Umfrage zu Erfahrungen mit dem Jugendamt

Ihre mir am häufigsten gestellte Frage - Meine Antwort

Die mir am häufigsten gestellte Frage lautet:

"Suchen Sie nur negative Erfahrungen, weil Sie das Jugendamt platt machen wollen?"

Meine Antwort:

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

meine Antwort auf Ihre mir am häufigsten gestellte Frage lautet: Nein!

Ich bin ausdrücklich nicht an einer einseitigen Datenerhebung zum gezielten, vorgeplanten Nachteil der Institution Jugendamt interessiert. Mir geht es um ein möglichst reales Bild. Das heißt, ich suche jede Erfahrung!

Dass ich sehr, sehr oft mit Menschen aller Altersgruppen und Herkunft konfrontiert bin, die schlimme, weil schmerzliche, ja, grausam belastende Erfahrungen mit Jugendamtsmitarbeiter/innen machten, trifft zu. In der Regel handelt es sich dabei um Eltern nach hochstrittiger Trennung oder Scheidung oder um nicht eheliche Paare, die ein gemeinsames Sorgerecht für ihre gemeinsamen Kinder eintragen lassen wollen.

Ebenso wahr ist jedoch, dass ich die Arbeit in Jugendämtern auch positiv kenne und dann durchaus schätze. Wenn Sie sich die Mühe machen möchten, meine Ratschläge im "Kummerkasten für Kinder und Jugendliche" oder im "Kummerkasten für Eltern" zu lesen, werden Sie schnell erkennen, dass ich in bestimmten Situationen dazu rate, das Jugendamt um Hilfe zu bitten. Dazu rate ich vor allem dann, wenn Kinder oder Jugendliche in einer schweren familiären Notlage sind, in denen sie rasche, engagierte Hilfe brauchen.

Nicht selten erfahren diese jungen Menschen tatsächlich Hilfe bei den für sie zuständigen Jugendamtsmitarbeiterinnen und Jugendamtsmitarbeitern.

Doch erschreckenderweise erfahre ich auch oft, dass die Hilfe Suchenden jungen Menschen ihren meist unter großen Ängsten angetretenen Gang zum Jugendamt bereuen, weil ihnen keineswegs geholfen wurde. Sei es, dass sie sich mit ihrem Problem "abgebügelt" fühlten. Sei es, dass die Eltern trotz der Bitte um Vertraulichkeit eingeschaltet wurden. Sei es, dass sie hören mussten, wenn sie keine Beweise hätten, könne man nichts machen. Reaktionen, sie Zweifel, Trauer oder auch Zorn wecken.

Ja, ich gebe es gern zu - gerade deshalb, wegen des mir unklaren Bildes der Institution Jugendamt habe ich meine Umfrage gestartet.

Wie anders als durch eine Einbeziehung von möglichst vielen Menschen mit unterschiedlichsten Erfahrungen in meinen Denkprozess des Verstehens von Ursachen und Wirkungen, sollte es mir möglich sein zu erkennen, ob die gegen die Arbeit des Jugendamtes erhobenen Vorwürfe schmerzliche, oftmals ungerecht erscheinende, aber eher seltene Einzelschicksale sind, oder ob es tatsächlich und aus welchen Grunden an der in Jugendämtern geleisteten Arbeit eine Grundsatzkritik gibt?

Vor einigen Jahren wurde einmal eine Tagung zu genau dieser Fragestellung in Bad Boll abgehalten. Diese Tagung wurde in einer Broschüre dokumentiert, deren Titel darauf hinweist, dass die Institution Jugendamt damals dem öffentlichen Vorwurf ausgesetzt war, eine "Kinderklaubehörde" zu sein.

Ich will mit meiner aktuellen Umfrage u.a. ergründen, ob das heute noch so ist und wenn ja oder nein, warum. Dazu gehört auch die Frage, ob, wann, wo und warum das Jugendamt von wem in welcher Lebenslage als hilfreich oder das Gegenteil bewertet und empfunden wird.

Sie können mir dabei helfen, indem Sie sich so zahlreich wie möglich und aus aller Herren Länder beteiligen und mit Ihren persönlichen positiven negativen oder wie immer gearteten Erfahrungen ein realistisches Puzzle-Bild "des Jugendamtes" erstellen.

Meine Umfrage hat bereits in den ersten Tagen ihrer Veröffentlichung im Internet großes Interesse ausgelöst und viele Erfahrungsträgerinnen und Erfahrungsträger dazu bewogen, den Fragebogen auszufüllen und abzuschicken. Dafür möchte ich mich bei allen Personen sehr herzlich bedanken, die mich mit dem Posting der Umfrage auf ihren Web-Sites unterstützt haben. Ganz besonders bei http://www.vatersein.de, wo ich entscheidende "Entwicklungshilfe" für das Formular erhielt.

Ebenso danken möchte ich denjenigen, die sich kritisch geäußert haben und mir Ihre Bedenken oder Fragen übermittelten. Wohl durchdachte, begründete Kritik ist mir immer willkommen. So habe ich auf Grund einer gescheiten Anmerkung eines Kritikers sofort reagiert und die zu Anfang irreführende, von mir falsch gewählte Unterzeile meiner Umfrage geändert.

Falls Ihnen weiterhin etwas unklar sein sollte, schreiben Sie mir. Ich antworte ganz sicher. Auch wenn es nicht immer sofort ist.

Karin

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