Bitte um Etablierung einer Kontrollbehörde für das deutsche Jugendamt

Offener Brief von Karin Jäckel
an Frau Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen
und an den Bundespräsident Horst Köhler mit etwas gleichen Inhalts.

Von: Karin Dr. Jaeckel [mailto:karin.jaeckel@xxx.de]
Gesendet: Samstag, 21. Januar 2006 04:56
An: Bethge, Iris
Betreff: an Dr. Ursula von der Leyen

21. Januar 2006

Sehr geehrte Frau Bundesfamilienministerin Dr. von der Leyen,

als Autorin von nunmehr ca. 80 Büchern, die in namhaften Verlagen veröffentlicht wurden und werden, befasse ich mich intensiv mit Familienthemen und hier besonders mit Problemfeldern und passenden Lösungsmöglichkeiten.

Bitte missverstehen Sie mein Anschreiben nicht als Werbepost. Damit würde ich Sie nicht belästigen.

Mein Anliegen ist es vielmehr, Sie in Ihrer Aufgabe als Bundesfamilienministerin und als Mitmensch und Mehrfachmutter auf einen extremen Missstand aufmerksam zu machen und Sie um politische Unterstützung zur Beendung eines Unrechtszustands zu bitten.

Erlauben Sie mir daher, Ihnen kurz zu umreißen, worum es geht.

Im Februar dieses Jahres wird mein Erfahrungsroman "Nicht ohne meine Kinder – Eine Mutter kämpft gegen das Jugendamt" in den Buchhandel kommen, den ich über die Lebenserfahrungen einer deutschen Mutter Namens Joumana Gebara aus W. verfasst habe, der das Jugendamt ihre zwei kleinen Söhne ohne Gerichtsbeschluss entzog, weil sie ihre Kinder während ihrer Ausbildungszeit und Erwerbstätigkeit professionell betreuen ließ, anstatt zu Hause zu bleiben und die Kinder selbst zu betreuen.

Das Martyrium der Kinder und ihrer verzweifelten Mutter endete damit, dass die Mutter ihre Söhne auf eigene Faust zu sich zurück holte.

Das italienische Gericht hat seitdem befunden, dass eine Rücksendung der Kinder nach der Haager Konvention gegen das Kindeswohl sei, zumal beide Kinder in einer Herz ergreifenden Aussage darum baten, bei ihrer Mutter und ihrer Familie bleiben zu dürfen. Eine Strafanzeige gegen die verantwortlichen Jugendamtsmitarbeiter wegen u.a. Kindesentführung und Menschenhandel läuft.

Für mich als dreifache Mutter und erwerbstätige Frau ist es unfassbar, was Joumana Gebara und ihren Kindern angetan wurde. Als skandalös sehe ich jedoch an, dass dies mit der Begründung geschehen ist, dass eine Mutter, die ihre Kinder während der Arbeitszeit, in der sie den Lebensunterhalt für ihre Familie verdient, professionell betreuen lässt, ihre Kinder schädigt, weil sie angeblich lieber arbeiten und ihnen materiell etwas bieten wolle, als selbst für ihre Kinder als Mutter zuständig zu sein.

Sie, sehr geehrte Frau Bundesfamilienministerin, und vor Ihnen auch andere Politikerinnen haben sich dafür stark gemacht und Gesetze auf den Weg gebracht, die professionelle Kinderbetreuung zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf regeln, fördern und neuerdings in besonderer Weise steuermindernd geltend gemacht werden können.

Das deutsche Jugendamt aber, eine offizielle deutsche Behörde also, nimmt einer Mutter ihre Kinder weg, weil sie ihre Kinder professionell betreuen ließ, während sie arbeitete – und somit genau das tat, was die Bundesregierung unterstützt.

Die logische Schlussfolgerung aus dieser Strafaktion des Jugendamts ist, dass professionelle Kinderbetreuung rechtlich gesehen Kindesvernachlässigung darstellt und die dauerhafte Herausnahme des betreffenden Kindes aus seiner eigenen Familie erfordert.

Ist es wirklich das, was Sie, sehr geehrte Frau Bundesfamilienministerin, uns Eltern und unseren Kindern zumuten und antun lassen wollen?

Oder ist es nicht endlich an der richtigen und allerhöchsten Zeit, eine offizielle Kontrollbehörde zur Kontrolle des Jugendamts zu schaffen, welche seit Jahren mit zunehmender Vehemenz von Juristen, Soziologen, Psychologen und anderen Wissenschaftlern und Praktikern gefordert wird?

Eine Kontrollbehörde, deren Anrufung es ermöglichen würde, entsetzliche Grausamkeiten gegen Kinder und Eltern wie etwa in Fallbeispielen wie Familie Haase, Familie Kustner, Herrn Görgülü und anderen zu verhindern, die mittlerweile bereits vor dem Europäischen Menschenrechtgerichtshof gegen Deutschland entschieden wurden und Deutschland wegen Verletzung der Menschenrechte an den internationalen Pranger stellen.

Eine Kontrollbehörde, die den Ruf des deutschen Jugendamts als "Kinderklaubehörde" mit schlecht ausgebildeten Mitarbeitern (s. Dokumentation zur Tagung "Wir sind doch keine Kinderklaubehörde" in Bad Boll 1997) bereinigen und somit helfen könnte, das Wohl von Kindern und den Schutz der Familie zu sichern.

In meiner Arbeit habe ich seit Jahren intensiv mit Eltern binationaler Kinder zu tun, denen der deutsche Elternteil das gemeinsame Kind nach Deutschland entzog, wo dem Kind per Gerichtsbeschluss der ausländische Elternteil dauerhaft entrissen wurde. Und zwar nicht etwa, weil dieser ausländische Elternteil ein "schlechter Vater" oder eine "schlechte Mutter" gewesen wäre. Nein, es genügt, dem ausländischen Elternteil zu unterstellen, dass er das Kind zurück nach Hause entführen wolle.

Ein großer Anteil diese Eltern sieht in diesem Kidnapping ein "braunes reminiscere" an den deutschen Lebensbornverein der Nazi-Zeit und sind überzeugt, Deutschland rekrutiere wieder Kinder aus aller Welt, um den in Deutschland grassierenden Kindermangel auszugleichen und das damit verbundene Aussterben der Deutschen zu verhindern.

In ihren Selbsthilfeorganisationen warnen sie vor Deutschland als "Viertes Reich" und klären ihre Jugend darüber auf, nur ja keine Kinder mit Deutschen zu haben, weil sie ihnen doch nur "geklaut" würden. Erschreckende Aktionen wie die Gott sei Dank verhinderte Entführung des kleinen Blair-Sohnes oder der drohende Absturz des Privatflugzeugs eines aus dem Leben seines Kindes ausgegrenzten Vaters über der Reichtstagskuppel in Berlin sind Ergebnis des "Kinderklaus", der Eltern angetan wurde, die mit solchen Aktionen auf ihr Leid aufmerksam machen wollen.

Kann Deutschland, will Deutschland und deutsche Familienpolitik sich ein solches Image in der Welt leisten?

Bitte lesen Sie mein Buch, sehr geehrte Frau Bundesfamilienministerin, um sich ein Bild über den speziellen Fall Joumana Gebaras in ihrer Kinder zu machen. Und bitte, handeln Sie! Deutschland braucht endlich eine offizielle Kontrollbehörde für das Jugendamt. Österreichs Regierung hat es in einem bemerkenswerten Schritt bereits ansatzweise vorgemacht und in der Abteilung Soziales eines eigene Behörde für Männer/Vaterfragen etabliert.

Leid wie das Leid der Gebara-Kinder und ihrer Mutter darf es in Deutschland nicht mehr geben. Das ist nicht nur ein Gebot der Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit. Es ist auch ein Gebot der politischen Glaubwürdigkeit für unser Land, das derzeit im Familienbereich Menschenrechtsverletzungen begeht, die es bei anderen Ländern und Nationen anprangert.

Als Bürgerin dieses Landes und mehrfache Mutter setze ich in Sie, Frau Bundesfamilienministerin, die Erwartung, dass Sie Gegenwart und Zukunft der Menschen und besonders der Kinder schützen und fördern. Mit dieser Erwartung weiß ich mich mit unzähligen Menschen einig. Und ich bin sicher, auch daran wird die Qualität Ihrer politischen Arbeit gemessen.

Mit einem Hoffnungsgruß,

Dr. Karin Jäckel

Dr. Karin Jäckel
Autorin
http://www.karin-jaeckel.de

 

Antwort aus dem Bundesfamilienministerium

Antwort von Bundespräsident Horst Köhler (pdf)