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Ich durfte meinen Sohn nicht mehr
sehen, weil ich mit ihm in Polen leben wollte.


 
Deckname Monika (2005)

Karin zum Fall Beata P. in den Medien

PR-Berichte aus Polen (dt. Inhaltsangabe)

TAZ-Bericht vom 26. Januar 2009
Beata P. Bozen 2006
© by Karin Jäckel
Ende gut, alles gut? Mutter und Sohn kehren nach Deutschland zurück (21.03.2009)

Prozess um Kindesentziehung unterbrochen (28.01.2011)

Warnung vor Olivier Karrer und CEED!!!!

Berufungsverfahren ERFOLGREICH!

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Monika

3. Januar  2005

Liebe Frau Jäckel,

meine Geschichte ist sehr kompliziert.

Ich bin seit einem halben Jahr als Mutter an meinem eigenen Kind ohne Rechte. Und keiner kann mir helfen.

Es kann mir keiner helfen, weil ich eine Polin bin und mein Ex-Mann ein Deutscher mit besten Beziehungen ist. Er ist Mitglied der regierenden Partei, ehemaliger Mitarbeiter des Landesfrauen- und Familienministeriums (unter Birgit Fischer). Daher hat er intensive Beziehungen zu Jugendämtern, der AWO (Arbeiterwohlfahrt) und auch dem Kindergarten meines Kindes. Heute ist er wichtiger (!!!!!) Mitarbeiter des Landesverkehrsministeriums (unter Dr. Axel Horstmann) in Düsseldorf.

Weiterhin, die jetzige Ehefrau meines Ex-Mannes ist in einer Führungsposition in dem (Landes-)Familien - und Frauenministerium beschäftigt.

Da er die Faxgeräte der Dienststellen für Korrespondenz mit dem Kindergarten - und Jugendämtern benutzt, sind beide Ministerien über meinen Fall informiert und gegen mich engagiert. Ich habe Beweise.

Ich habe früher an Beziehungen nicht geglaubt. Leider musste ich meine Meinung ändern.

Warum bin ich als Mutter ohne Rechte und muss hinnehmen, dass mir mein Kind entzogen wird? Die Antwort: Keiner wird mir die Wahrheit sagen, aber vordergründig werde ich der Kindesentführung beschuldigt:

Die Fakten sind sehr kompliziert.
Ich schreibe das Wichtigste:

  1. Ich heirate meinen heutigen Ex-Mann. Er ist Mitglied der Partei: SPD, hat Kontakte zu Minister Axel Horstmann (ebenfalls Partei: SPD) und geht nach Düsseldorf zum Ministerium für Familie, Jugend, Frauen und Gesundheit. Er arbeitet dort als Redenschreiber (Rhetorik!!!). Er kommt ein Mal oder zwei Mal in der Woche nach Hause.

  2. Kurz vor der Geburt unseres Kindes fliegt mein heutiger Ex-Mann allein nach Irland in den Urlaub. Kurz nach der Geburt unseres Kindes fliegt er allein nach Zypern in Urlaub.

  3. Ein Jahr später ziehen wir gemeinsam mit unserem Kind in eine neue Wohnung um.

  4. Fast zur gleichen Zeit verliebt sich mein heutiger Ex-Mann in seine damalige Chefin und hat mit ihr eine sexuelle Beziehung. Von nun an kommt er, der uns die ganze Woche allein lässt, am Freitag regelmäßig erst spät abends nach Hause und verlässt uns schon am Sonntag. Ich weiß nichts, ahne jedoch etwas und frage; aber er sagt nichts.

  5. Im Herbst des Jahres zwinge ich meinen heutigen Ex-Mann, die Wahrheit zu sagen. Er will nicht. Aber er sagt endlich doch, er habe ein Verhältnis. Ich fordere: Er muss sich entscheiden. Er will nicht.

  6. Im Februar des folgenden Jahres, nachdem mein heutiger Ex-Mann sich immer noch nicht entscheiden will, schmeiße ich ihn aus der Wohnung raus.

  7. Im April des Jahres werde ich ins Krankenhaus eingeliefert. Einen Tag nach meiner Entlassung lässt mein heutiger Ex-Mann unser noch kleines und ebenfalls krankes Kind (mit Fieber) alleine mit mir zu Hause und fährt am Sonntag wieder zu seiner Geliebten.

  8. Ich rufe meinen heutigen Ex-Mann an, weil ich möchte, dass er mich mit unserem kranken Kind ins Krankenhaus begleitet. Aber er kommt nicht. Daher gehe ich alleine mit unserem Kind zum Arzt. Das Kind hat einen Virus, der im Gesundheitsamt registriert wird.

  9. Im Sommer desselben Jahres gehe ich mit meinem heutigen Ex-Mann zur Mediation, um die Scheidung zu regeln - ohne Anwalt. Mein heutiger Ex-Mann hält sich jedoch nicht an die Vereinbarung.

    Statt dessen nimmt er unser Kind ohne mein Einverständnis für zwei Wochen in Urlaub mit, den er mit seiner Geliebten verbringt. Danach hat das Kind Angstzustände. Ich gehe zum Arzt, sowie in psychologische Beratung und zum Anwalt.

    Im Jugendamt ist für mich die Freundin meiner damaligen Schwiegermutter zuständig.

  10. Ab September des Jahres beginnt die Serie der Prozesse. Mein heutiger Ex-Mann will, dass nicht ich unser Kind betreue, sondern seine Eltern. Damit bin ich nicht einverstanden und nehme deshalb Erziehungsurlaub.

    Mein heutiger Ex-Mann will mir per Gerichtsbeschluss verbieten lassen, dass ich mit unserem Kind für kurzer Zeit in Urlaub nach Polen zu meiner dort lebenden Familie reise.

  11. Im November des Jahres muss ich unsere bisherige Familien-Wohnung aufgeben; - sie ist zu teuer und zu groß, denn mein heutiger Ex-Mann bezahlt keinen Unterhalt. Ich ziehe nach S., wo ich gute Bekannte habe.

    Es wird plötzlich ungewiss, ob ich meinen Arbeitsplatz behalten kann. Ich muss mich einem Arbeitsgerichtsprozess unterwerfen. Gleichzeitig prozessiert mein heutiger Ex-Mann wegen meines Umzugs mit unserem Kind, sowie wegen meines ersehnten Polenurlaubs.

    Ich reiche die Scheidung ein. Ein Jahr später werden wir geschieden.

  12. Im Januar des folgenden Jahres beschließe ich, meine Wohnung und meine Freunde in S. aufzugeben und nach B. umzuziehen, wo ich arbeite. Wenn ich an meinem Wohnort arbeiten kann, fallen die täglichen Fahrten zum Arbeitsplatz weg. Dadurch habe ich mehr Zeit für mein Kind.

    Mein heutiger Ex-Mann prozessiert nun auch gegen diesen Umzug. Das Gericht nimmt mir das Aufenthaltsbestimmungsrecht für unser Kind weg.

  13. Im Mai des Jahres informiere ich meinen Ex-Mann und das Jugendamt (später auch das Gericht in B.), dass mein Arbeitsplatz definitiv gefährdet ist und ich daher nach Polen zurückkehren möchte, wo ich meine Familie habe. Unser Kind hat dort seine polnischen Großeltern und Cousins.

    Als ich eine neue Arbeitsstelle in Polen finde, will ich mit meinem Ex-Mann alles einvernehmlich regeln, z.B. die Besuchskontakte in Polen usw. Ich informiere ihn über alles: Wo wir leben werden, wie unser Kind betreut werden wird usw. Vor allem berichte ich meinem Ex-Mann auch, dass ich am *1.10.2003* mit der *Arbeit* an der Uni Gdansk anfangen *muss*.

    Mein Ex-Mann verweigert jedes Gespräch und jede Regelung. Ich erreiche ihn fast ein halbes Jahr lang nicht, da er bei Gericht *Urlaub* angemeldet hat.

    Ich schreibe Briefe an das Gericht, um eine Regelung herbei zu führen. Aber *Keine Reaktion*.

  14. Mitte September des Jahres schickt mir mein Ex-Mann einen Privatdetektiv ins Haus, der macht Fotos in allen Räumen. Vorher habe mich unbekannte Personen in meiner Wohnung belästigt.

    Mein Ex-Mann beantragt einen Schnellprozess gegen mich (Eilantrag) bei Gericht, indem er fälschlich behauptet, ich wolle unser Kind nach Polen entführen.

    Obwohl mein Ex-Mann keinerlei Beweise hat und ich unser Kind nachweislich niemals entführen wollte, reagiert das Gericht sofort. Ich werde *nicht gefragt*, wie es tatsächlich war und was ich will.

    Statt dessen nimmt das Gericht mir unser Kind und überantwortet es dem Jugendamt.

    Das Jugendamt gibt mir bis zur endgültigen gerichtlichen Regelung das Kind zurück. Dafür verantwortlich war die einzige neutrale Person: Herr XY vom Jugendamt in B.

    Das Gericht legt den Prozesstermin unmittelbar vor den Beginn meiner neuen Arbeitszeit in Polen. Man hofft wohl, ich könne dann entweder nicht kommen oder würde meinen neuen Arbeitsplatz verlieren. Ich komme dennoch rechtzeitig zum Prozess.

    Das Jugendamt sagt aus, das Kind solle auf jeden Fall bei mir bleiben. Die Richterin will Beweise dafür, dass ich das Kindeswohl achten und schützen werde. Diese Beweise habe ich.

    Dennoch beschließt die Richterin, das Kind solle in Deutschland bleiben.

    Das Kind weint in der Nacht, es will nicht allein zum Vater. Es war zuvor zwei Wochen mit Vater und der künftigen Stiefmutter in Urlaub. Jetzt sieht das Kind meinen Umzug und will mit mir nach Polen.

    Schließlich entscheide ich mich, das Kind tatsächlich nach Polen mitzunehmen, da ich meine neue Arbeitsstelle antreten muss und nicht mehr länger auf eine Gerichtsentscheidunng oder eine außergerichtliche Regelung mit meinem Ex-Mann warten kann.

  15. In Polen melde ich mich sofort bei meinem Ex-Mann, sowie beim Jugendamt und auch beim Gericht. Ich will die Sache ordnungsgemäß zu Ende regeln.

    Dem Kindesvater gestatte ich jederzeit freien Umgang mit unserem Kind. Ich habe das Kind aus meiner arbeitsplatzbedingten Notlage heraus zwar nach Polen mitgenommen. Aber ich habe weder der Kind noch mich jemals versteckt. Im Gegenteil, ich habe ganz offiziell bereits ein halbes Jahr vor meinem Umzug mitgeteilt, wo wir nach dem Umzug in Polen leben würden, wo wir jederzeit erreichbar wären usw.

    Um zu prüfen, welche Beziehung das Kind zu seinen beiden Elternteilen habe, wird ein psychologischer Gutachter eingeschaltet, der das Kind exploriert.

    Mir sagt das Kind, es möchte mit Mama sein, nicht mit Papa. Trotzdem stellt der Psychologe eine enge Beziehung des Kindes zu seinem Vater fest.

    Das Gericht ordnet an, dass ich den Prozess um Sorge- und Aufenthaltsbestimmungsrecht nicht in Polen, sondern im Geburt- und Heimatland des Kindes, also in Deutschland, zu Ende führen müsse und mein Kind nicht in Polen bei mir behalten dürfe.

    Ich muss das Kind seinem Vater übergeben.

  16. In Deutschland muss das Kind nun ohne mich als Mutter auskommen, obwohl ich während des gesamten Kinderlebens die Hauptbezugsperson war. Außerdem muss es sofort ganztags in einen neuen Kindergarten, wo es niemanden kennt.

  17. Wenig später kehre ich nach Deutschland zurück. Ich will lieber arbeitslos als ohne mein Kind sein. Deshalb gebe ich in Polen alles auf und komme nach Deutschland, um mein Kind wieder zu mir zu nehmen. Freunde, die auch das Kind sehr gut kennt, wollen uns helfen.

  18. Mir wird jedoch alles von meinem Ex-Mann und vom Jugendamt in D. verboten.

    Obwohl ich Zeit habe, darf ich das Kind nicht zu mir nehmen. Ich darf es nicht einmal sehen und es auch nicht anrufen. Mir wird außerdem verboten, jemals wieder polnisch mit meinem bis dahin zweisprachig aufgewachsenen Kind zu sprechen.

    Obwohl ich zu dieser Zeit sowohl das Sorgerecht, als auch das Aufenthaltsbestimmungsrecht für das Kind habe, verweigert man mir die Auskunft, in welchem Kindergarten mein Kind ist.

    Später weiß ich das dennoch. Es hilft mir allerdings wenig, denn der Kindergarten verbietet mir, mich über mein Kind zu informieren.

    Das Kind wird von mir, der eigenen Mutter, völlig isoliert, obwohl der Vater den ganzen Tag arbeitet.

    Künftig darf ich das Kind drei Mal im Monat für 1,5 Stunden sehen, allerdings nur mit dem Verbot, polnisch zu sprechen.

    Da keiner weiß, wann der Sorgerechts-Prozess zu Ende geht, beantrage ich beim Gericht Düsseldorf, dass regelmäßige Umgangskontakte zwischen mir und dem Kind geregelt werden, weil mein Ex-Mann das Kind völlig isoliere.

    Das Gericht will die Kontakte jedoch nicht regeln und verweigert mir daher jede Prozesskostenhilfe. Da ich kaum Geld habe, auferlegt mir das Gericht, mir endlich eine Arbeit zu suchen. Schließlich bin ich unterhaltspflichtig für mein Kind und muss meinem Ex-Mann den Kindesunterhalt auszahlen.

  19. Im Hochsommer des Jahres findet der Sorgerechtsprozess in B. statt.

    Das Kind soll vom Psychologen untersucht werden. Als Gutachter benennt das Gericht Herrn Diplompsychologen XYZ aus Halle.

    Der Psychologe spricht mit mir von 17.00 bis über 23.oo Uhr. Kurze Zeit später untersucht er das Kind. Dieses will jedoch nicht sagen, mit wem (Mama oder Papa) es lieber leben möchte.

  20. Der Gerichtsgutachter stellt fest, ich sei psychisch krank und habe paranoide Züge.

    Tatsächlich hat dieser Mann keine medizinische Befähigung und Berechtigung zu einer solchen Diagnose, da er kein Psychiater ist.

  21. Das Gericht beschließt, ich dürfe das Kind nicht nach B. mitnehmen, wo ich arbeite, obwohl ich nicht mehr in Polen, sondern in Deutschland lebe.

Einige Tage später wird das Kind mit Bauchschmerzen in die das Kinderklinikum eingewiesen. Ich werde nicht informiert.

Das sind nur die wichtigsten Fakten. Alles sehr kompliziert und schrecklich. Nur Psychoterror.

Ich bin hier in Deutschland nur eine "dumme" Ausländerin und habe im Vergleich zu meinem Ex-Mann keine Rechte. Er ist ein "wichtiger" Deutscher und hat nun auch eine "wichtige" deutsche Frau. Beide arbeiten im Ministerium. Er hat Kontakte in der Partei (SPD), seine Frau hat ebenfalls Kontakte in der SPD. Sie gehören zur Elite.

Als Vater, der um sein Kind kämpft, wird mein Ex-Mann bewundert.

Tatsache ist, dass er sich erst für das Kind interessiert hat, als er sich in eine neue Frau verliebte, die keine Kinder (mehr) bekommt, weil sie zu alt ist. Ihr eigener Sohn ist bereits weit über 20 Jahre alt!

Als das Kind ein Baby war, hat der Vater sich nie dafür interessiert. Er hat sich überhaupt nicht für seine Familie interessiert. Er hat in allem nur an sich und seine Interessen gedacht. Auch dann, als er mich als seine Ehefrau hinterging und mit seiner Geliebten betrog, mich aber ständig im Ungewissen ließ, für wen er sich entscheiden werde.
Jetzt ist das Kind ein paar Jahre alt, im "niedlichsten" Alter und selbständig. Jetzt will er das Kind, "sein eigen deutsches Fleisch und Blut" für sein Ego. Und seine alternde Frau erlebt mit meinem kleinen Kind eine neue junge Mutterschaft, welche auch ihr Ego aufwertet. Aber das sagt der Psychologe in seinem Gerichtsgutachten nicht.

Ich habe das Kind immer betreut. Ich war immer für das Kind da. Aber das ist ja "normal" für eine Frau (nicht für einen Mann). Das interessiert den Psychologen jedoch auch nicht.

Für den Gerichtsgutachter zählt nur, der Vater hat Geld und gute Arbeit und beste Beziehungen. Also soll das Kind bei ihm bleiben. Die Mutter ist nicht wichtig. Die Vergangenheit noch weniger.

Der Gerichtspsychologe argumentiert passend, damit das Gericht das Kind dem Vater gibt. Er argumentiert einseitig und parteilich für den Vater. Er ist nicht neutral. Obwohl es seine Pflicht wäre. Das sagt meine Anwältin.

Das alles ist aber nur ein Teil meiner Geschichte. Da gibt es nämlich auch noch die Story mit dem Privatdetektiv. Das versteht keiner, weil das absurd ist!

Das Gericht wusste, ich muss am 1.10.03 meine Arbeit an der Universität Gdansk anfangen. Das Gericht hat auf meinen dringenden Antrag, meine Bitte, möglichst schnell eine Entscheidung über mein Recht, das Kind mitzunehmen, zu fällen, einfach *nicht reagiert*.

Dies gab meinem Ex-Mann Zeit, mir in böser Absicht einen Detektiv ins Haus zu schicken, um Beweise gegen mich zu konstruieren, dass ich unser Kind ohne Gerichtsbeschluss nach Polen entführen wolle.

Der Detektiv wollte meine Wohnung angeblich als Nachfolger/Mieter anschauen, weil ich ausziehen musste. Er hat alles fotografiert. Aber er hatte trotzdem keine *Beweise*, weil ich noch nichts gepackt hatte.

Also erfand mein Ex-Mann eine Lüge. Er schrieb an das Gericht, eine anonyme Frau habe ihn angerufen und ihm erzählt, ich wolle das Kind nach Polen entführen. Und das Gericht hat auf diese Verleumdung und Denunziation sofort *reagiert*. Ohne jemals eine Kindesentführung geplant oder gar begangen zu haben, stand ich plötzlich als Kidnapperin im Verdacht.

Das ist absolut absurd. Das Gericht wusste, ich musste am 1.10. in Polen sein.
Es wusste, dass ich auf eine offizielle Entscheidung wartete. Warum also hat das Gericht nicht schnellstens gesagt, ich solle in Deutschland bleiben???

War die Intrige meines Ex-Mannes etwa ganz im Sinne des Gerichts? Gab es womöglich Absprachen in diesem Deal um ein in Deutschland geborenes Kind eines Deutschen, das man doch beileibe nicht ausgerechnet nach Polen umziehen lassen wollte?

Das Gericht wusste, in welch schwieriger Lage ich mich befand. Auch mein Ex-Mann wusste es. Im Interesse unseres Kindes hätte das Gericht rechtzeitig vor meinem ersten Arbeitstag in Polen entscheiden müssen. Und auch mein Ex-Mann, der Vater unseres Kindes, hätte im Interesse dieses Kindes mit mir reden und Klarheiten schaffen müssen. Aber das wollte und brauchte er nicht. Das Gericht schwieg sich aus. Und so war er sicher, ich habe sowieso nichts zu sagen.

Zur Veröffentlichung meiner Geschichte müssen alle Namen und Daten entfernt werden, um mein Kind zu schützen.

Mit freundlichen Grüßen

Monika

Von: Karin Jäckel
Gesendet: Montag, 24. November 2008 18:36
An: redaktion@tagesschau.de; wir@sueddeutsche.de; ZTG Süddt. Bolesch Cornelia; thomas.urban(@)neostrada.pl; christian.wulf@ardhsb.de
Cc: stefan@hambura.com
Betreff:Jugendamt + Kindesentziehung


Unter Bezug auf:
http://www.rp.pl/temat/2.html
http://www.rp.pl/artykul/2,215942_Matka_ukrywa_sie_z_synem>_i_prosi_
politykow_o_pomoc_.html

http://www.rp.pl/artykul/9158,215928_Czy_dla_Niemcow_obca_kultura_
to_gorsza_kultura.html

http://www.rp.pl/artykul/17,215925_Dyskryminacja_zaprzecza__idei_
UE.html

http://www.wprost.pl/ar/143967/Zlodzieje-dzieci/?I=1351
http://video.google.de/videoplay?docid=5132247369322759280&ei=HaMM
Sey7A4Lm2QLxm4WbCg&q=pokrzeptowicz&hl=de

http://www.rp.pl/artykul/28,212189_Scigana_za_porwanie_syna_.html
http://www.naszdziennik.pl/index.php?typ=sw&dat=20081030&id=sw11.txt
http://nachrichten.t-online.de/c/16/88/83/30/16888330.html
http://www.sueddeutsche.de/politik/124/448857/text/

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihre Berichterstattung der vergangenen Tage über das deutsche Jugendamt, Kindesentziehungen und kriminalisierte Eltern, die zu Verzweiflungshandlungen getrieben werden, weil sie auf legalem Wege ihre Kinder nicht mehr wiedersehen dürfen, thematisiert, was in Deutschland seit vielen Jahren und in zunehmendem Maße Kinder und ihre Familien zerstört. Dafür meinen Dank, verbunden mit der Bitte, am Ball zu bleiben und das Problem nicht auf die Beleuchtung nur einer Facette zu beschränken.

Als Publizistin (www.karin-jaeckel.de) und Beraterin für Kinder, Jugendliche und Eltern in schweren Lebenskrisen befasse ich mit seit den 70er Jahren mit dem Problemfeld der Kindesentziehung, Kindesentfremdung und Kinderfremdbetreuung.
Dies begann damit, dass mein Mann und ich als junge Studenten einem Rundfunkaufruf folgten, einem Heimkind ein paar glückliche Ferientage zu schenken, und den Erfahrungen, die wir mit dem Leid eines solchen Heimkindes sammelten, das der Mutter allein deswegen wenig genommen und ins Heim verbracht worden war, weil sie, mit den beiden rüstigen Großeltern im eigenen Haus lebend, mehrere Kinder hatte, aber keinen Ehemann.
Das Glück von Mutter und Kind, denen wir zwei Mal ein Wiedersehen ermöglichen konnten, wurde mir ebenso unvergesslich wie ihr Trennungsschmerz und das blasse Kindergesicht hinter dem Vorhang des Kindesheims, zu dem wir nach diesen Ferientagen keinen Zugang erhielten, weil die "Radio-Aktion" abgeschlossen und daher kein Kontakt mehr erwünscht war.
Inzwischen habe ich zahlreiche Publikationen zu diesem Thema veröffentlicht, die in verschiedenen namhaften Verlagen erschienen. Auch läuft neben einem stark frequentierten Kummerkasten für Kinder und Eltern auf meiner Webseite dort eine Online-Umfrage zu Erfahrungen mit dem Jugendamt, die bereits weit über tausend Antworten erbrachte. Von daher darf ich ohne Übertreibung sagen, dass ich mich mit Kindesentziehung als Lebensschicksal und den damit verbundenen Modalitäten sowie der Arbeit des Jugendamts und der Familiengerichte tausendfach auskenne.

In Ihren Veröffentlichungen stellten Sie das Problem der Kindesentziehung als deutsch-ausländischen Konflikt dar, der dann auftritt, wenn ein bi-nationales Paar sich trennt und dem ausländischen Elternteil das Umgangsrecht mit dem gemeinsamen Kind entzogen wird. Beata P., eine junge polnische Mutter, die unlängst ihren Sohn aus Düsseldorf entführte und sich seitdem an einem unbekannten Ort mit ihm versteckt hält, wurde von Ihnen als Beispiel dafür angeführt, dass man im Ausland fälschlich behaupte, Kinder bi-nationaler Eltern würden in Deutschland mit Hilfe des Jugendamts "germanisiert". Tatsächlich ist die Sache so simpel gestrickt allerdings nicht.

Die junge Mutter Beata P. ist mir persönlich bekannt, da ich mit ihr in Brüssel im EU-Parlament war, um dort eine Petition gegen Willkür-Handlungen des Jugendamts zu verteidigen. Von daher kenne ich auch die "Fallgeschichte".
Die Basis von Kindesentziehungen wie im Fall Beata P. ist ein deutscher Gesetzestext, der im Wesentlichen besagt, der Import eines im Ausland aufgewachsenen Kindes nach Deutschland sei straffrei, der Export eines in Deutschland aufgewachsenen Kindes ins Ausland hingegen strafbar.

Anders, als die Bundesregierung glauben machen will, ist Beata P. ist kein Einzelfall und ihr Problem kein Minderheitenproblem. Noch weniger ist es ein Problem, das deutschfeindliche Polen aus alten Nazi-Ressentiments aufkochen. Und schon gar nicht ist es ein aktuell erstmals bekannt gewordenes Problem. Ganz im Gegenteil! Schon Jacques Chirac nannte das deutsche Familienrecht das "Gesetz des Dschungels". Und Bill Clinton brachte das Thema Kindesentziehung anlässlich eines Staatsbesuchs aufs Tapet, weil seine Landsleute in den USA ganze Organisationen aufgebaut haben, um sich gemeinsam gegen den Verlust ihrer nach Deutschland entzogenen Kinder zu wehren. Als Reaktion darauf versprach Deutschland Abhilfe durch eine verbesserte Juristen- und Richterausbildung, die Abschaffung der provinziellen Vorurteile in den Jugendämtern durch Weiterbildung und andere Verbesserungen.

Obwohl es sich bei Beate P. um eine Polin und bei Joumana Gebara um eine Libanesin handelt, die durch Heirat einen deutschen Pass erhielten und bi-nationale Kinder zur Welt brachten, die in Deutschland aufwuchsen, ist das Problemfeld der Kindesentziehung kein primär Zuwanderer betreffendes, sondern vor allem ein deutsches Problem.
Und zwar das Problem, dass Mitarbeiter der kommunalen Behörde Jugendamt unzureichend ausgebildet, provinziell eingestellt und insbesondere fachlich völlig unkontrolliert sind und jede ihnen persönlich richtig scheinende Entscheidung treffen und durchsetzen können.
Wie die OLG-Richterin Gretel Diehl 2006 anlässlich eines Vortrags aussagte, treffe man keine Entscheidungen gegen den Vorschlag des Jugendamts, weil man diesen ansonsten nicht durchsetzen könne.
Dies deckt sich mit Aussagen der "Mutter des neuen deutschen Kindschaftsrechts", Margot von Renesse, die nach Beschwerden von Bill Clinton und Jacques Chirac in Berlin wegen Kindesentziehungen bi-nationaler Kinder, erklärte, die Juristenausbildung in Deutschland sei unzureichend und die Richterschaft am Familiengericht provinziell.

Dass und wie massiv sich in Deutschland bis heute provinzielles Denken und Vorurteile gegen Mitbürger mit Migrationshintergrund in Behörden und Institutionen auswirken, zeigt die internationale Debatte um die erwiesene Benachteiligung von Migrantenkindern im deutschen Schulsystem.
Wenngleich dies in Deutschland vehement bestritten wird, kann man Eltern nicht verdenken, dass sie durch heutige mit Polizeigewalt durchgeführte Kindesentziehungen an 1938 erinnert werden, als das Reichschulgesetz festschrieb, dass die heute Jugendamt heißende Fürsorgebehörde verpflichtet und berechtigt sei, Kinder mit Hilfe von Polizeigewalt aus ihren Familien heraus zu nehmen, um sie der Reichsschulbildung zuzuführen, durch die sie im nationalsozialistischen Sinne zu staatsdienlichen Bürgern erzogen werden sollten.

Nicht erst jetzt, sondern seit Jahren klagen ausländische Eltern und in Deutschland lebende Eltern mit Migrationshintergrund das deutsche Jugendamt und die Familiengerichte an, ihnen zu Unrecht ihre Kinder zu entziehen, sie ihnen und ihren im Ausland lebenden Familienteilen zu entfremden und ihnen zu verbieten, in ihrer zweiten Muttersprache mit ihnen zu reden. Im Fall W. Pomorski musste sich Deutschland 2007 gegenüber der EU-Petitionskommission offiziell für dieses Verbot entschuldigen. Details kann man in Internet googlen.
Im Fall der aus dem Libanon stammenden Mutter Joumana Gebara mit deutschem Pass erklärten Mitarbeiter des deutschen Jugendamts der italienischen Jugendbehörde, es spiele in Deutschland keine Rolle, ob eine Mutter eine gute oder schlechte Mutter sei. Es sei gegen das Kindeswohl, ein deutsches Kind in Italien aufwachsen zu lassen. In diesem Fall hatte das Jugendamt der Mutter ihre beiden Grundschulkinder entzogen, weil der zuständige Mitarbeiter der Meinung war, die ihr BWL-Studium durch Nebenjobs finanzierende Mutter arbeite zu viel und müsse ihre Kinder selbst betreuen, als sie während der Arbeitszeit einer Tagesmutter zu geben. (Mehr dazu in "Nicht ohne meine Kinder", Lübbe 2006)
2001 traten zahlreiche internationale Eltern, unter ihnen auch Deutsche und sogar deutsche Großeltern, in einen wochenlangen Hungerstreik, um mitten in Berlin auf ihr Leid aufmerksam zu machen. Unter ihnen befanden sich Eltern, die wegen des Versuchs, ihre Kinder wieder zu sehen, inhaftiert worden waren und mit Hunderttausenden Zwangsgeld bedroht wurden, sollten sie es wagen, sich ihren Kindern auf mehr als 100 Meter zu nähern. Sie walle waren Eltern, die als unbescholtene Bürger lebten und ihren Kinder nie etwas zuleide getan hatten.

Kindesentziehung oder Kindesentführung sind der Schrecken aller Eltern, die ihre Kinder lieben. Und das sind die meisten.
Deshalb darf Kindesentziehung nicht nur dann unter Strafe stehen, wenn es um die Entziehung eines in Deutschland aufgewachsenen Kindes ins Ausland geht. Es muss endlich als Manifest in die Köpfe, dass Kinder ein unverbrüchliches Recht auf ihre beiden Elternteile haben und dass auch der deutsche Gesetzgeber endlich die UN-Kinderkonvention ohne Abstriche verifizieren muss, um dieses Recht aller Kinder zu garantieren und zu schützen.

Gäbe es dieses Recht aller Kinder auf ihre beiden Elternteile, gäbe es keinen Fall Beata P. und keine Kindesentziehung auf der Basis von Verdacht und Denunziation. Es gäbe keine alljährlich Vieltausende Trennungs/Scheidungskinder, die nach den ersten Trennungsmonaten einen Elternteil für immer verlieren, meist den Vater. Und es gäbe keine Kostenexplosionen in den Kommunen, die der Millionen nicht mehr Herr werden, die sie für Kinder aufbringen müssen, die ihren Familien entrissen und danach von Vater Staat in Fremdbetreuung finanziert werden müssen.

Kindesentziehung und Umgangsverweigerung sind Menschenrechtsverletzungen, die, unabhängig von der elterlichen Herkunft, überall in Deutschland passieren können, wenn ein Entscheidungsträger im Jugendamt der Meinung ist, dass Eltern das Kindeswohl gefährdet oder schädigt haben oder gefährden oder schädigen könnten oder das Kind einem Elternteil genommen werden muss, damit es beim anderen "zur Ruhe komme".

Mehrfach wurde Deutschland deshalb bereits vor dem Europ. Menschenrechtgerichtshof verurteilt, weil man in Straßburg erkannte, dass es andere Möglichkeiten zur Familienhilfe gegeben hätte als Kindern ihre Eltern und Eltern ihre Kinder zu entreißen.

Kinder lieben Mutter und Vater, in aller Regel sogar dann, wenn diese sich als wenig liebevolle Eltern verhalten. Sie leiden darunter, mit nur einem Elternteil aufwachsen zu müssen und entwickeln Schuldgefühle für die elterliche Trennung. Schon jetzt sind die Praxen der Kindertherapeuten und -psychologen überfüllt mit Kindern und Jugendlichen als Patienten, die sich in Autoaggressionen der verschiedensten Art flüchten, weil sie die Ohnmacht nicht mehr ertragen, in die sie von Erwachsenen gedrängt und von ihnen wie Verschiebewaren behandelt werden.

Kinder brauchen ihre beiden Eltern, weil sie von der Verschiedenheit der Eltern profitieren und die im dualen Zusammensein mit ihnen gewonnenen Erfahrungen zur Bewältigung ihres eigenen Lebens benötigen. Es ist ihr natürliches Geburtsrecht, Mutter und Vater zu haben.
Und es ist allerhöchste Zeit, dass ihnen dieses Recht ohne Wenn und Aber gewährt wird.

Da das "Kindeswohl" zwar in aller Munde, aber nirgends verbindlich definiert und somit individuell frei interpretierbar ist und die Entscheidungsträger in der kommunalen Behörde Jugendamt unabhängig sein sollen, also keinerlei Fachaufsicht unterliegen, sehr wohl aber seit 2005 gesetzlich mit Strafe bedroht werden, falls sie bei Verdacht einer Kindeswohlgefährdung nicht mit Kindesentzug reagieren, steigt die Zahl der Kindesentziehungen steil an.
Gleichzeitig kommt es zu immer mehr schrecklichen Kindesmisshandlungen, Kindesvernachlässigungen, Kindesmissbrauch bis hin zum Kindesmord, weil Jugendamtsmitarbeiter nicht rettend eingreifen, obwohl sie die bedenklichen Zustände im Elternhaus kennen, aber falsch einschätzen.

Gäbe es eine Fachaufsicht über die kommunale Jugendamtsbehörde und ihre Mitarbeiter, ließe sich eine fachliche Entscheidung der Entscheidungsträger prüfen und gegebenenfalls korrigieren und aufheben.
Da es keine Fachaufsicht gibt, handelt Jugendamtsmitarbeiter sakrosankt.

Wie haarsträubend sich diese "Unabhängigkeit" und fachliche Nichtkontrolliertheit auswirkt, zeigte sich beispielsweise am 20. 11. 2008 auf einem Parteitag der LINKEN, auf dem eine Psychologin gegen eine bestimmte Jugendamtsentscheidung in Gießen Sturm lief. In einer sorgfältigen schriftlich niedergelegten Ausführung schilderte sie die Sachlage eines konkreten Falls und forderte zum Wohl der ihren Eltern entzogenen Kinder eine wohnortnahe Unterbringung. Obwohl diese rechtlich durchaus genehmigt werden könnte, wurde der Antrag rigoros abgelehnt. Dies wurde damit begründet, dass die Kritik der psychologischen Fachfrau an der Arbeit des Jugendamts "eine Unverschämtheit und Schlag ins Gesicht der qualifizierten Jugendamtsmitarbeiter" sei. (Niederschrift über die 15. Sitzung des Kreistagsausschusses für Soziales, Gesundheit und Verbraucherschutz vom 29.10.08, 35423 Lich)

Wegen dieser sakrosankten Arroganz vieler Jugendamtsmitarbeiter liegen derzeit mindestens 400 bereits angenommene, ganz überwiegend von deutschen Eltern stammende Petitionen gegen die fachliche Unkontrolliertheit des deutschen Jugendamts im EU-Parlament in Brüssel vor. Es werden fast täglich mehr.

In diesen Petitionen wird beschrieben, wie Mitarbeiter des Jugendamts in Polizeibegleitung bei unvorbereiteten Eltern auftauchen, um ihnen ihre Kinder zu entreißen.
Im Fall Petra Heller z.B. versteckte sich das Kind in seiner Angst vor den mit Spürhunden ins Haus stürmenden Kindeswohlschützern im Schrank und wurde trotz seines verzweifelten Hilfeschreiens geschnappt, während die Mutter zur nachtschlafenden Zeit in die Psychiatrie verschleppt wurde. Sie hat seitdem ihr Kind nie mehr gesehen. Auch sie ist eine Petentin in Brüssel. Ihre Webseite ist im Internet zu finden.
Im Fall Waltraud Berger wurde die von Geburt an hirngeschädigte Tochter in eine geschlossene Anstalt verbracht, weil sie von der Mutter, bei der sie bis zum 17. Lebensjahr aufwuchs, angeblich nicht ausreichend gefördert, sondern überbehütet wurde und in einem Hotel randaliert habe, wohin sie nach der Trennung von der Mutter verbracht wurde. Obwohl die Tochter trotz ihrer Behinderung sprechen, lesen und schreiben kann, nachweislich nicht im Hotel randalierte und bei Gericht deutlich aussagte, nach Hause zu ihrer Mutter zu wollen, lehnt das Jugendamt die Herausgabe weiterhin ab.
Gebilligt wurde hingegen, dass die Tochter, die jungfräulich ins gemischt-geschlechtlich belegte Pflegeheim kam, schon kurze Zeit später im Beisein eines männlichen Betreuers bei einem Frauenarzt untersucht und durch eine Dreimonatsspritze schwangerschaftsgeschützt wurde. Die verzweifelte Mutter kämpft quasi auf verlorenem Posten, da man ihr alle Elternrechte entzogen hat und sie überdies als Versagerin darstellt.
Im Fall Cornelia und Josef Haase erkannte der Europ. Menschenrechtgerichtshof auf Menschenrechtsverletzung durch Kindesentzug, dennoch kehrten die dem Ehepaar entzogenen sieben Kinder nicht nach Hause zurück. Das Jugendamt verweigerte die Herausgabe. Nur zwei der Kinder sind inzwischen zurück bei den Eltern. Sie sagten vor laufender Kamera, dass man ihnen die Herausnahme aus der Familie mit dem Tod der Eltern erklärt habe.
Im Fall Thomas Porombka wurde der behinderte Sohn dem allein sorgeberechtigten Vater durch eine List entzogen, mit Hilfe des Jugendamts in eine Heimbetreuung verbracht und künftig an jedem Umgang mit dem Vater gehindert. "Hessen-Reporter" brachte einen sehr aufschlussreichen Filmbeitrag darüber.

Im Fall Ellen Jordan wurde der Mutter der Sohn entzogen, weil er in der Schule gemobbt wurde und sie Hilfe beim Jugendamt suchte. Dort meinte man, die Alleinerziehende erziehe den Sohn zu weich und wies ihr einen Erziehungshelfer zu, der den Jungen vermännlichen sollte. Als der Junge sich unter dessen Anleitung gegen die Mobber wehrte, steigerten diese ihre Aggressionen so sehr, dass er sich nicht mehr aus dem Haus und nicht mehr in die Schule wagte. Eine Psychologin attestierte ihm eine schwere Schulangst. Dennoch rückten Jugendamt und Polizei an und verbrachten den Jungen mit Gewalt zunächst in eine psychiatrische Klinik und danach in ein Pflegeheim. Erst als er dort ausriss und die Mutter mit ihm einen weiteren Psychologen aufsuchte, der die Schulangst wegen Mobbings bestätigte, musste das Jugendamt der Herausgabe zustimmen. Seitdem versucht der Junge, seinen im Heim versäumten Schulabschluss an der VHS nachzuholen. Finanzielle Hilfe bekommen Mutter und Sohn dafür nicht.
Im Fall Mosuch wurde die neugeborene Tochter den Eltern entzogen, weil die Mutter nach der Geburt einen "Babyblues" erlitt und psychiatrisch behandelt werden musste, das Jugendamt dem jungen Vater aber nicht zutraute, das kleine Mädchen selbst zu versorgen. Als er das Gericht bat, eine Auswahl unter Tagesmüttern zu treffen, deren Adresse er auf einer Liste vorlegte, wies die zuständige Richterin dies mit der Bemerkung ab, sie sei keine Poststelle und veranlasste die Überantwortung des Babys an eine Pflegefamilie. Auch als die Mutter aus der Klinik entlassen wurde, bekamen die Eltern ihr Kind nicht zurück; dieses sei jetzt an die Pflegeeltern gewöhnt und das Verhalten des Vaters unangemessen gegenüber dem Jugendamt. Der Fall ist im Internet unter www.akte-nina.com zu verfolgen.

Beispiele wie diese sind zahlreich wie der sprichwörtliche Sand am Meer.
Wegen der bei Kindesentziehungen vorfallenden seelischen Grausamkeiten, die ihm durch die Petitionen zu Ohren kamen, erklärte der EU-Petitionsvorsitzende Marcin Libicki in einem Presseinterview, "das Jugendamt wendet brutale Methoden an."

Derartige Äußerungen werden meist als Auswüchse deutsch-polnischer Feindschaften abgewertet. Tatsächlich entsprechen sie der Wahrheit.

Es passiert tatsächlich und zwar sehr oft, dass Eltern nicht über einen geplanten Kindesentzug informiert werden, dass sie wochenlang keinen Richterbeschluss zum Kindesentzug zu Gesicht bekommen, wochenlang nicht erfahren, warum man ihnen ihre Kinder weggenommen hat. Es passiert, dass Jugendamtsmitarbeiter in Polizeibegleitung im Kindergarten, in der Schule auftauchen und Kinder einfach mitnehmen. Diese haben keine Chance, sich von den Eltern zu verabschieden oder mehr mitzunehmen, als sie am Leibe tragen. Sie werden in psychiatrische Kliniken oder zu ihnen wildfremden Menschen verbracht, müssen dort bleiben, werden versteckt und überwacht. Oft dürfen sie wochenlang nicht zur Schule gehen, werden in der Schulklasse zurückgestuft, ständig von Lehrern überwacht, müssen den Nachnamen ihrer Pflegeeltern führen und erfahren auf ihre Fragen nach den Eltern, diese seien tot oder im Gefängnis oder wollten ihre Kinder nicht mehr. Briefe von Eltern an ihre Kinder werden nicht übergeben, Briefe der Kinder nicht an die Eltern ausgehändigt. Telefonate und Besuche sind verboten oder werden nur bei entsprechendem Richterbeschluss und dann unter Überwachung gestattet. Telefonate werden sofort zwangsbeendet, falls ein falsches Wort gesprochen wird. Besuchstermine werden gestrichen, falls die Eltern sich nicht im Sinne der beaufsichtigten Personen verhalten. Dazu gehört, dass Eltern ihren Kinder sagen müssen, sie wollten, dass diese im Heim oder bei Pflegeeltern bleiben.

Sehr oft, aber beileibe nicht immer, handelt es sich um Familien, die durch Trennung/Scheidung zerbrochen sind und in denen das Wohl des Kindes von kommunalen Mitarbeitern des Jugendamts und der zur Zusammenarbeit mit ihnen verpflichteten Familienrichterschaft bei nur einem Elternteil gesehen wird.
Anstatt in allen solchen Fällen zunächst jede vorstellbare behördliche Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten und Kindesentziehung als allerletzte Maßnahme durchzuführen, wird Trennung von Kind und Eltern immer öfter als erste Hilfe praktiziert.
Nach offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamts werden momentan täglich 77 Kinder und Jugendliche ihren Eltern entzogen. Darunter nahezu 500, deren Eltern sich vehement gegen den Kindesentzug wehren. Tendenz rasch steigend.

Derartige, in das Leben von Kindern und Eltern massiv, meist für immer zerstörend eingreifende Entscheidungen fällt die kommunale Behörde ohne jegliche Fachaufsicht. Eine solche gibt es nämlich nicht. Ihre Einrichtung sei gegen die Verfassung, heißt es aus Berlin.
Ein Jugendamtsmitarbeiter als Beschäftigter einer kommunalen Behörde ist nur dem Gesetz, den Richtlinien des Amtes, für das er arbeitet, und dem eigenen Gewissen verpflichtet.

Das heißt, die fachliche Richtigkeit der Entscheidung eines Jugendamtsmitarbeiters, - der Part etwa, der seinem eigenen Gewissen, seiner persönlichen Meinung, seiner Intuition unterliegt, - ist allein seine/ihre eigene Sache.
Als oberster Dienstherr/in fungieren der Bürgermeister und der Landrat; Personen also, die in aller Regel keinerlei Qualifikation zur Prüfung derartig sensibler Entscheidungen haben.
Die kommunale Unabhängigkeit trifft auf das gesetzliche Kindeswohl, das nirgends verbindlich definiert wird und daher nach eigenem Ermessen des jeweiligen Entscheidungsträgers ausgelegt wird.
Hinzu kommt ein in Westdeutschland bislang verpöntes Denunziantentum, das von der Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen aber in der Bevölkerung ausdrücklich gewünscht und als Bürgerpflicht gefördert wird und unlängst ja sogar Kindern und Jugendlichen angetragen wurde, die als Spitzel gegen Alkoholkonsum unter Gleichaltrigen fungieren sollten.

Auf diese Weise werden einerseits Eltern ihrer Kinder beraubt, obwohl ihnen als Eltern nichts vorzuwerfen ist. Anderseits werden Kinder bis zum Tode im Stich gelassen, deren Eltern den Jugendamtsmitarbeitern als "schwierig" bekannt sind.
Willkür hier wie da.
Und doch scheuen Richter davor zurück, Jugendamtsmitarbeiter für ihre falschen Entscheidungen zur Rechenschaft zu ziehen, weil dies andere Jugendamtsmitarbeiter ängstigen könne.

Sehr geehrte Damen und Herren, Ihre Berichterstattung im "Wächter"-Amt der Presse zum Thema Kindesentziehung und Jugendamt ist dringend erforderlich.
Ich möchte Sie daher bitten, sich dabei nicht auf den Aspekt deutsch-polnischer Erzfeindschaft zurück zu ziehen.
Mich hat beispielsweise der CDU-Abgeordnete Wieland als EU-Parlamentarier in Brüssel gerügt, dass ich mich "mit diesen Polen gemein mache", als ich 2007 vor der EU-Petitionskommission gesprochen und eine Fachaufsicht über das Jugendamt gefordert habe. Als ein betroffener Vater sich im Plenum zu Wort melden wollte, wurde ihm über den Mund gefahren, man sei hier nicht auf dem Bazar der Redezeiten.
Auch Frau Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen ließ mir schon 2006 durch einen Mitarbeiter mitteilen, dass sie mit ihren eigenen Kindern und ihrem Amt zu beschäftigt sei, als dass sie meine Nachrichten lesen und sich um das Problem Jugendamt kümmern könne.

Bedenken Sie bitte: Das Problem ist de facto kein Gerangel unter Staaten. Es geht auch nicht um "Ländersachen" und politische Feind- oder Freundschaften.
Kindesentziehung und Umgangsverweigerung, - ich wiederhole mich bewusst, - sind Menschenrechtsverletzungen, denn jedes Kind hat ein natürliches Recht auf seine beiden Elternteile.
Eltern, die um die Menschenrechte ihrer Kinder kämpfen, gelten in Deutschland als Querulanten oder Michael-Kohlhaas-Epigonen. Beata P. ist nur eine von ihnen.

Ihrer Antwort sehe ich aufmerksam entgegen,

Dr. Karin Jäckel
www.karin-jaeckel.de

Das Jugendamt, Beata P. und Kommentare: PR-Berichte aus Polen (dt. Inhaltsangabe)

http://www.rp.pl/artykul/2,215942_Matka_ukrywa_sie_z_synem_i_prosi_
politykow_o_pomoc_.html

Ein Rzeczpospolita-Artikel vom 07.11.2008 mit dem Titel "Eine Mutter geht zusammen mit ihrem Sohn in den Untergrund und bittet Politiker um Hilfe". Es wird dort über ein Treffen der Journalisten mit Frau Pokrzeptowicz (ohne dabei ihren Nachnamen zu nennen) berichtet. Kurz skizziert werden ihre Beweggründe zur Kindesentziehung. Die Autoren gehen geben ferner die Behauptung des Vaters wieder, Frau Beata habe nach der Anordnung der Umgangsbegleitung seitens des JA, selbst auf die Treffen verzichtet und gleichzeitig ihren Sohn, der sie nicht habe treffen wollen, unter Druck gesetzt. Der Vater beteuert ferner, in dieser Angelegenheit keinerlei eigene Verbindungen genutzt zu haben. Am Ende des Artikels weisen die Autoren auf ca. 200 Beschwerden in ähnlichen Fällen hin, die an das Europäische Parlament gerichtet wurden.

http://www.rp.pl/artykul/9158,215928_Czy_dla_Niemcow_obca_kultura_
to_gorsza_kultura.htm

Ein Rzeczpospolita-Artikel vom 07.11.2008, mit dem Titel "Halten die Deutschen eine fremde Kultur für schlechter als ihre eigene?"
Es ist ein Kommentar zum vorherigen Artikel. Frau Beatas Tat (auch hier wird ihr Nachname nicht genannt) wird zwar nicht gut geheißen, aber dennoch für verständlich gehalten. Der Autor weist auf die Tatsache hin, dass jedes Scheidungsdrama einzigartig ist, es gibt ihm allerdings zu denken, warum sich solche Fälle gerade in Deutschland häufen.
Er ruft auch dazu auf, einige Fragen (darunter auch die Titelfrage) an deutsche Stellen zu richten und eine Stellungnahme einzufordern. Am Ende zitiert er den europäischen Justizkommissar Jacques Barrot, der meint, deutsche Gerichte würden in derartigen Angelegenheiten gelegentlich das Unionsrecht verletzen.

http://www.rp.pl/artykul/17,215925_Dyskryminacja_zaprzecza__idei_
UE.html

"Diskriminierung verneint die EU-Idee": ein Interview mit Marcin Libicki. Der PiS-Politiker spricht über ca. 200 ähnliche Beschwerden an die Petitionskommission und beteuert, dass es sich dabei vordergründig um Polen handelt (obwohl auf Eltern anderer Nationalitäten betroffen sind). Ferner erwähnt er den Spezialbericht, der von seiner Kommission vorbereitet wird und in Januar fertig sein soll. Er glaubt, dies werde den Eltern eine Möglichkeit gewähren, für ihre Rechte einzustehen und hofft auf die mediale Wirksamkeit dieses Dokuments. Auf die Frage nach seiner Hilfe für Frau Beata antwortet er, es komme langsam Bewegung in diese Angelegenheit.

http://www.wprost.pl/ar/143967/Zlodzieje-dzieci/?I=1351

Ein Kurzartikel der Zeitschrift "Wprost" (Nr. 46/2008), überschrieben "Kinderdiebe". Gehalten im weitaus emotionelleren Ton als Materialien der "Rzeczpospolita". Etwas mehr biographische Informationen über Frau Pokrzeptowicz (genannt mit Vor- und Zunamen): nach der Scheidung habe sie für ihren Sohn fünf Jahre lang tadellos gesorgt. Probleme begannen, als sie ein Arbeitsangebot von der Universität Danzig bekam und beim Gericht die Ausreisebewilligung beantragte. Nach einer diesbezüglichen Beschwerde des Vaters wurde ihr das Sorgerecht entzogen. Als sie nach einem Treffen mit ihrem Sohn (im Beisein von 2 JA-Mitarbeiterinnen) die Staatsanwaltschaft benachrichtigt hatte, dass ihr Sohn geschlagen worden sei (was ärztlich bestätigt wurde), wurde ihr auch das Besuchsrecht entzogen.

http://www.rp.pl/artykul/28,212189_Scigana_za_porwanie_syna_.html

"Wegen der Entführung ihres Sohnes verfolgt": ein Rzeczpospolita-Artikel vom 30.10.2008. Vollständige Namensangaben der Mutter. Beschreibung des Entführungsvorgangs. Zitiert werden: Marcin Libicki - über seinen Bericht; der Berliner Rechtsanwalt Stefan Hambura - über die Entführung; Olivier Karrer - dass stets das deutsche Elternteil bevorzugt wird sowie der polnische Generalkonsul Boguslaw Dubinski, der behauptet, keinen Eindruck zu haben, Polen werden anders behandelt als andere Staatsbürger.
Unten ein Kasten, betitelt "Wie funtionieren Jugendämter"; angeführt werden zwei Beispiele: Die Familie Nyks aus Ludwigsburg mit ihren mukoviszidose-kranken Kindern und Herr Wojciech Pomorski aus Hamburg.

http://www.naszdziennik.pl/index.php?typ=sw&dat=20081030&id=sw11.txt

Die Tageszeitung "Nasz Dziennik" vom 30.10.2008. Überschrift: "Eine Mutter musste sein Kind gewaltsam dem Jugendamt entreißen". Im wesentlich ein Bericht über die Entführung. Auffallend sind einige Unterschiede, auf die ich hier hinweisen möchte:
a. Blau unterlegt über der Artikelüberschrift, die Feststellung, die Union für ein Europa der Nationen habe mit der Ausarbeitung einer Resolution des Europaparlaments über die Abschaffung des Jugendamtssystems begonnen
b. Der Strafmaß gemäß § 235 StGB bei illegaler Entfernung eines Minderjährigen aus dem Obhut seines gesetzlichen Vormunds
c. Eine Beteuerung, die polnischen Eltern würden sich schon seit Jahren erfolglos bei deutschen wie polnischen Stellen über die Jugendämter beschweren, aber nur die ehemalige polnische Außenministerin Fotyga habe auf die Beschwerden reagiert.
d. Zitiert wird der Eurodeputierte Boguslaw Rogalski: Nach seiner Meinung werden die Rechte der Kinder aus gemischten Ehen auf stetigen und unmittelbaren Kontakt zu beiden Elternteilen sowie das Recht in der Kultur der Eltern erzogen zu werden und die Sprachen der Eltern zu lernen seitens der Jugendämter ständig missachtet. Bei einer Scheidung werde alles versucht, um dem nichtdeutschen Elternteil das Sorgerecht zu entziehen. Zweisprachigkeit werde als schädlich angesehen. Alleine bei der Petitionskommission seien bereits über 250 Beschwerden über die Jugendämter eingegangen. Obwohl die EU-Kommission bereits vor einem Jahr feststellte, dass die Vorgehensweise deutscher Jugendämter den Art. 12 des Gemeinschaftsvertrages, der alle Diskriminierung verbietet, verletzt, habe die Diskriminierungspraxis des deutschen Staates gegenüber den Ausländerkindern noch zugenommen.

taz, 26.01.2009

EIN HEIKLER ENTFÜHRUNGSFALL

Wie eine Polin ihr Kind entführen ließ, um es vor der "Germanisierung" zu bewahren - und damit zur Nationalheldin aufstieg. Eine Geschichte über das zweifelhafte Verständnis mancher Jugendämter in Deutschland vom "Wohl des Kindes".
VON GABRIELE LESSER

Reifen quietschen. Zwei Kinder und eine Frau schreien laut auf. Aus dem silberfarbenen VW-Golf springen zwei Männer. Mit Tränengas setzen sie die Mutter und ihre kleine Pflegetochter außer Gefecht. Den neunjährigen Jungen zerren sie ins Auto, klemmen ihn auf der Rückbank zwischen sich. Er schreit vor Angst und Entsetzen. Passanten wollen den Golf aufhalten. Vergeblich. Stunden später findet die Polizei den verlassenen Wagen in einer Seitenstraße Düsseldorfs, unweit des Tatorts. Gemietet hatte ihn am Vortag Beata Pokrzeptowicz-Meyer, die Entführerin und leibliche Mutter des Jungen.

Wochen später. Im Januar 2009 tappt die Polizei noch immer im Dunkeln.
Während in Deutschland die Medien von der Entführung des kleinen Moritz zunächst kaum Notiz nehmen, steigen polnische Zeitungen und Fernsehsender voll in das Familiendrama ein. Die mit internationalem Haftbefehl Gesuchte gibt lange Interviews. An einem geheimen Ort in Polen fängt die Kamera das Bild des mit einem Flugzeug spielenden Moritz ein. Er versteht, was seine Mutter auf Polnisch sagt, wendet sich selbst aber in deutscher Sprache an sie. Beata Pokrzeptowicz-Meyer, eine intelligent und ein wenig schüchtern wirkende Frau, sagt leise: "Mein Mann wollte nicht, dass Moritz nach unserer Scheidung Polnisch lernt. Das Jugendamt auch nicht."

Die 42-Jährige steigt zur Nationalheldin Polens auf. Sie habe ihren Sohn vor der Germanisierung gerettet. Die Entführung sei zwar unrecht - ihr drohe nun Gefängnis -, doch das vom deutschen Jugendamt ausgesprochene "Polnisch verboten" sei noch viel schlimmer. Das Verbot erinnert Polen an die brutale Germanisierungspolitik Bismarcks Ende des 19. Jahrhunderts und an den Zweiten Weltkrieg, als die Nazis in Polen tausende blonde und blauäugige Kinder raubten, sie in Züge pferchten und ins Deutsche Reich schafften. Die Nazi-Jugendämter verteilten die "reinrassigen Kinder" aus dem südpolnischen Kreis Zamosc zur Adoption an SS-Familien. Nach dem Krieg fanden nur wenige dieser Kinder ihre polnischen Eltern wieder. Sie hatten ihre Muttersprache verlernt und konnten sich oft nicht einmal an die Namen ihrer Eltern und Geschwister erinnern.

In Deutschland erscheint das Argument absurd, deutsche Jugendämter wollten wie in der Nazizeit polnische Kinder "germanisieren". Kaum jemand weiß, welche Rolle die Jugendämter unter Hitler spielten. Kaum jemand hat auch je von der Aktion Zamosc gehört mit über 100.000 vertriebenen und zur Zwangsarbeit ins Reich geschickten Polen, denen noch dazu die Kinder gestohlen wurden. Das gehört nicht zum Schulunterricht. Grotesk erscheint der Vorwurf, ein Jugendamt oder Familiengericht könnte einem Kind seine Muttersprache verbieten. "Polnisch verboten!" So wie in der Nazizeit? Undenkbar!

"Nie hätte ich gedacht", sagte Beata Pokrzeptowciz-Meyer bereits vor zwei Jahren im Gespräch mit der taz, "dass ich einmal in eine so kafkaeske Situation geraten könnte." 1992 sei sie als Polnisch-Lektorin nach Deutschland gekommen, habe an der Universität Bielefeld eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin bekommen und dort ihren späteren Mann, Dirk Meyer, kennengelernt. 1996 heirateten sie. Und drei Jahre später kam Moritz zur Welt.

Nach der Scheidung im November 2002 sprach das Gericht der Mutter das Sorgerecht über Moritz zu. Dirk Meyer heiratete erneut. Mit seinem Sohn traf er sich jedes zweite Wochenende. Dann begannen die Schikanen: "Mein Exmann verbot Moritz und mir, Deutschland zu verlassen. Der Junge durfte seine Großeltern in Polen nicht mehr sehen, seine Tante und die beiden Cousins, mit denen er immer gespielt hatte." Dann strich die Universität Bielefeld die Slawistik aus dem Lehrangebot.
Beata Pokrzeptowicz-Meyer verlor ihre Stelle als Polnisch-Lektorin, fand eine vergleichbare Stelle an ihrer alten Uni in Danzig und stellte beim Jugendamt einen Umzugsantrag. Alles schien glattzugehen. Das Jugendamt stimmte zu.
Mutter und Kind packten ihre Sachen. Im letzten Moment legte Dirk Meyer Widerspruch gegen den Umzug ein.

Trotz einer gerichtlichen Anordnung, dass das Kind vorübergehend beim Vater bleiben solle, fuhr die Mutter mit Moritz nach Polen. Dirk Meyer aber, Beamter im Familienministerium Nordrhein-Westfalens, legte es offenbar darauf an, das Sorgerecht übertragen zu bekommen. Statt sich gütlich mit seiner Exfrau zu einigen, stellte er Strafanzeige gegen sie. Sie habe das gemeinsame Kind "entführt". Seitdem lebte Moritz wieder bei seinem Vater und dessen neuer Frau.

Beata Pokrzeptowicz-Meyer wurde das Sorgerecht aberkannt. Zwar musste sie die Haftstrafe für die Kindesentführung nicht abbüßen, sondern nur eine Geldbuße bezahlen, doch das Familiengericht ordnete nun "begleiteten Umgang" für Mutter und Kind an. Hier kam das Jugendamt ins Spiel. Eine "Begleitperson" sollte künftig die Treffen zwischen Mutter und Sohn beaufsichtigen. So sollte eine erneute Entführung verhindert werden.

Der Streit eskalierte, als die zuständige Sozialarbeiterin im Jugendamt Mönchengladbach-Wickrath ein Polnischverbot über Mutter und Kind verhängte. Als die Mutter sich dagegen wehrt und vor Gericht Recht bekommt, das Jugendamt aber bei seinem Polnischverbot bleibt, geht die junge Frau auf die Barrikaden und an die Öffentlichkeit. Sie gibt Interviews, gründet mit anderen betroffenen Eltern den Verein "Eltern gegen die Diskriminierung der Kinder", klagt sich durch bis zum Bundesverfassungsgericht und verliert immer wieder, da die Gerichte sich meist auf die Expertise der Jugendämter verlassen.

So wendet sich beispielsweise das Oberlandesgericht Düsseldorf an das Jugendamt in Mönchengladbach-Wickrath und fragt, was es denn nun mit diesem seltsamen Polnischverbot auf sich habe. In der offiziellen Antwort vom 17. 11. 2006 heißt es, die Mutter dürfe durchaus "bei ihren Kontakten mit Moritz mit ihm polnisch sprechen".

Polnischunterricht für den Jungen stelle allerdings "aufgrund des Alters des Kindes ? und aufgrund der hochstrittigen Situation zwischen den Eltern ? eine Überforderung dar und sollte von daher zurückgestellt werden."

Zu diesem Zeitpunkt hatte das Jugendamt längst eine Kontaktsperre über Mutter und Kind verhängt, ohne dies aber dem Gericht mitzuteilen. In einem internen Papier vom 3. 11. 2006, das der taz vorliegt, heißt es: "Herr Meyer stellte mir das psychologische Gutachten zur Verfügung. Nach Ansicht des Gutachters leidet Frau Pokrzeptrowicz-Meyer unter einer paranoiden Persönlichkeitsstörung." Die Sozialarbeiterin und Autorin des Papiers ist überzeugt, dass es der Mutter "nicht um das Wohl des Kindes geht, sondern nur darum, recht zu haben und Recht zu bekommen." Dann begründet sie das Polnischverbot. Sie sei es nämlich, die festlege, "dass die Kindesmutter in dem Kontakt mit ihrem Kind deutsch sprechen muss, da ich ansonsten nicht feststellen kann, inwieweit Moritz von seiner Mutter beeinflusst wird".

Nach einem weiteren Gespräch mit dem Vater sei die Sozialarbeiterin zur Auffassung gekommen, dass es das Beste für Moritz sei, die ihn angeblich belastenden und traumatischen Begegnungen mit der Mutter auszusetzen.
"Moritz geht es beim Kindesvater gut", schreibt sie an ihre Chefin. Seitdem hat Beata Pokrzeptowicz-Meyer ihren kleinen Moritz nicht mehr gesehen.

Auf Nachfrage der taz leugnet der Pressesprecher der Stadt Mönchengladbach das Polnischverbot, räumt allerdings ein: "Grundsätzlich gilt aber, dass beim begleiteten Umgang deutsch gesprochen werden sollte, da die Ausgestaltung des Umgangs mit den Begleitern erarbeitet werden muss, was nur über die Sprache ermöglicht werden kann.

Die junge Polin schüttelt den Kopf: "Darum geht es doch gar nicht. Mutter und Kind treffen sich doch nicht zum Informationsaustausch. Es geht um Gefühle." So habe sie Moritz jahrelang zärtlich "synku" genannt. "Natürlich kann ich das übersetzen und ,Söhnchen' sagen. Aber das klingt doch ganz anders. Und soll Moritz nun zu mir ,Mutti' sagen statt ,mamusia'? In Deutschland gibt es keine Möglichkeit, sich gegen Willkürakte des Jugendamtes zur Wehr zu setzen. Das erinnert an die Nazizeit. Das Jugendamt scheint immer noch in dieser Tradition zu stehen."

Genau dieser Vorwurf aber hat den betroffenen Eltern in Deutschland den Ruf von renitenten Spinnern eingebracht, die nicht weiter ernst zu nehmen seien.
Sicher sei das alles sehr tragisch, was sie durchgemacht hätten, heißt es allgemein, doch von Nazimethoden im modernen Deutschland zu sprechen sei ja wohl Unsinn. In Polen ist es genau umgekehrt. Das deutsche Jugendamt gilt inzwischen als Überbleibsel aus der Nazizeit. Wie viele Kinder aus gescheiterten binationalen Ehen tatsächlich betroffen sind, weiß niemand genau. Sind es wirklich nur acht oder zwölf Fälle, wie das Auswärtige Amt zu bagatellisieren versucht?
Oder hat Marcin Libicki Recht, der Vorsitzende des Petitionsausschusses des Europäischen Parlaments, der von über 200 Beschwerden gegen das deutsche Jugendamt spricht?
Über Willkürmaßnahmen und Diskriminierungen würden sich nicht nur Polen beschweren, sondern auch Franzosen, Belgier, Türken, Amerikaner und zahlreiche Deutsche.

"Ich habe Angst, wenn es klingelt, wenn es klopft, wenn ich Schritte auf der Treppe höre", bekennt Beata Pokrzeptowicz-Meyer in ihrem Versteck. "Nach dem Buchstaben des Gesetzes habe ich mit der Entführung Unrecht getan. Aber ich bedaure nicht, was ich getan habe. "Millionen Fernsehzuschauer sahen diese Szene in den Hauptnachrichten des polnischen Privatsenders TVN. "Denn mein Kind hat nun die Wahrheit über mich erfahren. Es weiß nun, dass es mich gibt und dass ich es über alles liebe."

In Mönchengladbach aber sitzt Dirk Meyer im leeren Kinderzimmer von Moritz, blickt auf seine Spielsachen und die Poster an den Wänden. Es sind Klose und Podolski. Deutschpolen - so wie Moritz.

Seite 13
taz Nr. 8794 vom 26.1.2009 Seite 13 332 Zeilen TAZ-Bericht GABRIELE LESSER

erstellt am: 21.03.2009
URL: http://www.rp-online.de/public/article/duesseldorf-stadt/687812/Nach-Polen-entfuehrter-Junge-wieder-zu-Hause.html
 
Familiendrama mit Happy End
Nach Polen entführter Junge wieder zu Hause
zuletzt aktualisiert: 21.03.2009 - 12:47

Düsseldorf (RP) Der neunjährige Junge, der im Oktober von seiner Mutter unter abenteuerlichen Umständen in ihr Heimatland nach Polen entführt wurde, ist wieder zu Hause bei seinem Vater in Mönchengladbach. Das bestätigte gestern Jacek Franek, Anwalt des Vaters. Damit endete ein Scheidungskrieg, der in Polen zum Politikum wurde.
 
Rückblick: Am 24. Oktober kidnappte die geschiedene Mutter ihren Sohn in der Düsseldorfer Innenstadt. Vorausgegangen war ein langer Streit ums Sorge- und Besuchsrecht. Mit quietschenden Reifen soll sie ihren Wagen gestoppt, die Begleiterinnen ihres Sohnes mit Reizgas besprüht und dann den Jungen ins Auto gezerrt haben.
 
Im Heimatland Polen angekommen, war die Frau ein häufiger Fernsehgast. In Interviews gab sie an: "Die deutschen Behörden wollten mein Kind germanisieren." Weil Jugendamts-Mitarbeiter sie bei den Treffen mit ihrem Sohn gezwungen hätten, Deutsch zu sprechen, habe sie den Jungen entführt. Polens Öffentlichkeit war empört.
 
Dabei hatten selbst polnische Gerichte dem Vater das Sorgerecht zuerkannt. Mittlerweile war auch ein internationaler Haftbefehl gegen die Mutter wegen Kindesentführung gestellt worden. Vor zwei Wochen reiste der Vater nach Warschau. Mit Hilfe eines polnischen Journalisten gelang es, Kontakt zur untergetauchten Ex-Frau aufzunehmen.
 
"Wir sind alle stolz, dass es uns gelungen ist, die Angelegenheit gütlich zu beenden", erklärte Rechtsanwalt Franek. Der Junge ist wieder zu Hause in Gladbach, die Mutter, die ebenfalls nach Deutschland zurückkehren will, soll ihn regelmäßig sehen dürfen. Der Vater will die Strafanzeige zurückziehen.
 
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Nachrichten aus Düsseldorf

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Ende gut, alles gut? Mutter und Sohn kehren nach Deutschland zurück.

Düsseldorf, 28.01.2011

Prozess um Kindesentziehung unterbrochen
Von Katharina Rüth
Wegen Kindesentziehung, Körperverletzung und Freiheitsberaubung muss sich derzeit eine 43-Jährige vor dem Landgericht Düsseldorf verantworten. Der erste Verhandlungstag endete damit, dass der Prozess auf unbestimmte Zeit unterbrochen wurde. Die Angeklagte soll erst psychiatrisch untersucht werden.

„Ich will, dass die Wahrheit aufgedeckt wird!“ Beata P. (43) bleibt dabei: Das Gericht soll ihre Geschichte neu aufrollen, die ganze Vorgeschichte, die sie dazu brachte, ihren neunjährigen Sohn zu entführen. Sie will den Berufungsprozess vor dem Landgericht Düsseldorf, obwohl der Vorsitzende Richter ihr deutlich macht, dass das Urteil zu ihrem Nachteil ausgehen könnte. Unterstützung hat sie von zahlreichen Zuschauern, die im Gericht mit emotionalen Kommentaren auffallen. (…)

Als der Vorsitzende Richter Rudolf Wolff die Kosten erwähnt, die der Vater für die Suche nach dem Jungen hatte, ist lautes höhnischen Lachen aus dem Publikum zu hören. Wolff unterbricht die Sitzung. Er hatte sich bereits am Anfang Kommentare aus dem Publikum verbeten. Jetzt lässt er nur noch Zuschauer zu, die ihren Personalausweis kopieren lassen.

Ordnungshaft angedroht

Er macht deutlich: „Wer noch einmal stört, gegen den verhänge ich drei Tage Ordnungshaft!“ Es folgen empörtes Gemurmel, Fragen: „Dürfen wir gar nichts mehr sagen?“ Drei Personen verlassen den Saal, schimpfen: „Das mache ich nicht mit!“, „Das hat mit Rechtsstaat nichts zu tun!“, „Das ist Diktatur!“

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hung-unterbrochen-id4218876.html



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