ich bin der Skipper und bete, dass dieses gesuchte flüchtende Boot niemand uns bösgesinnt überholt. Die Meeresgischt peitscht jetzt unerbittlich immer und immer wieder übers Boot, es schaukelt sich so hoch. Wir kommen ins unkontrollierte Schlingern, die Wellen gigantisch hoch, der aufkommende Sturm drückt das Boot rettungslos weit von Luv auf Leeseite, in dessen höchster Not. Die Wassermassen fluten das kleine Boot nun hoffnungslos, wir sind in Seenot.
Während ich die Notfallsachen beginne zu packen, streift mich was am Nacken, es ist der Mast, er ist umgenickt und drückt das Boot seitlich zu kieloben.

Ich bin der Skipper und fisch den kleinen Steuermann geschickt von den Achtern-Treppen aus den Fluten sicher raus, gemeinsam geht's jetzt auf Deck rauf, unser Notfallgepäck schwimmt weit weg, unerreichbar im Ozean, jetzt sind wir ohne Rettungsplan. Der kluge Steuermann greift schwimmstehend in seinem Rucksack, zieht seine Signal- Notleuchtrakete raus: "Papa, pack sie aus."

Auf dem kieloben liegenden, kenternden Boot zünden wir unsere letzte Hoffnung, sie steigt schweifend gen Himmel in leuchtendes Rot und so sinken wir mit dem Boot endgültig in den weiten Ozean stehend ein.

Ich bin der Skipper und hiev mein Mädchen, den guten Steuermann, in einen Rettungsreifen, der uns noch eine Weile schwimmend am Leben halten kann. Wir haben den Schiffbruch überwunden und treiben eng umschlungen viele Stunden mitten im nächtlichen wilden Meer. Der Sog der hohen Wellen schleudert uns weiter auf und ab, wir halten aneinander ganz fest, der Steuermann: "Papa, auch das hier kann uns nicht mehr trennen."
" Nein, das kann es nicht."

Ich bin der Skipper und der Steuermann spricht: "Papa, schau mal Leuchtsignal!"
Tatsächlich, ein Leuchtsignal, noch eins und noch eins. Der Himmel verfärbt sich in allen Farben von etlichen Leuchtsignalen. Ein Suchscheinwerfer trifft uns genau in seinem Schein, ein Grund zum Glücklichsein: "Hey, Papa ,wir sind nun nicht mehr allein."

Ich bin der Skipper, helfe meinem Steuermann auf eine abgelassene Tautrittleiter eines Luxusliners. Oben angekommen, sind wir wie benommen, als wären wir wahrlich der Hölle entronnen. Der Steuermann, das Kind, nun schlafend zusammensinkt und mit mir, dem Skipper, in einer Schiffskabine entschwind't. Der Freiheit entgegen, dafür haben wir beinahe unser Leben gegeben.

Ich bin der Skipper: "Steuermann, die Reise muss weiter und weiter gehen, bis man Land sehen kann".
Steuermann spricht: "Skipper, Skipper Land in Sicht, Land in Sicht…."

An Land spricht der Steuermann am Telefon allein an die Mutter, nur für sich:
"Mama, nach meinen unschuldigen Weggesperrtsein bei Dir, den so vielen sinnlos verlorenen Jahren der Papa-Entbehrungen, will ich für immer nur beim Papa sein, denn nur beim Papa darf und kann ich tatsächlich noch unbeschwert Kind sein. Papa lässt Träume nicht sterben und steht glücklich neben mir."

Ich, der allerbeste Papa, war auch mal Skipper und hatte den schlausten Steuermann.



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