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Termine 2006 |
Presseberichte anlässlich der Buchpräsentation in Bozen zum Thema:"Das deutsche Jugendamt, eine Kinderklaubehörde?"Aus: rp-online.de vom 12.3.2006 im opinioforumNicht ohne meine Kinder!Rheinische Post - Nordrhein-Westfalen, Germany Nicht ohne meine Kinder! Germanisierung zwischen Lebensborn und Stasi-Kindern? Das Ausland ist
entsetzt: Hitlers und Honeckers Enkel werkeln munter weiter... Die Stadt Bozen hat eigens hierfür ihre Festhalle zur Verfügung gestellt. Internationale Pressevertreter sind da, ebenso mehrere Kamera-Teams. Sogar "arte" ist vertreten im Rahmen einer Langzeit-Studie. Es herrscht ein wenig Europa-Stimmung. Simultan-Übersetzung nebst Knopf im Ohr für weniger Sprachbeflissene. Die deutsche Presse glänzt trotz Einladung durch Abwesenheit. Dafür ist die Gästeliste lang, Juristen, Politiker, italienische Behördenvertreter, Eltern- und Jugendorganisationen. Der Schauspieler Mathieu Carrière hatte sich angekündigt, mußte jedoch wegen des Wetters in Bayern und einem abendlichen Auftritt im München kurzfristig absagen. Die meisten jedoch sind Mütter und Väter aus vielen Ländern Europas. Alle haben eine Gemeinsamkeit, nämlich: Es geht um Deutschland! Es geht um Kinder in Deutschland! Und es geht um Kinder von Deutschlands Nachbarn! So trägt die Veranstaltung einen Untertitel: Joumana Gebara, die Co-Autorin, ist Mutter von 3 nichtehelichen Kindern. Sie spricht 5 Sprachen und lebte als Ausländerin in Deutschland, in einer kleinen Stadt im Regierungsbezirk Düsseldorf. Es ist Herbst 2004. Wie andere Frauen und Mütter hierzulande von Arbeitslosigkeit bedroht, wartet sie nicht, sondern handelt. So wurde ihr ein neuer Arbeitsvertrag avisiert, der unterschriftsreif in Italiens Norden auf sie wartete. Zudem mußte eine neue Wohnung her, für die Mutter und ihre 3 Kinder. Ihre Abwesenheit, um Vertrag und neue Wohnung klar zu machen, nutzte das Jugendamt und ließ ihre zwei jüngsten Söhne verschwinden. Offenbar in Zusammenarbeit mit der Tagesmutter, wo die beiden und die bereits jugendliche Tochter während der Abwesenheit ihrer Mutter untergebracht waren, wurden die Jungs dort abgeholt. Der Tochter sagte man, die beiden seien nun bei Ihren Vätern. Tatsächlich wurden sie in einer Nacht- und Nebelaktion in Pflegefamilien vermittelt. Begründung 1: Die Mutter hätte sich nach Italien abgesetzt und ihre Kinder zurückgelassen. Nachdem sich dieser Vorwurf nicht halten ließ, die 2. Begründung: Italien sei nicht gut die Kinder! Diese Aussage bekamen auch ermittelnde Bozener Kriminalbeamte am Telefon zu hören, die inzwischen ein Verfahren wegen Kindesentführung gegen die verantwortlichen deutschen Jugendamtsbeamte eingeleitet hatten: "So etwas haben wir hier in Italien noch nie erlebt." Joumana Gebara hat Anfang 2005, unter der Gefahr, hier in Deutschland eingesperrt zu werden, ihre beiden Söhne rück"entführt". Vor dem Familiengericht war sie chancenlos. Wie tausende gleichfalls betroffener Eltern stand sie einer Wand aus Jugendamt, Familiengericht und zu denen "kooperativen" Personen gegenüber. Über die Erniedrigungen durch deutsche Amtsträger und die dahinter steckende Kinderklau-Mentalität berichtet sie in ihrem Buch ausführlich. Ebenso, wie über die abenteuerliche Flucht mit ihren Kindern aus Deutschland heraus. Frühjahr 2006. Im Plenum des Bozener Festsaales kann man eine Stecknadel fallen hören. Gespannt verfolgen die Zuhörer, wie deutsche Ämter in hoher Quantität Kinder wegnehmen und in Fremdunterbringungen vermitteln. Jeder noch so banale Anlaß ist den Jugendämtern genehm. "Ja, mit welcher Begründung tun die das eigentlich?" schallt es aus den Rängen. Die bekannten Begründungen werden vorgetragen. Die Leute schauen sich gegenseitig an, schütteln ungläubig mit den Köpfen. Wir erfahren, daß in Deutschland etwa 170.000 Kinder in Pflegestellen, Heimen und Psychiatrien außerhalb ihrer angestammten Familien untergebacht sind. Den (deutschen) Steuerzahler kostet das rund 10 Milliarden Euro/Jahr. Geschätzte 70.000 Minderjährige befinden sich dort, ohne ein Problemfall zu sein. Sie gehören eigentlich in ihre Familien, so wie es die Vereinten Nationen in ihren Menschenrechtsrichtlinien vorschreiben. Die sind in Deutschland ratifiziert. Aber kaum ein Amt oder Gericht hält sich daran. Ebenso geht es Kindern, die von Elternteilen oder anderen Personen rechtswidrig nach Deutschland entführt wurden. Gemäß Haager Abkommen müssen diese an ihr Herkunftsland herausgegeben werden. Das funktioniert mit vielen Unterzeichnerstaaten, aber eben nicht mit Deutschland. "Ist es in Deutschland schon wieder soweit? Gab es das nicht auch schon in der Nazizeit?" Tatsächlich gab es das schon. Die Jugendämter wurden 1936 durch die Nazis ins Leben gerufen und dienten zur Vorselektierung für das Lebensborn-Programm. Hauptaufgabe damals war, geeignete Kinder zu selektieren und sie ihren Familien zu entnehmen. "Haben die Deutschen denn nichts daraus gelernt? Was sagt denn die Bevölkerung dazu? Läßt die sich solche Entwicklungen wieder gefallen, wie damals nach 1933?". Die deutsche Bevölkerung schweigt tatsächlich. Sogar die Medien halten sich heraus, berichten nur in Einzelfällen und das sehr oberflächlich. Es ist demnach kein Zufall, daß kein deutscher Medienvertreter in Bozen anwesend ist. Ein bekannter FAZ-Redakteur, der bereits zugesagt hatte, sagte kurzfristig wieder ab: "Keine Reiseerlaubnis von meiner Verlagsleitung." "Das ist unglaublich!! Wir hier in Italien würden offen Widerstand leisten, wenn Behördenvertreter sich an unseren Kindern vergreifen würden. Und die Deutschen tun nicht? Gar nichts?? Schauen obrigkeitsblind zu, wo wieder schlimme Sachen in diesem Land passieren?" Betretenes Kopfnicken auf dem Podium. "Die regen sich doch sonst über jeden Pipifax auf, über Bush, Irak, Berlusconi und Bosnien. Dabei geschehen schon wieder schlimme Dinge vor ihrer eigenen Haustür! Und ein ganzes Volk schweigt dazu? Lenkt lieber ab auf andere? Was sind das für Menschen, diese Deutschen?" Die Aufregung ist verständlich, in Italien haben Kinder einen hohen Stellenwert und stehen unter persönlichem Schutz ihrer Familien. Hier heißt es alle für einen und einer für alle. Die differente Mentalität der Deutschen ist hier kaum nachvollziehbar: "Mit ihren Kindern vernichten die ihre Zukunft. Und sowas will modernes Europa sein?" Eine Bozener Zuhörerin fügt hinzu: "Ich habe 7 Jahre für die hiesige Justiz gearbeitet und kann mich in der ganzen Zeit an nur eine einzige Kindeswegnahme erinnern." Was ist so anders in Deutschland? Offen kritisiert wird nun der Feminismus in Deutschland. Die beiden Autorinnen erklären sich beide offen als Anti-Feministinnen. Diese Feministen zerstören die deutsche Gesellschaft. Es wäre für das Land unheimlich wichtig, daß dieser eklige Geschlechterkampf überwunden würde. Daß zwischen den Geschlechtern wieder zusammen gearbeitet wird, damit Beziehungen und Familien wieder funktionieren, wie anderswo in Europa auch. Genau das Gegenteil ist aber in Deutschland der Fall, die Geschlechter separieren sich. Und das wird durch politische Kräfte noch weiter forciert, mit äußerst zerstörerischen Auswirkungen. Die deutsche Linke ist nun in der Kritik. Durch Auswertungen von statistischen Daten über Jugendhilfe ist zu sehen, daß der Kinderklau besonders dort extreme Blüten schlägt, wo die SPD in der Regierung sitzt oder lange Zeit war. Besonders der Norden Deutschlands ist durch hohe Verbringungsquoten auffällig, speziell auch die Bundes- und Landeshauptstädte, dort, wo die Politik sitzt. Der Süden Deutschlands ist wesentlich unauffälliger. In den neuen Ländern sind wiederum höhere Wegnahmewerte erkennbar als in den alten. "Das war bis 1989 DDR-Praxis. Hier regierte Margot Honecker als Familienministerin. Sie entführte Kinder von Dissidenten, Kritikern und Ausreisewilligen und übergab sie Familien von Stasi-Angehörigen. Die sog. Stasi-Kinder gibt es immer noch. Nur nennt sich die Organisation heute anders: Jugendamt, mit quantitativ ähnlichem Erfolg wie vor 1990. Und Pflegeeltern rekrutieren sich heute hauptsächlich aus Angehörigen des öffentlichen Dienstes." Aber auch die Christdemokraten sind in der Kritik: "Die tun auch nichts, sondern entschuldigen dort, wo sie an der Macht sind, die teils von Vorgängern übernommenen Mißstände". Es machen im Foyer Namen die Runde. Darunter der Düsseldorfer OB, die Staatskanzlei und der neue Familienminister, welcher sich zudem als CDU-Menschenrechtsexperte bezeichnet. Auch in Bayern hörte man erst zu (wie der Rechtschreibreformer Zehetmair) und anschließend weg (wie die Parteikollegin und Münchner Familienministerin Stewens). Feminismus etwa auch in der CSU? Es ist Freitag-Nachmittag. Ich bin in Joumanas Wohnung eingeladen. Eine geräumige und geschmackvoll eingerichtete 140qm-Wohnung über den Dächern Bozens, von wo aus die Dolomiten zu sehen sind. Ich lerne ihre Kinder kennen. Ich frage ihren Jüngsten, wie das war, als er nach der Trennung zum ersten mal seine Mutter wieder sah und warum er vor ihr weglief. " Die haben mir gesagt, das mir Mama böses antun will. Ich sollte weglaufen, falls ich sie sehe. Die will mich entführen. Ich wußte nicht, was ich in dem Augenblick tun sollte. Ich wußte nicht mehr, was richtig ist." Am späten Nachmittag ist Lesung und Signierung des neuen Buches in einer Bozener Buchhandlung. Neben Betroffenen ist hauptsächlich die ältere Generation anwesend, die, welche noch den Krieg miterlebt haben. Joumana liest Passagen, warum sie nach Deutschland kam, daß dieses Land ihr großes Vorbild war, wieder auferstanden aus den Kriegswirren und es so toll wieder geschafft hat. Sie wollte immer da hin, dort mitarbeiten und stand immer hinter diesem Land. Eben bis zu diesem Zeitpunkt, als dieses Land ihr Leben und das ihrer Kinder zerstören wollte. "Und warum denn hat man dann Ihre Kinder weggenommen?" Ungläubige Blicke einiger älterer Damen, als die Thesen des Vormittags wiederholt werden. In der Buchandlung wird es wieder still, als Karin Jäckel weiterliest. Nun geht es um die Aussagen der Söhne nach der "Befreiungsaktion". Wie sie in den neuen Familien eingesperrt wurden, den ganzen Tag ihre Zimmer nicht verlassen durften: "Ich habe mir meine Zähne mit den Fingern geputzt, weil sie mir keine Zahnbürste gaben". Die beiden aufmüpfigen Damen von vorhin haben inzwischen kreidebleiche Gesichtszüge, die eine wortlose Frage formulieren: Ist es schon wieder soweit? Es ist Samstag, die Sonne scheint und die Temparaturen sind frühlingshaft angenehm. Bozen zeigt sich in seiner ganzen Schönheit. Wegen Lawinensperren zwischen Tirol und Bayern sitze ich bereits gegen Mittag im Zug. Ich nehme den Regionalzug zum Brenner, um noch möglichst viel von der südtiroler Landschaft in mich aufzusaugen. Mein Waggon füllt sich mit Schulkindern und Jugendlichen. Sie sind fröhlich und albern. Man fragt, ob der Sitz noch frei ist, bevor man sich setzt. Die Wagen selbst sind sauber, keine Schmierereien, keine Beschädigungen, keine Füße auf den Sitzen, keine Frechheiten ggü. Mitreisenden. Wie geht das in der heutigen Zeit? Mir fallen Joumanas Worte vom Vortag ein: "Dieses schöne Stück Erde wollten die Deutschen meinen Kindern nicht gönnen!". Der Zug fährt ab. Obwohl es nicht meine Art ist, bin ich melancholisch. Ich habe nie soviel engagierte Leute gesehen, die sich für ein wenig Menschlichkeit einsetzen wollen. Mir geht's schlecht, meine Augen sind feucht, nach außen verdeckt durch die Sonnenbrille. Mir ist in dem Augenblick bewußt, daß ich aus dem Frühling zurück in den Winter reise. In den deutschen Winter, der seine Kinder frißt. Und die seiner Nachbarn dazu... Buchtip: Dieser Artikel ist Jamie Jasmin gewidmet, deren Menschenrechte* seit 1996 durch ein deutsches Jugendamt gebrochen werden. *) Charta über die Rechte des Kindes der Vereinten Nationen, eine international anerkannte Menschenrechtsnorm, in Deutschland ratifiziert durch den Bundestag. |
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